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Coronavirus:Johnson, Merz, Barnier: So geht es infizierten Politikern

Der britische Regierungschef liegt wegen seiner Corona-Erkrankung auf der Intensivstation. Andere Politiker haben die Krankheit bereits überstanden. Ein Überblick.

Von Thomas Balbierer

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Boris Johnson, britischer Premier

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Quelle: AP

Noch am Freitag meldete sich der an Covid-19 erkrankte britische Premierminister Boris Johnson mit einer Videobotschaft auf Twitter und sagte, es gehe ihm nach siebentägiger Isolation schon besser, er habe nur noch "leichte Symptome". Dann bat er die Briten mit Blick auf das bevorstehende Sonnenwochenende, sich weiterhin an die Ausgangssperre zu halten. Am Wochenende hatte Johnson dann jedoch ganz andere Sorgen als das schöne Wetter. Am Sonntag wurde der Premier ins Krankenhaus verlegt, seit Montagabend befindet er sich sogar auf der Intensivstation. Sein Zustand soll sich verschlechtert haben. Johnsons Erkrankung war am 27. März bekannt geworden. Der Brite ist der erste Regierungschef, der wegen der Lungenkrankheit Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden muss.

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Prinz Charles, Thronfolger

Britain's Prince Charles sends a video message, to the guests at the opening of the NHS Nightingale Hospital in London, from his home in Birkhall

Quelle: via REUTERS

Vor Johnson hatte sich auch der britische Thronfolger Prinz Charles mit dem Coronavirus infiziert. Am 25. März gab der Palast die Ansteckung des 71-Jährigen bekannt, der wegen seines Alters besonders von der Lungenkrankheit gefährdet ist. Der Sohn von Königin Elizabeth II. zeigte aber nur milde Symptome und ist mittlerweile wieder gesund. Die häusliche Quarantäne bezeichnete er in einer Videobotschaft als "merkwürdige, frustrierende und oft quälende" Erfahrung.

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Michel Barnier, Brexit-Verhandler

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Quelle: AFP

Am 19. März, kurz nachdem die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU wegen der Pandemie abgesagt worden waren, machte der EU-Chefverhandler Michel Barnier seine Covid-19-Erkrankung öffentlich. Britische Boulevardmedien warfen Barnier später vor, dass er als "Patient null" das Virus, mit dem sich auch Boris Johnson infizierte, in die britische Regierung getragen haben könnte. Auf Twitter wünschte der Franzose dem Briten eine schnelle Genesung. Barnier selbst ist nach eigenen Angaben wohlauf. Auf Twitter schrieb er: "Es geht mir gut und ich bin guter Hoffnung."

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Carmen Calvo, spanische Vize-Ministerpräsidentin

Spanish PM Sanchez sits near Deputy PM Calvo before speaking on coronavirus disease (COVID-19) at Parliament in Madrid

Quelle: REUTERS

Auch in Spanien ist das Coronavirus auf höchster Regierungsebene angekommen. Vize-Ministerpräsidentin Carmen Calvo wurde am 22. März mit einer Atemwegsinfektion in ein Madrider Krankenhaus gebracht. Später teilte die Regierung mit, dass es sich bei der Erkrankung um Covid-19 handle. Nach wenigen Tagen konnte Calvo, Präsidialministerin im Kabinett von Pedro Sánchez (im Foto links), die Klinik wieder verlassen und sich in häusliche Quarantäne begeben. Neben Calvo hatten sich auch die Gleichstellungsministerin Irene Montero und die Ministerin für Territorialpolitik, Carolina Darias, mit dem neuartigen Virus infiziert.

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Nicola Zingaretti, Vorsitzender des Partito Democratico

FILE PHOTO: Italian President Sergio Mattarella holds consultations on political crisis in Rome

Quelle: REUTERS

Einer der frühen Corona-Fälle in der internationalen Politik war Nicola Zingaretti, Vorsitzender des regierenden Partito Democratico (PD), im besonders von der Pandemie betroffenen Italien. Schon am 7. März hatte der 54-jährige Politiker seine Erkrankung öffentlich gemacht und dann 23 Tage in Selbstisolation verbracht. Am 30. März teilte er auf Facebook mit, dass er zweimal negativ getestet worden sei. "Ich hatte ein paar schlechte Tage, aber ich bin geheilt, ich habe es geschafft." Politik machte Zingaretti auch von zu Hause aus, gab Interviews und veröffentlichte politische Vorschläge in sozialen Medien. Nach seiner Heilung macht er den Italienern Mut im Kampf gegen das Coronavirus: "Jetzt müssen wir dieses Biest vereint besiegen."

