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Erholung im Oberland:Spielregeln für den Outdoor-Tourismus

Modellprojekt Besucherlenkung Alpen

Die Isar zieht mit ihrer wilden Schönheit immer mehr Ausflügler an. Mit Fördermitteln des Freistaats soll der Besucherstrom nun gelenkt werden. Landrat Josef Niedermaier spricht mit Umweltminister Thorsten Glauber über das Programm und den Zuschuss.

Wildcamper, rücksichtslose Radler, Wanderer überall: Draußen wird es immer voller. Darum fördert der Freistaat mit einer Million Euro Gebietsbetreuer. Sie sollen die Besucher in fünf Landkreisen im Alpenraum besser informieren und lenken.

Von Petra Schneider

Eine ganze Entourage aus Politik, Fachbehörden, Tourismus sowie einige Ranger sind am Montag zum Parkplatz an der Mautstraße zwischen Vorderriß und Wallgau gekommen - Umweltmister Thorsten Glauber (FW), die Landtagsabgeordneten Florian Streibl (FW) und Hans Urban (Grüne), Landrat Josef Niedermaier, der Jachenauer Bürgermeister Klaus Rauchenberger und sein Lenggrieser Amtskollege Stefan Klaffenbacher (alle drei FW). Im Herbst ist Wahl, und auch der bayerische Umweltminister will beim Dauerthema Erholungsdruck Präsenz zeigen. Im Gepäck hat er ein neues Modellprojekt samt Fördermitteln.

"Wir erleben in den letzten zehn Jahren einen Trend zum Outdoor-Tourismus", sagt Glauber. Der hohe Druck auf den Naturraum und die Herausforderungen für die Alpenregionen könnten nicht mit der Pandemie erklärt werden, "und sie werden auch länger bleiben". Der Umweltminister, eigenen Bekundens nach begeisterter Mountainbiker, nennt als Devise: nicht ausgrenzen, sondern aufklären. Sensible Bereiche müssten geschützt werden, Ansprechpartner vor Ort seien dabei ein wesentlicher Schlüssel.

Der Ton zwischen den Nutzergruppen - Radler, Wanderer, Anwohner - werde rauer. Bei einer Radtour am vergangenen Wochenende habe er selbst erlebt, dass ein Campingmobil aus Berlin mitten in eine private Streuobstwiese gefahren sei, erzählt Glauber. "Soweit sind wir, dass Leute in den Gärten von anderen parken." Es brauche "Spielregeln", "no limits geht nicht".

Um für eine bessere Kommunikation und Information zu sorgen, stellt der Freistaat nun einiges Geld zur Verfügung. Damit soll das Netz der Gebietsbetreuer im Alpenraum ausgebaut werden. Mit rund einer Million aus dem Naturschutzfonds werden fünf neue Gebietsbetreuerstellen in Berchtesgaden, Traunstein, Rosenheim, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen gefördert. Träger der neuen Stellen sind die Landkreise. Für knapp 30 Prozent der Landfläche gebe es Gebietsbetreuer, die mit Grundeigentümern, Tourismus, Kommunalpolitik und Naturschutzbehörden in derzeit 56 Schutzgebieten zusammenarbeiten. Das finanzielle Budget für das bayernweite Angebot sei auf knapp neun Millionen aufgestockt worden, sagt Glauber, knapp 260 000 Euro gehen an den Landkreis.

Im Unterschied zu den Rangern, die für die praktische Umsetzung zuständig sind, kümmern sich die Gebietsbetreuer um das Monitoring und die Informationserstellung. Daneben sieht das "Modellprojekt Besucherlenkung in den Bayerischen Alpen" weitere Bausteine vor: Bereits erprobte Instrumente sollen gesammelt und in digitaler Form auch anderen Kommunen zur Verfügung gestellt werden. "Keine Strukturen nebeneinander, sondern stärkere Bündelung" sei das Ziel, "ein voneinander Lernen." Der Einsatz digitaler Technik sei nötig: So könnten etwa mit Drohnen die weiträumigen Gebiete überwacht und Leute bei Verstößen direkt angesprochen werden. Eine Lenkung des Verkehrs über Apps und auch Radiomeldungen zur Staulage an Wochenenden in den Erholungsgebieten hält Glauber für sinnvoll.

"Wir wollen niemanden aussperren", stellte Landrat Niedermaier klar

Der Jachenauer Bürgermeister Rauchenberger wollte von Glauber konkretere Hilfen: So solle der Freistaat die Schilder finanzieren, die bereits in einiger Entfernung vom Walchensee anzeigen sollten, wenn die neuen Schranken am Südufer wegen Überfüllung geschlossen seien. Zudem beklagte er "das Kasperltheater", wenn es um den Bau von Radwegen gehe. "Wenn der Radweg nur fünf Meter ins FFH-Gebiet reicht, dann geht nichts mehr weiter." Dabei seien Radwege doch ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz.

Der Lenggrieser Bürgermeister Klaffenbacher wünschte sich, dass die Lücke im Radwegenetz ab dem Sylvensteindamm geschlossen werde. Das sei finanziell und technisch aufwendig, aber aus Sicherheitsgründen dringend nötig. Die Problematik mit Übernachtungscampern müsse man "in den Griff kriegen", sagte Klaffenbacher. Denn es sei nicht schön für die Ranger, wenn sie Leute nachts in ihren Wohnmobilen aufwecken müssten, weil sie verbotswidrig parkten.

Im Landkreis bemüht man sich seit Längerem darum, die Besucherströme in den Griff zu bekommen, etwa durch das Walchenseekonzept, Ausweichparkplätze, höhere Parkgebühren, mehr Kontrollen, schärfere Strafen, mehr Ranger. Auch die Überarbeitung des Nahverkehrsplans zielt in diese Richtung, ebenso die Kampagne "Naturschutz beginnt mit dir" des Tölzer Land Tourismus und des Landratsamts. "Wir wollen niemanden aussperren", stellte Landrat Niedermaier klar. Die Natur gehöre allen, und das freie Betretungsrecht "ist mir heilig". "Aber die 20 Prozent Deppen, die es immer gibt, bringen die anderen 80 Prozent in Misskredit."

© SZ vom 22.06.2021/lfr
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