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Coronavirus weltweit:Kosovos Ministerpräsident Hoti mit Coronavirus infiziert

In dem Balkan-Staat waren die Covid-19-Zahlen zuletzt stark angestiegen - Hotis Regierung wurde vorgeworfen, nicht genug dagegen zu tun. Großbritannien setzt im Kampf gegen die Pandemie auf Schnelltests.

Kosovos Ministerpräsident Avdullah Hoti hat mitgeteilt, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat. "Ich habe mich heute auf Covid-19 testen lassen, und der Test war positiv", schrieb Hoti auf Facebook. Allerdings zeige er bis auf einen leichten Husten keine Symptome. Der Regierungschef kündigte an, die kommenden zwei Wochen in Quarantäne zu verbringen und von zu Hause aus zu arbeiten.

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Das Kosovo gilt zusammen mit den übrigen Balkanstaaten außerhalb der EU als Corona-Krisengebiet. Hoti und seiner Regierung wurde vorgeworfen, bisher nicht genug im Kampf gegen das Virus zu unternommen zu haben. Im Kosovo sind etwa 9000 Menschen nachweislich infiziert, etwa 250 Menschen starben bisher. In den vergangenen Tagen waren die Infektionszahlen steil angestiegen - die Regierung in Pristina hatte die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie deshalb zuletzt verschärft.

Großbritannien führt Corona-Schnelltests ein

Großbritannien führt Covid-19-Schnelltests ein. Innerhalb von 90 Minuten könne das Virus nachgewiesen werden, erklärte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Etwa 5,8 Millionen DNA- und 450 000 Abstrichtests sollen zur Verfügung stehen. "Die Tatsache, dass diese Tests sowohl Grippe als auch Covid-19 erkennen können, wird im Winter hilfreich sein, damit Patienten den richtigen Rat befolgen können, um sich und andere zu schützen", so Hancock.

Das britische Gesundheitssystem ist durch den Ausbruch der Pandemie stark belastet. Mehr als 46 000 Menschen sind bislang an den Folgen des Virus verstorben.

US-Notenbanker schlägt "wirklich harten Lockdown" vor

Die USA befinden sich nach Einschätzung der Beraterin des Präsidialamtes, Deborah Birx, in einer "neuen Phase" der Coronavirus-Pandemie. "Was wir heute sehen, unterscheidet sich von März und April", sagt sie dem Sender CNN. Das Virus sei "außerordentlich weit verbreitet" in ländlichen und städtischen Gebieten. "An alle, die in einer ländlichen Gegend leben: Sie sind nicht immun oder vor diesem Virus geschützt." Birx koordiniert die Corona-Arbeitsgruppe des Präsidialamtes.

Die durch die Corona-Krise schwer angeschlagene US-Wirtschaft könnte nach Einschätzung des US-Notenbankers Neel Kashkari von einem vier bis sechs Wochen langen "wirklich harten" Lockdown im Land letztlich profitieren. Der Wirtschaft könne eine starke Erholung gelingen, aber nur, wenn das Virus unter Kontrolle gebracht werde, sagte der Präsident der Fed von Minneapolis am Sonntag dem Sender CBS.

36 Corona-Infizierte auf norwegischem Schiff

Mindestens 36 Crew-Mitglieder eines in Norwegen vor Anker liegenden Passagierschiffs sind mit dem Coronavirus infiziert, unter ihnen ein deutscher Staatsbürger. Das teilte die norwegische Reederei Hurtigruten mit. 33 Betroffene stammten von den Philippinen, jeweils einer aus Frankreich und einer aus Norwegen. Keiner der Infizierten zeige Anzeichen einer Krankheit.

Insgesamt befinden sich noch 154 Crew-Mitglieder an Bord der Roald Amundsen. Das Expeditionsschiff liegt im nordnorwegischen Tromsø vor Anker und werde dort isoliert. Es befänden sich keine Passagiere an Bord. Eigentlich hätte das Schiff am Freitagnachmittag in Richtung Spitzbergen in See stechen sollen. Die Reise wurde aber abgesagt, nachdem am Freitag die ersten Infektionen bei vier Bestatzungsmitgliedern bekannt geworden waren. Diese vier Personen kamen in ein Universitätsklinikum.

Alle Passagiere, die auf den letzten beiden Reisen der Roald Amundsen teilgenommen hatten, seien über die Corona-Infektion der Crewmitglieder informiert worden. Die Passagiere müssten sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Laut norwegischen Medienberichten handelt es sich um etwa 380 Passagiere.

US-Studie: Kinder und Jugendliche haben "wichtige Rolle" bei Virus-Übertragung

Eine Studie zu einem Coronavirus-Ausbruch in einem Sommercamp untermauert der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge die Erkenntnis, dass sich Kinder jeden Alters mit dem Erreger infizieren können. Entgegen ursprünglicher Annahmen könnten Kinder und Jugendliche auch eine "wichtige Rolle" bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen, hieß es weiter. Die am Freitag veröffentlichte Studie dürfte in den USA auch die Debatte zur Wiedereröffnung von Schulen nach den Sommerferien erneut anheizen.