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Fabio Wajngarten, Berater des brasilianischen Präsidenten

Brazil's Chief of the Secretariat of Social Communication (SECOM) Fabio Wajngarten is seen at the Planalto Palace, amid the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, in Brasilia

Quelle: REUTERS

Zweimal soll Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro bereits negativ auf das Coronavirus getestet worden sein. Öffentlich macht er die Ergebnisse jedoch nicht. Der rechtspopulistische Politiker spielt die Pandemie immer wieder herunter und vergleicht die tödliche Lungenkrankheit mit einer "kleinen Grippe". Und das, obwohl ein enger Mitarbeiter des Präsidenten positiv auf Corona getestet wurde: Kommunikationschef Fabio Wajngarten (im Foto). Wajngarten berichtete während seiner Erkrankung auf Twitter von Symptomen wie Fieber, dem Verlust von Geschmack und Geruch sowie trockenem Husten. Am 2. April wurde er negativ getestet. Laut Johns-Hopkins-Universität sind mehr als 12 000 Brasilianer an Covid-19 erkrankt. Die Dunkelzahl dürfte jedoch viel höher liegen.

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Rand Paul, US-Senator

Senate Takes Up Coronavirus Relief Bill Passed By House

Quelle: AFP

Rand Paul steckte sich als erster US-Senator mit dem Coronavirus an. Der aus Kentucky stammende Republikaner hatte sich am 16. März als Vorsichtsmaßnahme testen lassen und danach noch an Senatssitzungen teilgenommen sowie im Fitnessstudio des Senats trainert. Die demokratische Senatorin aus Arizona, Kyrsten Sinema, nannte Pauls Verhalten "absolut unverantwortlich". Mehrere Senatoren, die Kontakt zu ihm hatten, gingen in häusliche Quarantäne. Paul selbst wies die Vorwürfe zurück. Er habe den Senat nach der Diagnose "sofort" verlassen.

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Friedrich Merz, CDU-Politiker

Friedrich Merz Homeoffice

Quelle: Friedrich Merz/Twitter

Auch die deutsche Politik blieb vom Coronavirus nicht verschont. Als ersten prominenten Bundespolitiker traf es den FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff, kurz darauf den ehemaligen Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Merz wurde am 15. März positiv getestet. Auf Twitter berichtete der Anwärter auf den CDU-Parteivorsitz regelmäßig über den Verlauf seiner Krankheit. "Am Tag 4 sind die Grippesymptome etwas stärker geworden", schrieb der 64-Jährige zum Beispiel. Wenig später gingen die Symptome laut März in Schnupfen übe, und nach Tag 9 ("ich bin zu Hause arbeitsfähig") dominierten wieder Beiträge zum tagespolitischen Geschehen Merz' Twitterprofil. Nachdem er seine Corona-Erkrankung überstanden hatte, ließ sich Merz sogar zu einem seltenen Lob für seine politische Rivalin Angela Merkel hinreißen. "Ich finde, dass die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten ihre Sache gut machen", bewertete der Politiker das Krisenmanagement der Kanzlerin in der Westfalenpost.

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Cem Özdemir, Grünen-Politiker

Fraktionssitzung der Grünen - Wahl der Vorsitzenden

Quelle: dpa

Kurz nach Merz traf es einen weiteren prominenten Bundespolitiker. Der ehemalige Grünen-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir teilte am 19. März auf Instagram mit, dass er an Covid-19 erkrankt sei. Er wolle seine Ansteckung öffentlich machen, "um deutlich zu machen, dass sich jede und jeder von uns anstecken kann". Es gehe ihm "sehr gut", teilte Özdemir mit. Inzwischen hat der 54-Jährige die Quarantäne wieder verlassen. Die Krankheit sei bei ihm "glimpflich" verlaufen, doch er warnte, dass die Lungenkrankheit nicht bei jedem so folgenlos bleibe.

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