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Gastronomie und Einzelhandel:Zur Melange ins Mühltal

Wiener´s Kaffeerösterei im Mühltal

Der Oldtimer-Truck ist ein wahrer Hingucker.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Starnberger Rösterei "Wiener's" will das historische Gebäudeensemble an der Würm sanieren und dort ein Museumscafé eröffnen, weil sie ihr Geschäft in Starnberg aufgeben muss. Schon jetzt lockt ein Oldtimer-Truck Kundschaft an.

Von Christian Deussing

Mitten im Mühltal neben der ehemaligen Mühle und dem alten Lagerhaus steht ein brauner Oldtimer-Truck der Rösterei "Wiener's". Der Chef röstet hier Kaffee, an Wochenenden werden auch Gebäck und Baguettes "to go" verkauft. Wanderer, Radler und Autofahrer sind oft überrascht, was sich hinter der Kurve gegenüber der Fischzucht auftut. Im Truck steht Inhaber Franz Kaiser und bedient die Kunden. Der gebürtige Wiener hat hier aber noch viel mehr vor: Er will das historische Mühlen-Ensemble an der Würm erwerben und vor dem Verfall retten.

Das 130 Jahre alte Pumpenhaus sowie das Lagergebäude an der Staatsstraße sollen saniert und in ein Museumscafé mit Rösterei-Geschäft verwandelt werden. Nun könnte Kaisers Ziel näher rücken, denn das Ensemble steht bald zum Verkauf. Das bestätigt Klaus Krüger, Geschäftsführer des Würmtal-Zweckverbands, der Eigentümer des Objekte ist. Es sei geplant, die Gebäude im Januar erstmals auf dem Markt anzubieten. Zwar habe es immer wieder Anfragen und Interessenten zu den teilweise denkmalgeschützten Immobilien in dem sensiblen Gebiet gegeben, potenzielle Investoren seien dann aber abgesprungen, berichtet Krüger. Zudem spiele nicht nur der Kaufpreis, sondern auch das Nutzungskonzept der Bewerber eine wichtige Rolle bei dem Vorhaben.

Wiener´s Kaffeerösterei im Mühltal

Mit Trommelröster in die alte Mühle: Franz Kaiser, Inhaber des Geschäfts "Wiener's", hat bereits vor einem Jahr einen Stellplatz für seinen Truck und eines der Gebäude im Mühltal als Lagerhaus angemietet.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Rösterei-Inhaber Kaiser, der seit einem Jahr bereits eines der Gebäude als Lager sowie einen Stellplatz für seinen Truck gemietet hat, hofft nun, dass sein Konzept aufgeht. Er wolle an diesem idyllischen Ort eine "kleine Erlebniswelt und Wohlfühloase schaffen und Spaziergängern, Radfahrern, Einheimischen wie Touristen mit dem Projekt für die Zeitgeschichte des Würmtales interessieren", sagt der 61-Jährige, der den Traum zusammen mit seiner Familie verwirklichen möchte. Er würde auch gern in das einstige Müller-Wohnhaus einziehen und im ersten Stock der jetzigen Lagerhalle Personalwohnungen oder Fremdenzimmer einrichten - soweit dies genehmigungsfähig sei. Kaiser betont außerdem, dass bei seinem Vorhaben etwa 20 Arbeitsplätze entstehen würden.

Mit diesen Plänen rennt der Kaffee-Experte bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) offene Türen ein. Ein Projekt dieser Art in Toplage könnte zu einem Anziehungspunkt werden, glaubt GWT-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter, der auch verhindern will, dass das Mühlen-Ensemble verfällt. Es sei daher froh, dass sich "nun endlich was tut und Bewegung in die Sache kommt". Jedenfalls befinde sich der Inhaber der Rösterei als Mieter des Lagerhauses bereits in einer "Pole-Position", sagt Winkelkötter.

Doch ohne die Stadt Starnberg geht nichts, denn das Areal der "Unteren Mühle", so die amtliche Bezeichnung, befindet sich im Außenbereich von Starnberg und teilweise auch im Landschaftsschutzgebiet. Die Planungshoheit hat deshalb die Kreisstadt. Deren Bürgermeister Patrick Janik würde es begrüßen, wenn die alten Gebäude im Mühltal auf sinnvolle Weise erhalten und genutzt werden könnten. Und auch das Landratsamt reagiert durchaus positiv auf die Pläne und ist gespannt , was nun geschieht. Es wäre schön, wenn eine vernünftige Lösung gefunden werde, "aber der Ball liegt zunächst beim Zweckverband und der Stadt Starnberg", erklärt ein Sprecher der Kreisbehörde.

Unterdessen läuft Geschäftsmann Kaiser die Zeit davon. Denn eigenen Angaben zufolge muss er bis zum Juni 2021 sein Rösterei-Geschäft an der B 2 aufgeben, weil das Haus wegen des Starnberger Tunnelbaus abgerissen wird. Nun hofft er auf ein neues Domizil im Mühltal - und dass ihm seine große Stammkundschaft dorthin folgen wird.

© SZ vom 30.12.2020
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