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Null Acht Neun:Grüße von der Smiley-Fraktion

TUnix Festival in München, 2019

Es ist viel schwieriger geworden, Münchner Politikern in den Sommerferien zu entkommen - dank sozialen Netzwerken.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Kommunalpolitiker haben Instagram entdeckt - im Hinblick auf die OB-Wahl verspricht das so einiges.

Früher waren die Münchner Politiker spätestens Mitte August auf wunderbare Weise verschwunden, sie flogen, weil Fliegen noch nicht verpönt war, auf irgendeine griechische Insel oder fuhren in die Toskana. Wochenlang hörte man nichts mehr von ihnen, Oberbürgermeister, Referenten, Stadträte: ein einziges Schweigen. Ein paar Wochen später tauchten sie dann gut gebräunt wieder auf, rechtzeitig zur Wiesn. Heute ist das anders, die Lokalpolitiker sind immer im Einsatz, zumindest in den sozialen Netzwerken.

Natürlich dürfen die Fotos aus der Sommerpause keinesfalls zu angestrengt wirken, man möchte ja einerseits zeigen, dass man auch zur Ferienzeit um das Wohl der Bürger bemüht ist, anderseits aber Genussfähigkeit und Lebensfreude demonstrieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat zum Beispiel zuletzt ein Foto gepostet, auf dem er auf einer Terrasse sitzt, verschmitzt in die Kamera lächelt und beidhändig sein Smartphone bearbeitet: "Büroarbeit - im Urlaub auch mal aus der Gaststätte", schreibt der OB, der nun auch zur Smiley-Fraktion gehört. Reiter bleibt dem heimischen Kosmos auch im August treu, "Petra und ich machen Urlaub dahoam", wie er seine Abonnenten wissen lässt - "viele Grüße vom Ammersee und einen schönen Sonntag".

Schon okay, damit kann man jedenfalls nicht anecken bei den Wählern, anders als Markus Söder, der aus dem Sommerloch ein gut durchgebratenes Steak postete ("heute was besonderes gegönnt"). Dafür gibt's dann natürlich Dresche von Tierfreunden ("alles heiße Luft mit dem Öko-Markus"), aber der Ministerpräsident hat kein Problem damit, auf Instagram gegrillt zu werden, wenn er damit den bayerischen Fleischessern eine Freude machen kann.

Lebenszeichen sendet auch die grüne OB-Kandidatin Katrin Habenschaden: Sie nutzt die freie Zeit, um beim Sendlinger Biobäcker erst Semmeln zu kneten ("Da wächst ein ganz neues Bewusstsein heran") und anschließend in die Berge zu fahren, selbstverständlich "not far from Munich". Alles klar, liebe Frau Habenschaden, wir haben verstanden: Fernreisen sind total out, das wissen die Grünen nach dem Shitstorm um Katharina Schulzes Eisbecher-Impressionen aus Kalifornien nur zu gut. Jetzt ist das Allgäu eben die Grenze des Zumutbaren, und idealerweise versieht man die Beweisfotos mit etwas Selbstironie: "Ich bin mit meiner Kondition echt sehr zufrieden, die Zuschauer waren aber allesamt völlig unbeeindruckt", schreibt Habenschaden, was Raum für Interpretationen lässt. Wird sie auf ihren Wanderungen vielleicht von leibhaftigen Fans begleitet, so wie der Gipfelstürmer Hansi Hinterseer?

Als Lokalpatriotin muss man im Urlaub ganz schön schwitzen, Kommunalreferentin Kristina Frank macht es vor. Die CSU-Politikerin hat ein Foto vom Pop-Up-Yoga im Carport des Abfallwirtschaftbetriebs gepostet ("Warum nicht mal ungewöhnliche Wege gehen"). Klare Botschaft: "kristina.munich", wie sie sich auf Instagram nennt, wird keine Ruhe geben, bis sie ihre Yogamatte im Chefbüro des Münchner Rathauses ausrollen kann.

Wo ist denn nun das Sommerloch, wenn man es braucht?

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