bedeckt München

Gesundheit:"Traumatisierte sind Gefangene der Vergangenheit"

"Eine Traumareaktion ist an sich eine Warnung, sich besser zu schützen, wenn wieder so etwas passiert", sagt Trauma-Experte Willi Butollo.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Menschen gehen sehr unterschiedlich mit traumatischen Erlebnissen wie einem Unfall, Missbrauch oder Gewalt um. Der Therapeut Willi Butollo erklärt, was ein Schock in Körper und Kopf auslöst und wie man damit umgeht.

Interview von Susi Wimmer

Der Unfall, bei dem ein Raser im November 2019 einen 14-jährigen Buben tötete, der gerade die Fürstenrieder Straße überqueren wollte, schockierte ganz München. In dieser Woche wird der Prozess gegen den 36-jährigen Angeklagten vor dem Münchner Landgericht I fortgesetzt. Viele Zeugen - Polizisten, Freunde des Jungen, andere Verkehrsteilnehmer - haben die Bilder noch heute im Kopf. Wie verarbeitet man so ein Trauma? Willi Butollo war Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität und einer der ersten Traumaforscher in Deutschland. Er leitet heute sein eigenes Institut für Traumatherapie. Ein persönliches Interview in diesen Zeiten lehnt er ab. "Ich gehöre zur Hochrisikogruppe", sagt der 76-Jährige in weichem Österreichisch. Während des Video-Calls fällt der Blick auf ein Regal im Hintergrund. "Na, hoffentlich ist da nichts Kompromittierendes zu sehen", scherzt er. Als zur Antwort kommt, da stünden eh nur Ordner, lacht der Professor: "Als ob da Ordnung wäre, nur weil es Ordner heißt."

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Coronavirus - Unterricht an Schulen in Schleswig-Holstein
Corona-Beschränkungen
Die Schulen haben keine faire Chance
Virus-stricken Dutch cruise ship expected to reach Florida's coasts after stand-off over permission to dock
USA
Wie das Coronavirus Amerika infizierte
Phone addict youth using gadgets in subway Copyright: xNomadSoulx Panthermedia28088400 ,model released, Symbolfoto
ETF-Sparpläne
Worauf Anleger bei ETF-Sparplänen achten sollten
Freundinnen
Corona und Freundschaft
Es waren einmal zwei Freundinnen
Ethik in der Krise
Der Wert eines Lebens
Zur SZ-Startseite