Die Studie befasst sich mit einem Coronavirus-Ausbruch, der sich Ende Juni innerhalb von etwa zehn Tagen in einem Feriencamp für Kinder und Jugendliche im südlichen Bundesstaat Georgia zugetragen hatte. Von den rund 600 dort anwesenden Personen gab es nur von 344 das Ergebnis eines Corona-Tests. Von ihnen hatten sich allerdings 260 mit dem Coronavirus infiziert, also fast die Hälfte. Darunter waren 51 Kinder im Alter bis zehn Jahren, 180 Jugendliche und 29 volljährige Personen. Wegen der fehlenden Testergebnisse sei anzunehmen, dass es noch mehr Infektionen gegeben habe, hieß es in der Studie.

Die rund 250 Angestellten und Freiwilligen in dem Camp mussten Masken tragen, die etwa 350 Gäste im Alter von 6 bis 18 Jahren mussten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Während ihres mehrtägigen Aufenthalts gab es zahlreiche Aktivitäten im Freien und in geschlossenen Räumen, darunter "kräftiges Singen und Jubeln", so die CDC-Studie.

Zwei Tage nach der Ankunft der Gäste sei ein Teenager am 23. Juni mit Erkältungserscheinungen nach Hause geschickt worden. Nachdem die Person positiv getestet worden war, schlossen die Verantwortlichen das Camp am 27. Juni. Von den 136 Personen, für die es Informationen zu Symptomen gab, gaben 36 an, keine Beschwerden gehabt zu haben. Die übrigen berichteten von Fieber, Kopfschmerzen und Halsweh.

292 000 Neuinfizierte an einem Tag

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet einen neuen Rekord bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Innerhalb eines Tages hätten sich weltweit 292 000 Menschen infiziert, teilte die WHO mit. Die meisten neuen Fällen gab es in Nord-, Mittel- und Südamerika mit insgesamt 172 000. In Brasilien wurden die meisten Fälle von allen Staaten gezählt (69 000). Danach folgen die USA (65 000). Unter allen Ländern weltweit sticht auch Indien mit 55 000 neuen Infektionen heraus. In Europa wurden 25 000 neue Infektionen registriert. Viele davon in Spanien mit 2800.

In den USA haben sich nach Angaben der Seuchenbehörde CDC 68 042 Menschen mit dem Virus angesteckt in 24 Stunden. Damit steigt die Zahl der Infizierten auf mehr als 4,47 Millionen. Im Vergleich zum Vortag starben 1216 Menschen. Damit sind insgesamt 150 283 Amerikaner dem Virus erlegen.

Bolsonaro: "Ich habe Schimmel in meinen Lungen"

Der mit dem Coronavirus infizierte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat seine Covid-19-Erkrankung mit den Worten "Ich habe Schimmel in meinen Lungen" beschrieben. Am Donnerstag habe er sich schwach gefühlt. Er nehme nun Antibiotika. Ein Virus-Test am vergangenen Samstag war negativ gewesen. Am 7. Juli war Bolsonaro positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Trotz seiner eigenen Covid-19-Infektion hatte Bolsonaro die Bedrohung durch den Erreger bisher immer heruntergespielt. Die Regierung in Brasília gibt nach wie vor keine nationalen Richtlinien heraus, es gibt keine klaren Zuständigkeiten.

Dabei registriert das lateinamerikanische Land immer wieder Höchstwerte von neuen Coronavirus-Infektionen und Todesfällen. Brasilien hatte zuletzt nach tagelangen Problemen mit der Datenübertragung 69 074 neue Fälle in 24 Stunden gezählt. Die Gesamtzahl der Infektionen erhöht sich damit auf mehr als 2,55 Millionen. Die Todesfälle stiegen um 1595 auf 90 134. Beide Zahlen sind weltweit die höchsten nach denen in den USA. Schätzungen der PUC-Universität in Rio de Janeiro zufolge wird Brasilien in der ersten Augusthälfte die Marke von drei Millionen registrierten Infektionen erreichen.

Das 210-Millionen-Einwohner-Land hatte in den vergangenen zwei Monaten etwa 7000 Corona-Tote pro Woche gemeldet. Die Pandemie hat sich inzwischen von den großen städtischen Zentren in ärmere Regionen im Landesinneren ausgebreitet.

Deutsche Telekom und SAP sollen EU-Corona-Warn-Plattform bauen

Die Deutsche Telekom und SAP sollen für die EU-Kommission eine Plattform bauen, die die Corona-Warn-App verschiedener Staaten miteinander vernetzt. Der Auftrag der EU-Kommission stünde "kurz vor dem Abschluss", wie ein Sprecher der Telekom bestätigte. Zuvor hatte die Wirtschaftswoche berichtet.

Die geplante Plattform soll es ermöglichen, dass die Corona-Warn-Apps verschiedener Staaten miteinander kommunizieren. So sollen Warnungen auch über Grenzen hinweg und im Ausland möglich werden. Die Kooperation werde dem Bericht zufolge zunächst Staaten betreffen, die ähnliche dezentrale Lösungen wie Deutschland einsetzen. Dazu gehören unter anderem die Niederlande, Österreich oder Dänemark.

