Corona in Großbritannien:Schmährufe im Unterhaus

Corona in Großbritannien: Falls die Infektionen in Großbritannien demnächst wieder stärker steigen, will Gesundheitsminister Sajid Javid mit einem "Plan B" gegensteuern.

Falls die Infektionen in Großbritannien demnächst wieder stärker steigen, will Gesundheitsminister Sajid Javid mit einem "Plan B" gegensteuern.

(Foto: -/AFP)

Masken, Impfung für Zwölfjährige und eine dritte Impfwelle: Der britische Gesundheitsminister Javid stellt die Pläne der Regierung im Kampf gegen Corona vor - auch Parteikollegen sehen manches kritisch.

Von Michael Neudecker, London

Sajid Javid hat das M-Wort bereits nach etwas mehr als zehn Minuten benutzt, da wurde es gleich ein bisschen lauter im Unterhaus. Der britische Gesundheitsminister verkündete am Dienstagnachmittag den Corona-Plan der Regierung für die kommenden Monate, auch Masken spielen dabei eine Rolle. Einige von Javids Tory-Parteikollegen sehen es mindestens kritisch, dass die Regierung darüber nachdenkt, das Tragen von Masken wieder einzuführen. Er ermuntere jeden, sagte also Javid, sich auch in Zukunft möglichst im Freien zu treffen und an Plätzen, an denen mehr Menschen zusammenkommen, Maske zu tragen. Das Unterhaus war nicht voll besetzt am Dienstag, aber die Schmährufe einiger Abgeordneter waren laut genug zu hören.

Die Infektionszahlen im Vereinigten Königreich sind zuletzt wieder ein wenig gesunken, derzeit infizieren sich knapp 31 000 Menschen täglich. Das entspricht einer Inzidenz von 385 - ein Wert, der in den Statistiken allerdings eher im Kleingedruckten zu finden ist. Als wichtiger werden hier die täglichen Einlieferungen ins Krankenhaus aufgrund von Covid-19 (Stand Dienstag: 1076) sowie die Zahl der täglichen Todesfälle (61) gesehen, die vor Kurzem noch deutlich höher lag.

Doch das Wetter wird nun wieder schlechter - am Dienstag regnete es überwiegend, das Leben der Briten wird sich bald wieder mehr drinnen abspielen als draußen. Gleichzeitig sind weiterhin nahezu alle Beschränkungen aufgehoben. Das führt dazu, dass einem das Coronavirus im Alltag nicht mehr als das real existierende Problem vorkommt, das es jedoch immer noch ist. In den vergangenen sieben Tagen starben im Königreich fast 1000 Menschen in Folge von Covid-19, aber in der U-Bahn in London gehört man zu einer Minderheit, wenn man eine Maske trägt.

Daran wird sich so schnell nichts ändern, das Tragen von Masken bleibt ja freiwillig. Allerdings stellte Javid am Dienstag einen "Plan B" vor, falls die Infektionen in den nächsten Wochen und Monaten stärker steigen. Dieser sieht vor, dass die Menschen wieder von zu Hause arbeiten sollen - und verpflichtet werden, in bestimmten Situationen Masken zu tragen. Als Javid über Plan B sprach, riefen sie in den hinteren Reihen wieder "aah" und "uuh", noch ein bisschen lauter diesmal.

"Wir sind nahe dran, wieder ein normales Leben zu führen"

Die Opposition dagegen unterstützte das Vorgehen zum Teil, soweit das für eine Opposition erträglich ist, insbesondere die Neuigkeiten in Sachen Impfung. 99 Prozent derjenigen, für die Covid-19 tödlich endete, waren laut Daten der Regierung nicht geimpft. Es gibt im Königreich deutlich weniger Impfskeptiker als in Deutschland, aber auch hier nimmt nicht jeder das Angebot einer Impfung gegen das Coronavirus an - viele davon sind jüngere Erwachsene. Nun werden auch die Zwölf- bis 15-Jährigen geimpft.

Zudem wurde am Dienstag der Start des "Booster-Programms" verkündet. Von kommender Woche an schon erhalten alle Erwachsenen über 50 das Angebot einer dritten Impfung, die frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis verabreicht werden kann. Das betrifft 30 Millionen Menschen.

"Wir sind nahe dran, wieder ein normales Leben zu führen", sagte Javid am Dienstag auch. Er ist einer der Abgeordneten, die im Unterhaus nie Maske tragen.

© SZ/plin
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