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Kanzlerkandidatur:Unterstützung für Söder wächst

CSU party leader Markus Soeder and CDU party leader Armin Laschet meet in Berlin

Markus Söder sagt nach der Sitzung der Unionsfraktion am Dienstag: "Das war jetzt ein sehr, sehr wichtiger Moment".

(Foto: Annegret Hilse/Reuters)

Im Streit um die Kanzlerkandidatur melden sich in der Bundestagsfraktion mehr Abgeordnete für CSU-Chef Markus Söder zu Wort, der CDU-Vorsitzende Armin Laschet gerät in die Defensive.

Von Roman Deininger, Robert Roßmann und Jens Schneider, Berlin

Im Ringen um die Kanzlerkandidatur der Union hat der CSU-Vorsitzende Markus Söder Boden gutgemacht. In der Bundestagsfraktion von CDU und CSU lieferten sich die Anhänger von Söder und CDU-Chef Armin Laschet am Dienstagabend einen offenen Schlagabtausch. Während der Fraktionssitzung meldeten sich außergewöhnlich viele Abgeordnete zu Wort und bekannten dabei ihre Unterstützung für einen der beiden Kandidaten.

Dabei sprachen sich laut Angaben von Teilnehmern deutlich mehr Unionsabgeordnete für CSU-Chef Söder aus als für den CDU-Vorsitzenden Laschet. Etwa zwei Drittel der Wortmeldungen seien für Söder ausgefallen. Zudem habe es zum Teil deutliche Kritik an Laschet gegeben, hieß es. Zu einer Abstimmung kam es am Ende der Diskussion in der Unionsfraktion nicht.

Nach der Aussprache kündigte Söder Gespräche mit Laschet an und stellte eine schnelle, gemeinsame Lösung in Aussicht. "Es geht nur gemeinsam, und nur, wenn wir uns miteinander verständigen", sagte Söder am Ende der Debatte. Er werde "alles tun, dass wir am Ende zu einer guten Lösung kommen". Es solle eine Einigung wohl noch in dieser Woche geben. "Man muss das Ergebnis jetzt auch sacken lassen, für jeden einzelnen. Armin und ich haben vereinbart, dass wir uns in dieser Woche auch abschließend dann besprechen werden, wie es weitergehen wird", sagte Söder.

In der Sitzung hatten zunächst beide Bewerber in Statements für sich geworben und sich dabei ausdrücklich auch vom Widersacher abgegrenzt. So verwies Söder dem Vernehmen nach auf seine anhaltend guten Umfragewerte, während Laschet betonte, dass die Union sich bei der Auswahl ihrer Kandidaten nie allein nach Umfragen gerichtet habe. Offenbar auf Söder bezogen soll Laschet gesagt haben: "Wir brauchen keine One-Man-Show." Und er beklagte, dass Söder das Präsidium und den Vorstand der CDU, die Laschet unterstützen, geringschätzen würde. Die beiden Gremien seien keine Splittergruppe.

Söder warb für die "beste Aufstellung - nicht die angenehmste"

Söder hielt in der Fraktionssitzung dagegen. Der CSU-Chef sagte, die Union brauche jetzt "die maximal beste Aufstellung - nicht die angenehmste". Ziel bei der Bundestagswahl sei es nicht, sich irgendwie in die Regierung zu retten, sondern so viele Abgeordnete wie möglich zu bekommen.

In der Aussprache sagte der Hamburger CDU-Mann Christoph de Vries nach Teilnehmerangaben: "Es gibt keine Begeisterung für den Kandidaten Laschet, Markus Söder ist der Bessere." Es gehe schließlich nun um die Frage, ob die Union die führende politische Kraft in Deutschland bleibe. Der Freiburger CDU-Abgeordnete Matern von Marschall wird mit der Forderung zitiert, man müsse "die Kampfkraft von Markus Söder nutzen".

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte dagegen: "Wir brauchen einen Kanzlerkandidaten, der zusammenführt und zusammenhält." Wenn CDU und CSU streiten, gehe der Spalt immer auch durch die CDU. Das wichtigste sei jetzt aber Geschlossenheit. Spahn verwies außerdem darauf, dass man an seinem eigenen Fall doch sehen könne, dass Umfragen alleine kein Kriterium für Entscheidungen sein sollten. Zum Jahreswechsel war Spahn in einer Umfrage Deutschlands beliebtester Politiker, inzwischen ist seine Beliebtheit aber eingebrochen.

Laschet sagte, ihn habe beeindruckt, was Spahn gesagt habe. Wenn die Union die aktuelle Diskussion zwischen Weihnachten und Neujahr geführt hätte, wäre vielleicht Jens Spahn Kanzlerkandidat geworden.

"Die großen Kanzler waren nicht immer die Lieblinge der Medien", wird Laschet zitiert

Aus CSU-Kreisen hieß es am Abend nach der Fraktionssitzung, dass die Entscheidung jetzt wohl bis zum Sonntag fallen werde. Auch Laschet kündigte eine schnelle Lösung an. Es sei eine "sehr gute Diskussion" gewesen, sagte er nach dem Auftritt mit Söder in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Ich glaube, das hat ein sehr gutes Meinungsbild abgegeben." In allen Wortbeiträgen habe es eine Botschaft gegeben: "Einigt euch schnell."

Laschet griff Söder dem Vernehmen nach am Ende der Debatte in der Fraktion deutlich an. "Die großen Kanzler waren nicht immer die Lieblinge der Medien", sagte er nach Informationen aus Teilnehmerkreisen. "Ich glaube, dass meine Positionen dauerhaft richtig sind." Zudem soll Laschet seine Kritiker davor gewarnt haben, dass die Medien widersprüchliche Aussagen von CSU-Chef Söder aus den vergangenen Jahren heraussuchen würden. "Umfragen sind kurzlebig", wird Laschet zitiert. "Wir müssen das gesamte Land im Blick haben."

Am Montag hatten die Präsidien von CDU und CSU jeweils ihrem Vorsitzenden den Rücken für die Kanzlerkandidatur gestärkt. Söder bestand aber darauf, auch ein Meinungsbild der Bundestagsfraktion einzuholen.

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