Telekom und SAP hatten gemeinsam die deutsche Corona-Warn-App entwickelt. Zuletzt gab es Probleme, weil die App teilweise nicht ordnungsgemäß funktioniert hatte. Die Probleme sollten mittlerweile behoben sein. Bislang können Apps der EU-Staaten noch nicht grenzüberschreitend kommunizieren und Warnungen ausgeben.

Fauci fordert US-weite Vorsichtsmaßnahmen

Der führende US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci kann nicht einschätzen, ob die Corona-Pandemie in den USA sich dem Ende nähert oder noch in der Anfangsphase steckt. Eine Vorhersage sei unmöglich, sagte Fauci dem US-Sender CNN. Die Länge der Pandemie hänge davon ab, ob die Amerikaner beispielsweise Mund-Nasen-Schutz trügen, einen Mindestabstand einhielten und anderen Empfehlungen folgten, die eine Verbreitung des Virus stoppten.

Es müssten alle Stoppzeichen herausgeholt werden, sagte Fauci. "Wenn wir das machen, denke ich, sind wir gut unterwegs, das unter Kontrolle zu bringen. Wenn nicht, dann können wir wirklich keine Vorhersage treffen, wie lange das dauern wird." Der renommierte Immunologe ist Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Er gehört als Berater der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses an. Fauci wird gemeinsam mit zwei weiteren Gesundheitsexperten am Freitag bei einer Anhörung vor einem Komitee des Repräsentantenhauses aussagen.

Mann verweigert Maske - 500 Euro Geldstrafe in den Niederlanden

In den Niederlanden ist erstmals ein Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er sich geweigert hatte, im Flugzeug eine Maske zu tragen. Ein 30 Jahre alter Italiener müsse 500 Euro Buße bezahlen, urteilte das Gericht am Amsterdamer Flughafen Schiphol. In Flugzeugen gilt nach niederländischem Recht eine Maskenpflicht.

Der Mann war vor etwa einem Monat mit der Fluggesellschaft Transavia von der Stadt Las Palmas auf Gran Canaria nach Schiphol geflogen. Er hatte sich nach Angaben des Gerichts während des Fluges mehrfach geweigert, die Anweisungen des Kabinenpersonals zu befolgen und einen Mundschutz aufzusetzen. Damit habe er bewusst auch die Gesundheit von anderen Passagieren gefährdet, urteilte das Gericht. "Das sind für jeden unsichere Zeiten, und die Gesundheit ist ein großes Gut."

200 Euro der Geldstrafe wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Buße von 300 Euro gefordert.

Indien hat erstmals mehr als 50 000 Corona-Neuinfektionen pro Tag

Indien stellt einen traurigen Rekord auf: In dem Land sind innerhalb eines Tages erstmals mehr als 50 000 Neuinfektionen mit dem Virus verzeichnet worden. Die konkrete Zahl lag am Donnerstag laut Gesundheitsministerium bei 52 123, die Zahl der Gesamtfälle stieg damit auf nun fast 1 600 000. Wieder genesen sind mehr als eine Million Menschen.

Indien hat die drittmeisten Corona-Fälle weltweit, davor liegen die USA und Brasilien. Allerdings liegt die Sterberate in Indien deutlich niedriger als in den anderen zwei Ländern. In den vergangenen 24 Stunden starben 775 Menschen nach einer Erkrankung mit dem Virus in Indien, die Zahl der Toten liegt damit bei fast 35 000 - in den USA und Brasilien sind es laut Johns Hopkins University mehr als 150 000 beziehungsweise mehr als 90 000 Tote.

Pelosi verhängt Maskenpflicht im US-Kongress

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, macht Masken für alle Gesetzgeber in ihrer Kammer obligatorisch. Zuvor war der republikanische Abgeordnete Louis Gohmert aus Texas positiv auf Covid-19 getestet worden. Gohmert ist bekannt dafür, häufig ohne Maske durch die Hallen des Kapitols zu gehen.

"Mitglieder und Mitarbeiter müssen jederzeit in der Halle des Hauses Masken tragen, mit der Ausnahme, dass Mitglieder ihre Masken vorübergehend entfernen können, wenn sie das Wort erteilt bekommen", sagte Pelosi.

Mindestens zwei andere Mitglieder des Hauses gaben an, sich nach Kontakt mit Gohmert selbst unter Quarantäne gestellt zu haben. Gohmert hätte am Mittwoch mit Präsident Donald Trump nach Texas fliegen sollen. Dafür wurde er routinemäßig auf Covid-19 getestet.

© SZ.de/dpa/Reuters/AP/epd/KNA/gal/bix/jobr/jsa/odg/aner/smh/saul
Paul Romer

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Flächendeckende Corona-Tests
:"Finde die Menschen, die infektiös sind, isoliere sie und mache Auflagen"

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Romer will alle Amerikaner auf das Coronavirus testen lassen - und zwar mindestens zwei oder drei Mal im Monat. Auch für Deutschland empfiehlt er eine drastische Ausweitung der Testkapazitäten.

Von Claus Hulverscheidt

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