Sars-CoV-2:Infiziert trotz Impfung

Coronavirus - Impfung

Die allermeisten Menschen werden durch die Impfung gut geschützt, doch bei einigen versagt der Schutz.

(Foto: Gregor Fischer/dpa)

Mitunter können sich auch Geimpfte mit dem Coronavirus infizieren. Studien zeigen, dass diese Menschen im Schnitt schwächere Immunantworten ausgebildet haben - aber für eine Vorhersage, wen es trifft, reicht das nicht.

Von Hanno Charisius

Die bislang in Europa zugelassenen Sars-CoV-2-Impfstoffe schützen allesamt gut vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch vollkommen ist ihr Schutz nicht. In seltenen Fällen kommt es zu "Durchbruchsinfektionen", wenn das Virus es schafft, einen Menschen zu befallen, der bereits vollständig geimpft wurde. Das Robert-Koch-Institut hat seit Beginn der Impfkampagne im vergangenen Jahr etwas mehr als 7000 solcher Fälle registriert. Wahrscheinlich gab es noch mehr, die bislang nicht aufgefallen sind. Angesichts von mehr als 40 Millionen vollständig geimpften Menschen sind diese Zahlen zwar verschwindend klein, Aufmerksamkeit muss man ihnen dennoch schenken.

Eine neue Studie zeigt, dass das Risiko für einen Impfdurchbruch im Zusammenhang steht mit der Zahl der Antikörper, die ein Mensch nach einer Impfung gegen das Virus bildet. Die Daten stammen aus dem größten medizinischen Versorgungszentrum Israels, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft wurden. 1497 von ihnen ließen Abstriche aus dem Nasen-Rachenraum nehmen, die per PCR untersucht wurden. Dabei wurden 39 Infektionen aufgespürt, die meist keine oder nur milde Symptome bei den Betroffenen auslösten. Im Durchschnitt hatten die Infizierten schwächere Immunantworten ausgebildet als diejenigen, die sich nicht angesteckt haben im Untersuchungszeitraum.

"Sich nur auf die Impfung zu verlassen, reicht nicht."

"Eine gut gemachte Studie, die den Zusammenhang zwischen Antikörpermenge und Infektionsrisiko zeigt", sagt Reinhold Förster vom Institut für Immunologie der Medizinische Hochschule Hannover (MHH). "Allerdings zeigt sie auch, dass die Bandbreite der Immunantwort sehr groß ist." Unter den Infizierten waren auch einige mit sehr hohen Antikörperwerten. "Man kann anhand der Antikörpermenge noch nicht vorhersagen, wer trotz Impfung noch ein hohes Infektionsrisiko hat und wer nicht", sagt Förster, der mit seinem Team erst kürzlich in einer Mitarbeiteruntersuchung der MHH zeigen konnte, wie unterschiedlich die Immunantwort auf eine Sars-CoV-2-Impfung ausfallen kann.

"Dass es einen Zusammenhang zwischen Immunantwort und Schutz gibt, haben wir erwartet", sagt Christine Falk, Immunologin an der MHH und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. "Es gibt Menschen, die auf eine Impfung sehr gut ansprechen, und solche, die nicht ganz so gut ansprechen." Diese sogenannten Low Responder seien jedoch die Ausnahme, nicht die Regel, was sich auch in den bislang geringen Zahlen von Impfdurchbrüchen zeige. Die mit der schwächeren Immunantwort vergleicht Falk mit einer löcherigen Abwehr in einer Fußballpartie. "Manchmal kommt ein Virus durch, aber dann gibt es eben noch andere Teile des Immunsystems, die nichts mit der Antikörperproduktion zu tun haben und eine schwere Erkrankung in den allermeisten Fällen verhindern."

Sämtliche Impfstoffe wurden gegen das ursprüngliche Virus entwickelt, das weit weniger infektiös war als die sich aktuell durchsetzende Delta-Variante. "Gegen das ursprüngliche Virus waren auch die meisten Low Responder noch gewappnet", sagt Falk, "doch gegen die Delta-Variante sind mehr Antikörper notwendig, um eine Infektion abzuwehren."

Weil die Delta-Variante so viel infektiöser ist als das ursprüngliche Virus, verglichen Wissenschaftler der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC die Mutante in einem internen Papier mit den ebenfalls hochansteckenden Windpocken. Nach vorläufigen Daten der Behörde können geimpfte Menschen, die sich dennoch mit Delta infizieren, mitunter genauso ansteckend sein wie ungeimpfte Infizierte. Daher sollten auch Geimpfte Menschen weiterhin in Innenräumen Masken tragen. Eine Forderung, die Christine Falk unterstützt. "Impfdurchbrüche müssen uns dann nicht beunruhigen, wenn sie isoliert bleiben und das Virus nicht weitergeben." Deshalb betont sie die Bedeutung der übrigen Schutzmaßnahmen: Abstand, Masken, Lüften und Testen. All das müsse weiter gelten, bis wirklich die allermeisten Menschen immun sind gegen das Virus. "Sich nur auf die Impfung zu verlassen, reicht nicht."

© SZ/weis
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