Gastronomie:Schnitzel und Pommes sind gesichert

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Gastronomie: Heiß begehrt: Sonnenblumenöl ist im Edeka-Supermarkt von Ronny Orpel in Neubiberg ausverkauft.

Heiß begehrt: Sonnenblumenöl ist im Edeka-Supermarkt von Ronny Orpel in Neubiberg ausverkauft.

(Foto: Claus Schunk)

In den Supermärkten sind die Regale mit Sonnenblumenöl in Folge des Kriegs in der Ukraine leer. Gastwirte haben auf die Öl-Krise rechtzeitig reagiert und andere Ölquellen erschlossen.

Von Annette Jäger, Landkreis München

In den Küchen im Landkreis München scheint eine Leidenschaft für Frittiertes und Gebratenes entbrannt zu sein. Das legen zumindest die leeren Supermarktregal nahe: Preiswertes Sonnenblumenöl und Rapsöl sind vielerorts vergriffen. Auch beim Olivenöl wird der Bestand zuweilen rarer. Nicht besser sieht es im Mehlregal aus. Weizenmehl ist derzeit ein begehrtes Produkt. Leere Regale, ein früher unbekanntes Phänomen in deutschen Supermärkten, sind seit der Corona-Pandemie Ausdruck der Krise. Und wie schon in der Pandemie produzieren die Kunden auch seit Ausbruch des Ukraine-Krieges den Waren-Notstand derzeit vor allem selbst.

Sonnenblumenöl, Rapsöl, Mehl - seit gut einer Woche sind die Regale für diese Produkte im Edeka in Neubiberg so gut wie leer, wie Marktleiter Ronny Orpel eingestehen muss. Die Abgabe für diese Produkte hat er in seinem Markt daher bereits beschränkt: Maximal zwei Flaschen oder Pakete Mehl pro Kunde sind noch erlaubt. Immer wieder fragen Kunden nach, wann Nachschub kommt, doch darauf kann der Einzelhandelskaufmann keine klare Antwort geben.

Die Lieferketten lassen auf die Schnelle keine größeren Nachbestellung zu

Die Nachricht, dass der Ukraine-Krieg eine Knappheit bei Sonnenblumenöl verursachen kann, habe bei vielen Kunden eine neue Phase des Hamsterns verursacht, sagt ein Vertreter einer großen Handelskette, der nicht namentlich genannt werden möchte. Die Ukraine ist größer Lieferant dieses Produkts, mehr als 50 Prozent des auf dem Weltmarkt zur Verfügung stehenden Sonnblumenöls stammen aus der Gegend, erklärt Christian Böttcher, Pressesprecher vom Handelsverband Lebensmittel in Berlin, die Lage. Dasselbe haben Verbraucher von Weizen gehört, die Ukraine gilt schließlich als Kornkammer Europas. Dass die Kunden nun verstärkt diese Waren auf Vorrat laufen, befeuert laut Böttcher das Problem.

Vielleicht ist es der Gedanke an das vergangene Osterfest, als Hefe nicht mehr zu kriegen war, was dem Vorratseinkauf Vorschub leistet. Dieses Jahr soll die Osterbäckerei nicht am Mehl scheitern. Auch bei Rewe in Neuried sieht man die Ursache der Knappheit im Käuferverhalten. "Es ist der Mehrkauf, der zur Knappheit führt", heißt es dort. Eine Sonderbestellung sei derzeit nicht möglich, die Disposition sei automatisiert. Dabei ist der Mehlnachschub aufgrund des Krieges im Osten Europas gar nicht gefährdet. In Deutschland wird ausreichend Weizen angebaut. Eine Mehlknappheit kann Robert Hrasky, der im Familienverbund drei Bäckereien mit Cafébetrieb in Neuried, Planegg und Gauting betreibt, tatsächlich nicht ausmachen. "Wir beziehen unser Bio-Mehl nur regional. Angst vor Knappheit gibt es nicht."

Gastronomie: "Alles, was aufrecht gehen kann, hilft mit", sagt der Unterhachinger Wirt Sepp Schwabl.

"Alles, was aufrecht gehen kann, hilft mit", sagt der Unterhachinger Wirt Sepp Schwabl.

(Foto: Claus Schunk)

Die starke Nachfrage nach Sonnenblumenöl schwappt derweilen auf andere Öle über. Dabei droht weder bei Rapsöl noch bei Olivenöl eine Knappheit. Doch auch diese Produkte sind vielerorts in den Supermärkten vergriffen. Bei Aldi in Neuried war am Freitagnachmittag kaum mehr eine Flasche irgendeines Speiseöls zu ergattern, Mehl war sogar komplett ausverkauft. Beim benachbarten Drogeriemarkt war es kaum anders. "Kunden inspirieren sich gegenseitig", erklärt ein Handelsexperte. Sieht man einen Kunden viel Öl einkaufen, legt das eine mögliche Knappheit nahe, weshalb man ebenfalls gleich auch ein oder zwei Flaschen auf Vorrat kaufe.

Die Lieferketten sind auf die übliche Nachfrage ausgelegt, sagt Handelsverbandssprecher Böttcher. Steige diese innerhalb weniger Tage und Wochen exponentiell an, komme keine Lieferkette hinterher. Deshalb gibt es derzeit auch keine klare Antwort auf die Frage, wann sich die Regale wieder füllen. Böttcher rät, vor dem Kauf einer Ölflasche genau zu überlegen, ob man sie wirklich benötigt oder nur aus Sorge kauft, bald keine mehr zu erhalten. Wer ein Produkt nicht aktuell braucht, sollte es auch nicht kaufen, rät er. Dann reicht das Öl nämlich für alle und die Lieferkette steht nicht Kopf.

Die Lieferanten haben die Mengen rationiert, die Preise steigen auch

In der Gastronomie im Landkreis macht sich die vermeintliche Sonnenblumenölkrise ebenfalls bemerkbar. Die Lieferanten haben die Abgabemenge beschränkt. "Wir erhalten nur 60 Prozent unseres Wochenbedarfs", sagt Sepp Schwabl vom Hachinger Wirtshaus am Sportpark in Unterhaching. Den Rest könne die Gastronomie momentan noch aus eigenen Lagerbeständen decken. "Bis Mitte April sind wir versorgt", so der Gastwirt. Das Schnitzel sei auf der Karte jedenfalls gesichert. Zur Not könne er auch noch andere Quellen anzapfen, verspricht Schwabl. Auch im Planegger Bräustüberl wurde das Sonnenblumenöl durch den Lieferanten rationiert, "und die Preise steigen auch", sagt Küchenchef Luis Sporer. Das Bräustüberl könne aber ebenfalls auf Vorräte zurückgreifen und wird notfalls auf andere Ölsorten umsteigen.

Leere Supermarktregale können derzeit auch noch andere Gründe haben. In den vergangenen beiden Wochen hätten einige Kunden gezielt Waren in großem Umfang eingekauft, um diese in die Ukraine zu spenden, hat eine Mitarbeiterin in einer großen Discountkette im Landkreis erfahren. Lange haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel waren besonders gefragt. Das habe zur verstärkten Nachfrage nach Konserven oder Windeln beigetragen - und ebenfalls nach Öl und Mehl.

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