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Hitzewelle:Ein Verdacht trübt die Freude am Sommer

Während die Landwirte bei brütender Hitze mit der Ernte beschäftigt sind, genießen die Kinder ein kühles Bad.

(Foto: Claus Schunk)

Landwirte, Eisverkäufer und Schwimmbäder können über die aktuelle Hitze nicht klagen. Ein Brand auf einem Feld in Grasbrunn aber ist für die Feuerwehr ein Zeichen, dass der berüchtigte Feuerteufel im Münchner Osten wieder aktiv ist.

Von Carla Bihl, Bernhard Lohr und Michael Morosow

Johannes Bußjäger sitzt auf seinem Mähdrescher, als ihn der Anruf erreicht. Als Landwirt ist er dieser Tage bei großer Hitze gefordert; die Ernte muss eingebracht werden. Und da will er trotz hoher Temperaturen gar nicht jammern, denn der Ertrag ist ordentlich dieses Jahr. Doch weil Bußjäger eben auch Kommandant der Grasbrunner Feuerwehr ist, ist bei ihm seit Sonntagabend die Stimmung doch deutlich getrübt. Er war wieder mal bei einem Löscheinsatz an einem Feld und ist überzeugt, dass der Feuerteufel, der seit Jahren im Münchner Osten sein Unwesen treibt, erneut zugeschlagen hat. Die Polizei legt sich da nicht fest und ermittelt. Die SZ hat mit Menschen gesprochen, die wie die Feuerwehrleute wegen der sommerlichen Hitze dieser Tage besonders gefordert oder gefragt sind.

Die Feuerwehr

Die Feuerwehren in Grasbrunn und Harthausen sind auf Fälle wie am Sonntag schon vorbereitet. Gegen 17 Uhr ging der Alarm ein, dass ein nicht abgeerntetes Getreidefeld nahe der Ekkehartstraße brannte. Die Grasbrunner Feuerwehrleute um Kommandant Bußjäger rückten aus und brachten den Brand innerhalb von Minuten unter Kontrolle, sodass wenigstens ein Teil der Ernte des betroffenen Landwirts gerettet wurde. Drei bis vier Hektar sind dennoch verloren. Bußjäger glaubt fest an Brandstiftung. Seit längerem gerieten jedes Jahr zwei, drei Felder in Brand, sagt er. Dies könne kein Zufall sein. Eine "Frechheit" sei, dass diesmal ein voll bestandenes Feld angezündet worden sei. Die Grasbrunner Wehr hat für solche Fälle 2018 eigens ein Fahrzeug vorne mit Düsen ausgestattet, um während der Fahrt über eine Fläche löschen zu können und die Einsatzkräfte in der Hitze zu schonen. "Das strengt schon an", sagt Bußjäger. "Das ist kein Spaß, da ist der Kreislaufkollaps vorprogrammiert."

Die Polizei

Die Hitze macht den Polizeibeamten genauso zu schaffen wie allen anderen, die derzeit Dienst haben. Die neue blaue Dienstuniform gibt es natürlich auch mit kurzärmligem Sommerhemd und in den Räumen der Inspektion in Unterhaching, mit dicken Mauern in dem "alten Gebäude", wie es Innendienstleiter Dieter Häfner nennt, ist es zum Glück relativ kühl. Immer wieder gebe es Fälle, dass gerade ältere, gesundheitlich angeschlagene Personen bei der Hitze umkippten oder jemand sein Kind oder sein Haustier sträflicherweise bei hohen Temperaturen im Auto lasse, sagt er. Aktuell sei das im Dienstbereich aber nicht vorgekommen. Mit dem Rad auf Streife gehen können die Unterhachinger Beamten wie auch ihre Kollegen in den anderen fünf Inspektionen im Landkreis wegen des großen Einsatzgebiets nur mit Einschränkungen. Die Unterhachinger haben zwei Diensträder und ein E-Bike. Aber meist sind sie mit dem Auto unterwegs. Dabei wurden die bayerischen Fahrradpolizisten kürzlich erst mit schicken kurzärmligen Trikots und kurzen Radlerhosen ausgestattet.

