Aktuelle Meldungen zum Coronavirus:127 Beschäftigte infiziert - Schlachthof dicht

Sachsens Wirtschaftsminister informiert sich über Arbeitsschutz

Immer wieder hat es Corona-Ausbrüche in deutschen Schlachthöfen gegeben.

(Foto: dpa)
  • In einem Schlachthof in Niedersachsen haben sich mindestens 127 Beschäftigte infiziert.
  • Für Schwangere und Kinder zwischen 12 und 17 Jahren sollen Corona-Schnelltests bis Ende des Jahres kostenlos bleiben.
  • Die Afrika-Chefin der WHO kritisiert reiche Länder dafür, Impfdosen anzuhäufen, und fordert diese auf, Überschüsse dem Programm Covax zu übergeben.
  • In Frankreich sind mit Start der Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen etwa 3000 Angestellte vorläufig suspendiert worden.
  • Bei einer Konzertreihe in Hannover wird erstmals der Einsatz ausgebildeter Corona-Spürhunde erprobt.

Nach einem Coronavirus-Ausbruch mit inzwischen 127 infizierten Beschäftigten ruht der Betrieb in einem Schlachthof im niedersächsischen Georgsmarienhütte. 38 positiv getestete Beschäftigte wohnen im Landkreis Osnabrück, wie die Behörde mitteilte, 89 im benachbarten Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es unter anderem in Lengerich Sammelunterkünfte für rumänische Arbeiter. Unter den positiv Getesteten sind auch bereits Geimpfte, in Lengerich laut einem Stadtsprecher mindestens 25 Prozent. Es handele sich überwiegend um Männer.

Der erste Fall war dem Schlachthof-Betreiber Steinemann Holding GmbH bei einem Test vor Dienstbeginn im Betrieb aufgefallen. Es handelte sich um einen Reiserückkehrer, der nach Betriebsangaben kurz zuvor geimpft worden war. Zu Ansteckungen sei es nicht im Schlachthof, sondern offenbar bei privaten Treffen gekommen, bevor die Quarantäne angeordnet gewesen sei, sagte Geschäftsführer Andreas Steinemann. Der Schlachthof bleibe voraussichtlich bis Ende September geschlossen. (16.09.2021)

Schnelltests für Schwangere und 12- bis 17-Jährige bis Ende 2021 kostenfrei

Kostenlose Corona-Schnelltests soll es für 12- bis 17-Jährige und für Schwangere noch bis Ende 2021 geben. Bis dahin werde man die Kosten übernehmen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der Welt. Für beide Gruppen sei die Impfempfehlung erst kürzlich gekommen. "Sie haben in diesen Wochen die Chance, sich impfen zu lassen." Ungeimpfte müssen vom 11. Oktober an Corona-Tests selber bezahlen. Davon ausgenommen sind Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können und zunächst auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. (16.09.2021)

WHO kritisiert Horten von Impfdosen in reichen Ländern

Die Afrika-Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Matshidiso Moeti, wirft reichen Staaten das Horten von Impfdosen vor. Dadurch würden viele Menschen in armen afrikanischen Ländern vom Zugang zu den lebensrettenden Wirkstoffen ausgeschlossen, kritisierte sie.

Die WHO-Regionaldirektorin für Afrika verlangte von den reichen Ländern, ihre Überschüsse dem internationalen Programm Covax zu übergeben. Nach ihren Angaben sind bislang nur 50 Millionen Menschen oder 3,6 Prozent der Bevölkerung Afrikas gegen den Erreger von Covid-19 vollständig geimpft. In vielen reichen Ländern ist bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung immunisiert.

Nach Moetis Angaben sind inzwischen acht Millionen Covid-19-Fälle in Afrika erfasst worden. In der neunten aufeinanderfolgenden Woche seien die Fallzahlen zurückgegangen. Die WHO weist jedoch regelmäßig daraufhin, dass die Dunkelziffern in Afrika weitaus höher seien. Das liege vor allem an den mangelnden Testkapazitäten und der Weigerung vieler Menschen, sich untersuchen zu lassen.

Im Covax-Programm haben sich mehrere internationale Organisationen wie die WHO, das Kinderhilfswerk Unicef und die Impfallianz Gavi zusammengeschlossen, um eine gleichmäßigere Verteilung von Corona-Impfstoffen zu gewährleisten. Vor allem die Menschen in den armen Ländern sollen einen besseren Zugang zu den Vakzinen erhalten. (16.09.2021)

3000 Gesundheitskräfte wegen Impfpflicht in Frankreich suspendiert

Mit Start der Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen in Frankreich sind etwa 3000 Angestellte vorläufig suspendiert worden. Sie hätten noch keine erste Impfung gegen das Coronavirus vorweisen können, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran am Donnerstag. Er gehe aber davon aus, dass die Angestellten, die etwa in Bereichen wie Küche oder Wäscherei arbeiteten, die Impfung schnell nachholten.

"Alle, die mit kranken und schwachen Menschen in Kliniken oder Heimen arbeiten, sind jetzt geimpft", betonte der Minister. Es habe nur wenige Dutzend Kündigungen von Beschäftigten gegeben, die mit der Impfpflicht gar nicht einverstanden seien.

