Fußball-Bundesliga:Leipzig siegt nach dem Schock

Fußball-Bundesliga: Der Leipziger Lois Openda (rechts) feiert sein Tor gegen Gladbach nicht so ausgelassen wie sonst.

Der Leipziger Lois Openda (rechts) feiert sein Tor gegen Gladbach nicht so ausgelassen wie sonst.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)

Der Leipziger Sieg gegen Gladbach wird von zwei Todesfällen überschattet. Mainz 05 gewinnt mit neuem Coach, der VfB Stuttgart siegt in Unterzahl. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Anna Dreher, Carsten Scheele und Sebastian Winter

RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0), Tore: 1:0 Xavi Simons (14.), 2:0 Lois Openda (57.)

Bevor es losging, musste sich Leipzigs Trainer Marco Rose Kritik aus der Ferne stellen. Sein früherer Spieler Timo Werner zeigte sich nach seiner Winter-Leihe zu Tottenham enttäuscht. Es habe wenig Austausch gegeben mit den Verantwortlichen, "deshalb war es relativ einfach für mich, diesen Schritt zu gehen." Rose entgegnete bei Sky, er habe sich "sehr um Timo bemüht", und fand: "Er sollte sich freuen, dass es ihm so geht, wie es ihm geht. Ansonsten ist es schon ein Stück weit innehalten, demütig bleiben, die eigene Situation richtig einschätzen." Das Thema sei sehr komplex.

Einfacher war dafür die Begegnung mit Borussia Mönchengladbach. Leipzig war zu Beginn eindeutig überlegen, Xavi Simons traf nach einer knappen Viertelstunde per Volley. Was jedoch den Effekt hatte, dass sein Team auf einmal passiv wurde und die Partie träge. Loïs Openda brachte mit seinem sehenswerten Lupfer zum 2:0 wieder Action ins Spiel - dabei blieb es dann aber auch. Das Sportliche stand am Ende ohnehin nicht im Vordergrund: Ein Gladbacher Fan war bei der Anreise nach Leipzig bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen; ein Leipziger Anhänger musste im Stadion reanimiert werden. In der Pause wurde die traurige Nachricht bekannt, dass auch diese Person verstorben ist. Entsprechend still war es im Stadion.

SV Darmstadt 98 - VfB Stuttgart 1:2 (0:1), Tore: 0:1 Serhou Guirassy (14.), 0:2 Mahmoud Dahoud (90.+2), 1:2 Aaron Seydel (90.+5)

Schon vor der Partie dürfte Bundesliga-Aufsteiger SV Darmstadt Sympathiepunkte beim VfB Stuttgart gesammelt haben. Denn wie die Schwaben, der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach haben sich auch die Hessen für eine offene Neuabstimmung unter allen 36 Profi-Klubs vor dem geplanten Investoren-Einstieg ausgesprochen. Während des Spiels machten sich die Darmstädter zunächst weiter beliebt, weil sie die Gäste in Führung gehen ließen: Serhou Guirassy bugsierte den Ball nach einem Kopfball von Waldemar Anton erst an die Latte und von dort ins Tor.

Dann aber wurde es für den VfB ungemütlicher. Marvin Mehlem hätte beinahe umgehend ausgeglichen, Stuttgarts Glück war ein vorheriges Handspiel. Mehrmals musste Schiedsrichter Tobias Welz danach unterbrechen, immer wieder flogen Tennisbälle auf den Rasen, was zur Nachspielzeit von 20 Minuten führte. Und bei den Stuttgartern ging noch einige Male ordentlich der Puls hoch: Erst hätte Anton beinahe ein Eigentor erzielt, dann war Darmstadt wieder nah dran am Ausgleich und schließlich musste Pascal Stenzel mit Gelb-Rot vom Platz. In Unterzahl konnte der VfB kaum Druck aufbauen, erzielte aber trotzdem das 2:0. Darmstadts Anschlusstreffer kam zu spät.

1. FSV Mainz 05 - FC Augsburg 1:0 (1:0), Tor: 1:0 Sepp van den Berg (44.)

In der 52. Minute war es dann auch in Mainz so weit: Man wähnte sich in Wimbledon, lauter gelbe Tennisbälle lagen auf dem Rasen, die schon übliche Investorenschelte. Referee Tobias Reichel unterbrach die Partie, was aber gar nicht so schlimm war, denn richtig spektakulär war sie vor allem in der zweiten Halbzeit eh nicht mehr. Als es weiterging wurde es intensiv und ruppig auf dem Rasen. Mainz nahm den Abstiegskampf wirklich an, Augsburg fiel nur noch auf, als Mads Pedersen nach einem wüsten Foul an Leandro Barreiro völlig verdient die rote Karte erhielt.

