Droge:Mexiko steht kurz davor, Marihuana zu legalisieren

Das Land würde somit zum weltweit größten legalen Markt für die Droge. Aber: Kann man damit auch den Narco-Bossen Einhalt gebieten, die das Land seit Jahren terrorisieren?

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Mexiko steht kurz davor, der weltweit größte Markt für legales Marihuana zu werden. Die Abgeordnetenkammer in Mexiko-Stadt stimmte am Mittwoch einem entsprechenden Gesetzentwurf zu. Er sieht vor, dass in dem nordamerikanischen Land in Zukunft Volljährige in speziellen Geschäften mit staatlicher Zulassung Marihuana kaufen können, bis zu 28 Gramm von dem Rauschmittel besitzen dürfen und auch zu Hause bis zu acht Cannabispflanzen für den Eigenkonsum anpflanzen können.

Mexiko wäre nach Kanada und Uruguay der dritte Staat der Welt, der die Droge für den Freizeitkonsum freigibt. In den USA haben jeweils nur einzelne Bundesstaaten in ihren Gebieten Marihuana legalisiert, teilweise auch nur zu medizinischen Zwecken. Mit rund 126 Millionen Einwohnern entstünde in Mexiko ein riesiger Markt, mit Millionen potenziellen Konsumenten und Kunden.

Das neue Gesetz sieht vor, dass spezielle Lizenzen an einheimische Produzenten vergeben werden. Kleinbauern und indigene Landwirte sollen dabei bevorzugt werden. So soll verhindert werden, dass große Firmen das potenziell lukrative Geschäft an sich reißen und damit wiederum den Produzenten ihre Lebensgrundlage entziehen, die in Mexiko teilweise schon seit Jahrzehnten Cannabis anbauen.

Bislang verkauften sie die Pflanzen an Drogenbanden und oft gerieten sie bei Revier- und Verteilungskämpfen zwischen die Fronten. Der Gesetzentwurf soll auch dazu beitragen, diese Konflikte in Zukunft zu verhindern. Inwieweit er aber größere Auswirkungen auf den Drogenkrieg haben könnte, unter dem die Mexikaner seit Jahren leiden und der bislang vermutlich rund 150 000 Todesopfer gefordert hat, ist fraglich.

Der Anbau, Schmuggel und Verkauf von Marihuana ist heute, wenn überhaupt, nur noch ein kleiner Bruchteil des Geschäfts, mit dem hochprofessionalisierte Banden aus Mexiko und umliegenden Ländern jedes Jahr Milliarden scheffeln. Sie verdienen mehr mit Kokain und Heroin, vor allem mit synthetischen Drogen. Deren Grundstoffe werden heute meist aus Asien importiert, in mexikanischen und zentralamerikanischen Laboren verkocht und dann über die Grenze in die USA geschmuggelt. Das Geschäft ist wesentlich einträglicher als das mit Marihuana, erst recht seitdem in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten der USA der Konsum von Marihuana legalisiert worden ist.

Der Konsum von Marihuana zu medizinischen Zwecken ist in Mexiko bereits seit 2017 legal. 2019 hatte der Oberste Gerichtshof dann geurteilt, dass ein rund 100 Jahre altes absolutes Verbot der Droge das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verletze. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador und seine Morena-Partei sind Befürworter des nun abgestimmten Gesetzentwurfs. Nach dem Abgeordnetenhaus muss er wegen einer Formangelegenheit noch einmal zurück in den Senat. Eine Zustimmung dort gilt aber als gesichert.

© SZ/aner
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