Architektur in München:"Sehr historisierend" und "deplatziert"

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Architektur in München: So soll das neue Hotel an der Ecke der Schwanthaler- und Sonnenstraße in München aussehen.

So soll das neue Hotel an der Ecke der Schwanthaler- und Sonnenstraße in München aussehen.

(Foto: Bauplanungen Graf Maltzan)

Pläne für ein Hotel an der Ecke Schwanthaler- und Sonnenstraße beschäftigen erneut die Stadtgestaltungskommission. Die Experten machen deutlich, dass sie lieber ein komplett anderes Konzept hätten.

Von Sebastian Krass

Besser, aber noch lange nicht gut: Auf diesen Tenor lässt sich das Urteil der Stadtgestaltungskommission über die Architektur eines geplanten neuen Hotels an der Ecke Schwanthaler- und Sonnenstraße bringen. "Sie haben einiges umgesetzt, was bei der ersten Vorstellung an Hinweisen genannt worden ist", sagte Kommissionsmitglied Ruth Berktold, Architektin aus München und Professorin an der Hochschule München (HM). Bereits im Juli war das Projekt Thema in der Kommission, die Stadtrat und Verwaltung zu bedeutenden Bauprojekten berät. Ein Hauptkritikpunkt damals war, dass an der Fassade zwei Geschosse zu einem zusammengefasst waren, was die Kommission völlig unangemessen fand. Sie verlangte eine Überarbeitung des Projekts. Nun ist jedes Stockwerk an der Fassade als solches zu erkennen. "Aber", merkte Berktold an, "die Fassade ist nach wie vor sehr historisierend im Gesamtensemble der Sonnenstraße".

Der vom Bauherrn Harry Habermann beauftragte Architekt Carlos Maltzan leitet sein Fassadenkonzept von der historischen Bebauung an der Sonnenstraße ab, die es aber seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht mehr gibt. Daran störte sich in der Diskussion der Kommission am Dienstagabend der Berliner Architekt Matthias Sauerbruch: Er betonte die starke Wirkung der umliegenden Gebäude aus den Fünfzigerjahren - zu der bisher auch die derzeitige Bebauung des Grundstücks gehört, die für das neue Hotel weichen muss und damit auch der Technoclub "Harry Klein", der dort seine Heimat hat. "Um welche Historie geht es bei dem Projekt?", fragte Sauerbruch. "Ist es eine Antwort auf die Nachbarn oder ein Fantasie-Klassizismus?" Er halte das vorliegende Konzept "an einem der wichtigsten Stadträume in München" für "deplatziert", urteilte Sauerbruch.

Architektur in München: Mit diesem Konzept waren Architekt und Bauherr beim ersten Mal in der Stadtgestaltungskommission angetreten und durchgefallen.

Mit diesem Konzept waren Architekt und Bauherr beim ersten Mal in der Stadtgestaltungskommission angetreten und durchgefallen.

(Foto: Bauplanungen Graf Maltzan)

Maltzan hatte sich zuvor in seiner Präsentation für die "vielen Anregungen" bei der ersten Diskussion in der Stadtgestaltungskommission bedankt und betont, dass man sie aufgenommen und damit "die Planung verbessert" habe. Dazu gehören auch ein zurückhaltenderes Dachgeschoss und mehr Begrünung im Innenhof. Er sei "überzeugt, dass es eine zurückhaltende Architektur ist, die sich gut einfügt". Maltzan betonte auch, dass dem Bauherrn architektonische Qualität ein besonderes Anliegen sei. Denn Habermann, der schon viele Immobilienprojekte in München realisiert habe, wolle das Hotel, das gut 270 Zimmer haben soll, langfristig im Bestand seiner Familie halten. Mit der Amano-Hotelgruppe betreibe man bereits ein Haus an der Sendlinger Straße namens Mio, hatte Habermann im Sommer gesagt.

Karin Schmid, ebenfalls HM-Professorin für Architektur, brachte in der Diskussion einen weiteren Aspekt ein: Sie wünsche sich, dass die Fassade in ihrem Material möglichst hochwertig ausfalle und nicht einfach mit der häufig eingesetzten Standard-Wärmedämmung verkleidet werde. Vielleicht werde der Bauherr ja zu gegebener Zeit mit einer Bemusterung zeigen, wie die Fassade aussehen soll, "wenn er schon so anspruchsvoll an seine Vorhaben rangeht", schlug Schmid vor. Das könnte sie sich "gut vorstellen", sagte auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Maltzan kündigte daraufhin eine Bemusterung an: "Ich hoffe, dass wir dann noch ein paar überzeugen können."

Bei der Grünen-Stadträtin Anna Hanusch, die der Stadtgestaltungskommission vorsteht, wird das schwer. "Es wird definitiv kein Lieblingsprojekt von mir", sagte sie. Es gebe in der Kommission "immer wieder Projekte, bei denen wir uns eine grundsätzlich andere Haltung für den Ort wünschen würden. Aber wir stoßen auch an Grenzen".

Das Wort der Kommission ist im Verfahren für eine Baugenehmigung von Gewicht, die Überarbeitung habe auch zu einer "deutlichen Verbesserung" geführt, wie Hanusch das Urteil zusammenfasste. Aber die Kommission kann kein Veto einlegen. Letztlich ist es die Hoheit des Bauherrn, eine architektonische Planung umzusetzen, wenn sie baurechtlich zulässig ist, was in diesem Fall unstrittig ist. Deshalb können Habermann und Maltzan nun davon ausgehen, dass sie die Genehmigung bald bekommen. "Wir begrüßen, dass die Stadtgestaltungskommission unsere Überarbeitung gewürdigt und positiv aufgenommen hat", teilte Maltzan nach der Kommissionssitzung mit.

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