Betroffen von der Impfpflicht in Frankreich sind etwa 2,7 Millionen Beschäftigte, überwiegend im Gesundheitssektor, aber auch Feuerwehrleute, Beschäftigte des Zivilschutzes sowie Gendarmen. Wer bislang nur die erste Impfdosis erhalten hat, muss zudem einen negativen Test auf der Arbeit vorlegen - so lange bis er einen vollständigen Impfschutz hat. Ihre Impftermine dürfen die Beschäftigten ausdrücklich in die Arbeitszeit legen, um die Impfung zu erleichtern. Gegen die verschärften Corona-Regeln, zu denen auch die Impfpflicht gehört, wird seit Wochen demonstriert, die Teilnehmerzahl sinkt aber beständig. (16.09.2021)

Corona-Spürhunde sollen bei Konzerten Infizierte erschnüffeln

Bei einer Konzertreihe in Hannover wird erstmals der Einsatz ausgebildeter Corona-Spürhunde erprobt. Sie sollen beim Einlass infizierte Menschen erschnüffeln. "Ich freue mich, dass die Machbarkeitsstudie jetzt an den Start geht", sagte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).

"Es wird Zeit, etwas mehr Normalität zu wagen", fügte Thümler hinzu. "Die Studie könnte einen Lichtblick für Künstlerinnen und Künstler bedeuten. Aktueller kann Forschung kaum sein." Das vom Ministerium mit 1,3 Millionen Euro unterstützte Projekt ist eine Gemeinschaftsinitiative der Tierärztlichen Hochschule Hannover und von Konzertveranstaltern der Landeshauptstadt. Die Corona-Hunde sollen bei vier Konzerten eingesetzt werden.

"Wir hoffen sehr, mit dem Projekt auch in einer Realsituation bestätigen zu können, dass gut trainierte Hunde mit ihrer hohen Leistungsfähigkeit in der Lage sind, coronapositive Menschen zu erkennen", sagte der Präsident der Tierärztlichen Hochschule, Gerhard Greif. Eine Pilotstudie der Hochschule hatte gezeigt, dass die Corona-Hunde mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn Speichelproben von infizierten und gesunden Menschen mit etwa 94-prozentiger Sicherheit unterscheiden können. Eine Folgestudie ergab, dass auch Schweiß und Urin geeignetes Probenmaterial sind. (16.09.2021)

Politiker warnen vor Radikalisierung der Impfgegner

Nach einem versuchten Brandanschlag auf ein sächsisches Impfzentrum haben Innenpolitiker des Bundestags vor einer Radikalisierung der Impfgegner gewarnt. "Die zunehmende Gewalt aus der sogenannten Querdenker-Szene gegen öffentliche Institutionen und Gesundheitseinrichtungen ist zutiefst besorgniserregend", sagte der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Konstantin Kuhle, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Radikale Impfgegner und Querdenker seien eine Gefahr für die Gesellschaft und trügen durch Falschinformationen und Verunsicherung dazu bei, dass sich weniger Menschen impfen ließen.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, sagte, seit Monaten beobachte man eine Radikalisierung der Szene. Der Unionsinnenpolitiker Mathias Middelberg (CDU) forderte eine konsequente Aufklärung durch Polizei und Justiz. Der Verfassungsschutz müsse bei der Szene weiter genau hinsehen.

Im sächsischen Vogtlandkreis hatten Unbekannte am Dienstagabend drei Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit gegen ein Rolltor an einem Impfzentrum geworfen. Die Brandsätze zündeten nicht, weswegen kein Feuer ausbrach. (16.09.2021)

Forscher in Hongkong empfehlen nur eine Biontech-Dosis für Jugendliche

Gesundheitsexperten in Hongkong empfehlen wegen des erhöhten Auftretens von Herzmuskelentzündungen nur eine Impfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer für Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Die Erkrankung trete in dieser Altersgruppe häufiger auf als ursprünglich angenommen, sagt Lau Yu-lung, Vorsitzender des Impf-Gremiums, das die Regierung berät. Mit einer Einmalgabe des Vakzins könne das Risiko "deutlich verringert" werden. (16.09.2021)

Inzidenz sinkt leicht

Das Robert-Koch-Institut meldet 12 925 neue Positiv-Tests. Das sind 2416 weniger als am Donnerstag vor einer Woche, als 15 341 Neuinfektionen gemeldet wurden. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 76,3 von 77,9 am Vortag. 68 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 92 837. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 4,1 Millionen Corona-Tests positiv aus. (16.09.2021)

Berlin will Kinder wohl doch von 2-G-Regel ausnehmen

Angesichts breiten Protests gegen die neue 2-G-Regel etwa für die Gastronomie oder Veranstaltungen will der Berliner Senat eineinahlb Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl am 26. Spetmeber nun doch über Ausnahmen für Kinder beraten. Es gehe um "die übergangsweise Erweiterung des 2-G-Optionsmodells um Kinder unter zwölf Jahren, bis die Impfung dieser Kinder möglich ist", hieß es.

Am Dienstag hatte der von SPD, Linken und Grünen getragene Senat beschlossen, dass von Samstag an in etlichen Bereichen Betreiber selbst entscheiden können, ob sie den Zutritt zu Innenräumen wie bisher Geimpften, Genesenen und Getesteten (3 G) erlauben oder unter Wegfall etwa der Maskenpflicht und mit mehr Teilnehmern nur noch Geimpften und Genesenen (2 G). Auch aus den Reihen der Koalition wurde daraufhin Kritik laut. Sie entzündete sich vor allem daran, dass es laut der Senatsentscheidung für Kinder, für die noch keine Impfung möglich ist, keine Ausnahme geben soll.

So hatte etwa SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey eine solche Ausnahme gefordert. "Die gestrige Entscheidung des Berliner Senats zum Optionsmodell 2 G muss korrigiert werden", forderte die Politikerin auf Twitter. Kinder und ihre Familien würden andernfalls "massiv bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benachteiligt". Eine höhere Impfquote müsse erreicht werden, aber nicht auf Kosten von Kindern und ihrer Familien. Auch die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus verlangte Ausnahmen für Kinder sowie für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. (15.09.2021)

© SZ/dpa/Reuters/epd/kast/rroi/aner
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