Nahverkehr in München:U 5 nach Pasing kostet fast eine Milliarde Euro

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50 Jahre Münchner U-Bahn

Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 wird wohl teurer als zunächst angenommen (Symbolbild).

(Foto: Florian Peljak)

Höhere Baupreise und neue technische Vorgaben machen die Verlängerung erheblich teurer als gedacht. Unklar ist, ob die Stadt auf den Kosten sitzen bleibt.

Von Andreas Schubert

Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Laimer Platz zum Bahnhof Pasing wird deutlich teurer als gedacht. Die Arbeiten sollen Anfang 2022 starten, es fehlt dafür nur noch der Genehmigungsbeschluss. Den will der Bauausschuss des Stadtrats eigentlich am Dienstag fassen. Doch laut einer neuen Vorlage aus dem Baureferat beträgt die Gesamtsumme nun 988 Millionen Euro, inklusive einer Risikoreserve von 90 Millionen Euro. Bei einem Beschluss aus dem Jahr 2015 war noch von 751 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede gewesen, damals waren in dem Preis 112 Millionen Risikoreserve enthalten sowie die Nebenkosten für Arbeiten am Bahnhof Pasing und der Tramlinie 19, die Entsorgung von Altlasten und Planungsleistungen. Das letzte Wort hat die Vollversammlung des Stadtrats.

Die neue Gesamtsumme hat das Baureferat anhand von Ausschreibungsergebnissen errechnet. Als Grund für die Teuerung werden die allgemeine Steigerung der Baupreise um 35 Prozent genannt, aber auch mehrere technische Anforderungen, die sich seit der Streckengenehmigung 2015 geändert haben. Europäische Normen haben frühere nationale Normen abgelöst, was Mehraufwand bei der Bauausführung zur Folge habe. Dazu kommen Erkenntnisse aus der Untersuchung des Baugrunds: Die Schlitzwände, die die Baugrube seitlich stützen, müssen tiefer gegraben werden. Gestiegen sind auch die Anforderungen des Brandschutzes sowie die Kosten für modernere technische Anlagen.

Die Verlängerung der U5 hatte der Stadtrat auf den Weg gebracht, ohne zu wissen, ob sie vom Bund und vom Freistaat gefördert wird. Die Stadt hätte die U-Bahn also auch selbst finanziert - nach damaliger Preisschätzung. Im Sommer dieses Jahres kam jedoch aus dem Bundesverkehrsministerium die Mitteilung, dass der Bund das Projekt bei der Fortschreibung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes bis 2025 berücksichtigen werde und grundsätzlich bereit sei, es "im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten" zu fördern.

Das Baureferat geht davon aus, dass der Bund 75 Prozent der Baukosten übernehmen könnte, der Freistaat zusätzlich 15 Prozent. Voraussetzung ist allerdings, dass die Regeln für die Förderung von Verkehrsprojekten wirklich geändert werden. Der scheidende Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte dies im Juni in Aussicht gestellt und der U5 "bestmögliche Voraussetzungen" für eine Förderfähigkeit attestiert. Neben der Wirtschaftlichkeit soll künftig unter anderem auch der Klimaschutz-Aspekt Berücksichtigung finden. Nach aktueller Lage wäre die U5-Verlängerung nur teilweise förderfähig, das Baureferat schätzt die heute möglichen Zuwendungen auf 150 bis 200 Millionen Euro. Die Stadt bliebe also auf einer enormen Summe sitzen.

Dass der Stadtrat angesichts der steigenden Kosten in letzter Minute die Reißleine zieht, ist nicht zu erwarten. Dennoch gibt es weiterhin Unmut wegen der Pläne - von einer Seite, die eigentlich die Verkehrswende eifrig unterstützt: Der Bund Naturschutz (BN) kritisiert, dass allein im ersten Bauabschnitt im Bereich der Gotthardstraße 530 Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern gefällt werden müssen. An dieser Stelle muss der U-Bahntunnel in der sogenannten Deckelbauweise gebaut werden, es wird also zunächst eine Baugrube ausgehoben, auf die dann ein Betondeckel gesetzt wird. Weil aber auch der Autoverkehr eine Ersatzspur braucht, stehen die Bäume im Weg. Erst westlich der Willibaldstraße wird der Tunnel bergmännisch gegraben, komplett unter der Erde und baumschonend.

Eine geänderte Gleisführung für die vorgesehene Abstellanlage, wie man sie angeregt habe, sei nicht geprüft worden, kritisiert der BN. Die Planung werde den Erfordernissen des Klimawandels nicht gerecht. Die Naturschützer geben sich auch nicht damit zufrieden, dass nach dem Bau neue Bäume gepflanzt werden sollen. Große Bäume hätten eine Schlüsselfunktion bei der Anpassung an den Klimawandel genauso wie für die Lebensqualität der Menschen. Neu gepflanzte Bäume entfalteten erst nach 40 Jahren ihre volle Wirksamkeit für das Stadtklima hinsichtlich Verschattung, Kühlung und Sauerstoffproduktion.

"Der Klimawandel schreitet voran und wir brauchen schon jetzt jeden Großbaum, der das weitere Aufheizen unserer Stadt abmildert", sagt Angela Burkhardt-Keller, die sich beim BN unter anderem um Baumschutz kümmert. In München würden pro Jahr rund 2000 Bäume gefällt und nicht ersetzt. Für eine Stadt, die zukunftsfähig sein will, sei das einfach zu viel. Der Bund Naturschutz fordert, dass die Pläne für die U5-Verlängerung noch einmal überprüft werden sollen, glaubt aber offenbar selbst nicht mehr daran, dass dies auch geschieht. Jedenfalls plant der Verein eine Aktion, bei der sich vom 1. Januar an die Münchner mit Schildern von ihren Bäumen verabschieden.

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