bedeckt München

Westpark:Schnaubende Radler als Aerosol-Schleudern

Im Winter ist auf den Wegen im Westpark noch genügend Platz, aber bei gutem Wetter wird es oft eng zwischen Radlern und Fußgängern.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zum Schutz der Spaziergänger will die CSU das Fahrradfahren auf den Hauptverkehrswegen im Westpark verbieten.

Von Berthold Neff

Es ist im Kampf gegen die Corona-Pandemie ja schon so einiges verboten worden. Vom Schulunterricht, dem Schmökern in Bibliotheken über das Shoppen, den Spätschoppen im Wirtshaus oder den dringend erforderlichen Friseurbesuch - nichts geht mehr. Davon, wegen Corona auch das Radfahren zu untersagen, war bisher noch nicht die Rede, aber durch einen Vorstoß der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark ist auch diese umweltfreundliche Art der Fortbewegung als Infektionsherd ins Gerede gekommen.

Wie das? Sind es doch gerade die Radfahrer, die anerkanntermaßen dazu beitragen, die Zahl der Passagiere in Tram, Bus und Bahn zu reduzieren und somit die Infektionsgefahr zu verringern. Schon, gibt der CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel zu, aber wenn sie auf den Wegen im Westpark tief schnaufend an den Fußgängern vorbeizischen, die etwas Luft schnappen wollen, könnten sie für Spaziergänger zum Problem werden. Gerade jetzt, da der Westpark für viele Menschen die einzige Möglichkeit darstelle, der häuslichen Isolation zu entkommen, müsse man die Fußgänger besonders schützen.

In der jüngsten Sitzung des Stadtviertel-Gremiums beantragte die CSU daher, das Radeln auf den Hauptverkehrswegen während der Pandemie zu verbieten. Gefährlich sei das Zusammentreffen zwischen Radlern und Spaziergängern aber auch sonst, spätestens im Frühjahr werde es stets eng auf den Wegen. Ein Bürgerschreiben hatte Ende Dezember darauf hingewiesen. "Selbst wenn die Radfahrer rücksichtsvoll wären, was in vielen Fällen leider nicht festzustellen ist, reicht der Platz einfach nicht mehr aus. Es kommt regelmäßig zu Gefährdungen der Fußgänger durch Radfahrer", so der Brandbrief des Anwohners Bernt Schober. Von Corona war in diesem Brief nicht die Rede.

Solche Wünsche aus der Bürgerschaft hatten den BA schon früher erreicht. Sie wurden aber, wie der BA-Vorsitzende Günter Keller sagt, stets abgelehnt. Um das Verhältnis zwischen Fußgängern und Radlern zu verbessern, organisierte der BA zusammen mit der Radler-Vertretung ADFC im Jahr 2017 einen Informationstag im Westpark, allerdings, so Keller, "mit überschaubarem Erfolg". Dennoch will man diese Route weiterverfolgen, das Thema soll in einer Runde zweier Unterausschüsse erörtert werden. Ein gutes Video-Konferenzprogramm soll gewährleisten, dass möglichst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer mitreden können. Der CSU-Antrag für das Radlverbot während Corona blieb ohne Mehrheit. SPD-Fraktionssprecher Walter Sturm sagte, er als Radler könne die "dramatischen Schilderungen" der CSU nicht nachvollziehen, und auch Maria Hemmerlein (Grüne) sprach von einer zu "drastischen Maßnahme".

© SZ vom 02.02.2021/kbl, van
Zur SZ-Startseite

SZ PlusCorona-Impfung
:Wenn Warten lebensbedrohlich ist

Monika Kerber aus Haar bei München ist Hochrisikopatientin, sie wird von ihrem 80-jährigen Ehemann gepflegt - und bekommt dennoch keinen Impftermin. Das Problem: Sie ist erst 79 Jahre alt.

Von Iris Hilberth

Lesen Sie mehr zum Thema