Waldbauern und Landwirte

Die Waldbauern und Landwirte aus nördlicheren, ausgedörrten Regionen Deutschlands blicken seit Wochen neidvoll gen Süden der Republik, wo seit Monaten ein Sonne-Regen-Mix die Wälder und Feldfrüchte wachsen lässt und der Borkenkäfer einen schweren Stand hat. Bis zum Wochenende werden die Raps- und Getreidefelder abgeerntet sein, unterm Strich stehe ein durchschnittlicher Ertrag, sagt Katharina Binsteiner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ebersberg. Gemessen an den Sorgen vor einem ähnlichen Dürrejahr wie 2019, die Bauern und Förster Anfang des Jahres geplagt hatten, ist die Stimmung zur Erntezeit entspannt, zumal sich auch die Befürchtungen nicht bestätigt haben, dass während eines Kälteeinbruchs Anfang April mit Temperaturen von bis zu neun Grad Minus viele Pflanzen erfrieren würden. Zum Jubeln ist aber gerade den Getreidebauern nicht zumute, weil durch Corona und den gesunkenen Bierausstoß der Preis für Braugerste in den Keller gefallen ist. Kartoffeln und Mais stehen noch draußen, wobei für den Mais heuer keine gute Saison sein wird, weil es im frühen Stadium der Wachstumsphase zu viel geregnet hat. "Zu nass und zu kalt" sei es für den Mais gewesen, sagt Martin Stadler, der stellvertretende Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes.

Die Waldbauern dagegen haben uneingeschränkt Grund zur Freude, denn ihrem Erzfeind, dem Borkenkäfer, taugten die zwischenzeitlichen Kälte- und Regenperioden überhaupt nicht. "Wir haben heuer kein Problem mit dem Borkenkäfer", berichtet Stadler. Grund für diese positive Entwicklung ist laut AELF-Chef Georg Kasberger nicht nur der reichliche Regen, sondern auch die Tatsache, dass die meisten Waldbauern "ihre Arbeit ordentlich gemacht haben", das heißt, dass sie die befallenen Hölzer aus ihrem Waldstück entfernt haben.

Die Freibäder

Theo, Torin und Anton im Further Naturbad.

(Foto: Claus Schunk)

In den Freibädern ist das Personal teilweise trotz geringerer Besucherzahlen gut damit beschäftigt, die coronabedingten Regeln durchzusetzen. In Haar etwa dürfen derzeit nur 30 Personen in die Nichtschwimmer-Becken, 80 in die Schwimmerbecken. Nach 30 Minuten werden jeweils 30 Personen aus den Becken geholt, um Platz für neue zu machen. Größere Diskussionen gebe es dabei nie, sagt Bekim Kafexholli. Einzig die Abstandsregeln machten dem Schwimmbadpersonal ab und an Probleme. Im Freibad in Unterhaching sind seit Beginn der Sommerferien die auf 700 Personen limitierten Online-Tickets jeweils schon kurz nach Mitternacht ausverkauft. Zuvor hätte man auch 15 Minuten später noch Karten bekommen, berichtet Rathaus-Sprecher Simon Hötzl. Wer eine Karte ergattert, erlebt dafür laut Hötzl einen entspannteren Aufenthalt im Bad.

Die Eisdielen

Stephan in Taufkirchen isst ein kaltes Eis, um sich abzukühlen.

(Foto: Claus Schunk)

Corona hat die Eisdielen in Stadt und Landkreis 2020 gefordert: Zu Beginn der Pandemie mussten sie schließen, durften erst im April unter Auflagen wieder öffnen. Aber dank des guten Wetters und den Lockerungen könnte es sich für die Betreiber wieder lohnen. Die Läden dürfen die Außenbereiche unter Sicherheitsabstand wieder bestuhlen. Und weil weniger Menschen wegfahren, hat zumindest Luca Burci vom Eiscafé Venezia in Ottobrunn beobachtet, dass der Andrang und die Anzahl der Gäste im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind.

© SZ vom 12.08.2020/huy

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