Mitten in ... Kampala

Moses war unser Nachtwächter. Die Kinder mochten ihn, weil er so schön mit ihnen herumalbern konnte. Nun aber ist der baumlange Kerl fort, einen Tag vor Weihnachten verschwand er. "Wo ist Moses?", fragen wir die Sicherheitsfirma. Die weiß es auch nicht. Vielleicht ist ihm etwas Schlimmes zugestoßen?

An Neujahr lüftet ein Kollege das Rätsel: "Moses ist im Irak", flüstert er. Alles geheim, weil er hier nicht gekündigt hat. Er arbeitet jetzt für die Amerikaner in Bagdad. Die zahlen 1000 Dollar im Monat für einen ugandischen Wächter, mehr als er hier in einem Jahr verdient. Bagdad? Uns läuft es kalt den Rücken hinunter. Aber sein Kollege strahlt: "Moses hat das große Los gezogen. Wenn er zurückkommt, ist er wirklich richtig reich." Ja wenn, denken wir. Die Kinder vermissen ihn schon. Keinen konnten sie so gut leiden wie Moses.

(Arne Perras, SZ vom 9./10.1.2010)

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14. März 2010, 15:282010-03-14 15:28:00 © sde