Schweden: Königsmörder

Zu keiner anderen Zeit können Schwedens Bäcker so viele Kalorien über die Ladentheke schieben wie zur Fastenzeit. "Fastlagsbulle" (Fastenbrötchen), oder kurz: "Semla", heißt der Umsatzbringer, der in seiner Form ein wenig an deutsche Krapfen erinnert. Als solcher begann das Gebäck im Mittelalter seine Karriere auch.

Damals war das Weizenbrötchen, gesüßt und in Milch schwimmend, ein Festtagsessen für den Faschingsdienstag - eine Stärkung für die Fastenzeit. Nach der Reformation nahmen es die Schweden aber nicht mehr so genau mit der Fastenzeit - Semla wurde aber weiterhin verdrückt, und zwar während der ganzen Fastenzeit.

Der Wandel des Semla-Konsums von einer Fastenvorbereitung hin zur Völlerei blieb nicht ohne Opfer: Am 12. Februar 1771, einem Faschingsdienstag, beendete König Adolf Friedrich ein üppiges Mahl mit dem Genuss des Fastengebäcks, das seine Lieblingsspeise war. Der Legende nach verdrückte er 14 Fastlagsbullar, bevor er über Übelkeit klagte, sich ins Bett legte und starb. Graf Johan Gabriel Oxenstierna schrieb daraufhin eine Kampfschrift gegen die Semla, die seiner Auffassung nach verboten werden sollte und "aus Schweden vertrieben, da sie einen Königsmord begangen hat". Die Schrift wird auch heute noch gerne zitiert. Bewirkt allerdings hat sie nichts. Von Gunnar Herrmann

Bild: Maskot/mauritius Images 8. April 2019, 22:532019-04-08 22:53:30 © SZ vom 8.4.2019/pvn