Bo Henriksen, seit dieser Woche Trainer in Mainz und Nachfolger des geschassten Jan Siewert, durfte am Ende über seine ersten drei Punkte beim neuen Klub jubeln. Diese hatte vornehmlich Sepp van den Berg zu verantworten, der 1,90 Meter lange Innenverteidiger, der nach einem Mainzer Freistoß per Kopf traf. Augsburgs Keeper Finn Dahmen war dabei sehr hilfreich, er sprang formschön am Ball und Gegner vorbei. Dahmen wurde ohnehin zum Ritter der eher traurigen Gestalt. Denn er verursachte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auch noch einen Elfmeter, als er den Mainzer Phillipp Mwene ungeschickt mit seinen Torwarthandschuhen am Fuß berührte - und dieser fiel. Nadiem Amiri schaffte es aber, den Elfer an den linken Pfosten zu setzen. Es war der vierte verschossene Elfmeter für Mainz in dieser Saison.

Schlimme Auswirkungen hatte die neuerliche Nervenschwäche nicht. Weniger als jene Massenschlägerei zwischen Fans beider Lager, an der Stunden vor Spielbeginn in Mainz nach Angaben der Polizei bis zu 100 Personen beteiligt waren. Die über den Notruf alarmierten Einsatzkräfte hielten insgesamt 36 Beteiligte - 28 davon mit Bezug zu Augsburg - fest. Alle erhielten einen Platzverweis.

TSG 1899 Hoffenheim - Union Berlin 0:1 (0:0), Tor: 0:1 Brenden Aaronson (84.)

Nein, langweilig war's nicht. In der ersten Halbzeit sammelten beide Teams je einen Pfostentreffer und eine gelb-rote Karte - bei Hoffenheim flog Stanley N'Soki, bei Union traf es Kevin Volland -, dann stand das Spiel wegen zahlreicher geworfener Filzbälle von den Rängen mehrfach kurz vor dem Abbruch. In der zweiten Halbzeit war Hoffenheim dann eindeutig besser, aber was hilft's, wenn das einzige Tor Union erzielt, mit der ersten Chance in der zweiten Halbzeit durch Brenden Aaronson? Richtig, nix.

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 1:1 (0:1), Tore: 0:1 Niclas Füllkrug (8.), 1:1 Yannick Gerhardt (64.)

13 Punkte aus fünf Spielen nach der Winterpause, die Bilanz der Dortmunder klang ganz gut zuletzt. Man hatte aber gelegentlich den Eindruck, dass der ein oder andere Punkt weniger auch in Ordnung gewesen wäre und die Dinge für den BVB schon eher glücklich verlaufen sind. Der Nachmittag in Wolfsburg zeigte, wie es auch laufen kann. Da hatte ein schwacher BVB erhebliche Mühe, zumindest einen Punkt zu retten. Nach dem eher glücklich reingestolperten Führungstreffer von Füllkrug hatte Wolfsburg deutlich mehr vom Spiel, schaffte aber "nur" den Anschlusstreffer durch Gerhardt. Ein Punkt, der dem angeschlagenen VfL-Trainer Niko Kovac ein wenig hilft, aber auch nicht wirklich entlastet.

1. FC Heidenheim - Bayer 04 Leverkusen 1:2 (0:1), Tore: 0:1 Jeremie Frimpong (45.+2), 0:2 Amine Adli (81.), 1:2 Tim Kleindienst (87.)

Xabi Alonso wähnt sich so langsam im deutschen Frühling. Jedenfalls trug der 42 Jahre alte Baske eine frühlingshaft dünne Jacke, als er seine Leverkusener in Heidenheim an der Seitenlinie dirigierte. Vielleicht hätte der Trainer besser eine dicke Arbeiterjacke angezogen, denn so richtig leicht ging dem Tabellenführer das Spiel nicht von der Hand. Wenn es einen Begriff für Leverkusens Darbietung gibt, dann wohl am ehesten den des victoria laborista, klassischer Arbeitssieg also. Aber wer Meister werden will, der benötigt auch diese Erfolge, zumal Leverkusen in Heidenheim ja eine weitere Kunst beherrschte: die des Tores zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt. Jeremie Frimpong traf noch in der ersten Halbzeit sechs Sekunden vor dem Ende der zweiminütigen Nachspielzeit mit einem Schuss ins rechte Eck.

In der zweiten Halbzeit rettete Leverkusen die Führung über die Zeit - und hatte durchaus Glück, dass weder Benedikt Gimber noch Nikola Dovedan oder Tim Kleindienst trafen. Und weil Leverkusen unbedingt den Rekord der Bayern aus Hansi-Flick-Zeiten einstellen wollte (32 Pflichtspiele in Serie ohne Niederlage), traf Amine Adli in der 85. Minute zum 2:0. Wirtz hatte den Ball zuvor noch an die Latte geknallt. Der Anschlusstreffer durch Tim Kleindienst kam zu spät. Leverkusen hat nun vor dem Sonntagsspiel der Bayern in Bochum acht Punkte Vorsprung vor dem deutschen Rekordmeister. Noch ein Alleinstellungsmerkmal: An einem Spieltag, an dem wegen der Fanproteste wieder Hunderte Tennisbälle flogen, war die Partie in Heidenheim unspektakulär verlaufen - und so früh beendet wie keine andere.

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