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Guantánamo-Ankläger:"Gewisse Verhörmethoden"

Darrel Vandeveld hat eine hohe Sicherheitseinstufung. Man schickt ihn zuerst nach Bosnien - um Kriegsverbrecher wie Rodaadovan Karadzizc zu fangen, wie es heißt. In Wahrheit geht es schon längst um verdeckte Terrorismusbekämpfung. Darrel Vandeveld soll mit einer Spezialeinheit radikale Muslime ausfindig machen.

Guantánamo

Wachmann in Guantanamo

(Foto: dpa)

"Wir saßen zusammen und überlegten, wo man solche Leute hinbringen könnte, damit man sie gewissen Verhörmethoden unterziehen konnte", sagt er, "Verhörmethoden, die kein amerikanisches Zivilgericht akzeptiert hätte. Wir überlegten tatsächlich, wie wir das amerikanische Rechtssystem umgehen konnten." Sie finden nichts Schlimmes dabei, die Juristen aus dem JAG-Corps, der Justizbehörde des US-Militärs und aus dem Verteidigungsministerium. Sie brauchen doch Hinweise, sie müssen doch weitere Anschläge verhindern, und diese Informationen müssen sie notfalls auch durch Druck und Gewalt bekommen. Amerika ist angegriffen worden. Es geht um die Sicherheit ihrer Heimat. Und es geht um Rache.

Darrel Vandeveld ist sich der gerechten Sache sicher, egal wo er hingeschickt wird: an das Horn von Afrika, nach Irak, nach Kuwait. Er erhält Auszeichnungen und höchste Belobigungen von seinen Vorgesetzten. Er ist Monate, einmal fast ein ganzes Jahr von seiner Familie getrennt. Wir sind im Krieg, denkt er da noch.

Er erlebt, wie amerikanische Soldaten umkommen. Manchmal sind es gute, sogar sehr gute Freunde. Der Krieg verbindet sie, vielleicht auch, weil man nur mit denen, die ihn auch erlebt haben, überhaupt darüber reden kann. "Es sind die anderen Veteranen", sagt Darrel Vandeveld, "sie wissen, wie es dort ist, sie können noch am ehesten verstehen, warum ich das getan habe."

Vandeveld hat ein Kriegstrauma, sein verzweifelter Freund auch

In den ersten Jahren verdrängt er noch. Die gewaltsamen Tode. Die Anschläge. Die zerfetzten Körper. Die ständige, alles durchdringende Angst vor dem, was hinter der nächsten Straßenbiegung liegen könnte. Man wird kühl, distanziert, sagt er heute, man zieht sich in sich selbst zurück. Man lässt die schrecklichen Erlebnisse nicht an sich heran. "Zumindest habe ich das versucht." Da weiß er noch nicht, dass er längst an PTSD leidet, an posttraumatischer Belastungsstörung. Er hat ein Kriegstrauma, wie so viele Soldaten.

Eines Abends, Vandeveld ist gerade auf Heimaturlaub im sicheren, überschaubaren Erie, ruft ihn ein alter Freund an, sein bester. Er ist gerade wieder in Irak stationiert. Der Mann klingt aufgelöst, er sagt, dass er sich nicht mehr zu helfen wisse, dass er völlig verzweifelt sei. Dann bricht das Telefongespräch plötzlich ab, vielleicht ist das Zeitlimit für solche Anrufe in die Heimat überschritten, vielleicht ist es eine Störung. Und es gibt keine Möglichkeit zurückzurufen, Darrel Vandeveld weiß ja nicht einmal, auf welchem Posten sein Freund gerade ist.

Ein paar Tage später erfährt er dann, dass man seinen besten Freund am nächsten Morgen gefunden hat. Irgendwann, noch in der Nacht des Anrufs, muss er sich umgebracht haben. Darrel Vandeveld ist wie gelähmt. Und vergräbt sich noch tiefer in sich selbst.

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