Landesgeschäftsstellen So residieren die Parteien in München

Vor wenigen Wochen ist die CSU in ihre neue Zentrale in der Mies-van-der Rohe-Straße gezogen.

(Foto: dpa)

Die CSU sitzt seit Kurzem in einem Glaspalast, die FDP ist nur noch Untermieter, die Bayernpartei schaut auf einen Maibaum: Das sagt viel über das Selbstverständnis der Parteien aus.

Von Iris Hilberth, Frank Müller, Kassian Stroh und Wolfgang Wittl

Wie sehr man etwas lieb gewonnen hat, zeigt sich oft in kleinen Dingen: 40 Plätze bietet der Raum für Pressekonferenzen in der neuen CSU-Zentrale, auf jedem liegt ein schwarzer Bleistift, verziert mit einem weißen Fähnchen. Es trägt keine Raute oder das Wappentier, sondern bereits die Silhouette des neuen Gebäudes. Als der Parteichef vor zwei Wochen hier erstmals auftrat, geriet er ins Schwärmen - nicht nur, weil die neuen Räume so gar nichts mit der Tristesse der alten an der Nymphenburger Straße zu tun haben. Der Umzug sei "eine Zäsur in unserer Geschichte", sagte Horst Seehofer.

Wer an München als Landeshauptstadt denkt, der denkt an die Ministerien und die Staatskanzlei, an den Landtag und vielleicht noch an die vielen Lobbyverbände, die hier ihren Sitz haben. Die Parteizentralen hingegen führen eher ein Schattendasein. Dabei haben mit Ausnahme der ÖDP, die in Passau sitzt, alle größeren Parteien ihre Landesgeschäftsstelle in München. Ein Blick darauf zeigt: Wo sie sind und wie es dort aussieht, das sagt auch viel aus über das Selbstverständnis der Parteien.

Grüne Bayern Bause will nach Berlin - die Grünen reagieren verhalten
Kandidatur

Bause will nach Berlin - die Grünen reagieren verhalten

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag möchte 2017 für den Bundestag kandidieren, bis dahin aber ihr Amt behalten.   Von Daniela Kuhr und Wolfgang Wittl

Grüne und SPD verweilen in der Stadt

Ihren in der Landespolitik nie wahr gewordenen Traum von Rot-Grün zum Beispiel leben SPD und Grüne mitten in der Stadt weiter. Letztere residieren direkt am Sendlinger Tor in einem schmucklosen Bürobau, aber in herausragender Lage. Und wer mittelgroße Schritte macht, braucht nur 129 davon, bis er am Oberanger vor der Zentrale der Landes-SPD steht: dem traditionsreichen Georg-von-Vollmar-Haus.

Erster Eindruck bei den Genossen: Es riecht nach Rauch, wie es sich gehört bei einer traditionsreichen Arbeiterpartei. Zwei Aschenbecher hängen draußen am Eingang, der Bereich hier gehört quasi schon zum Bürobetrieb. Innen verteilen sich Landes- und Stadtverband, Abgeordnetenbüros und die Jusos über mehrere Stockwerke. Im zweiten Stock bei der Landes-SPD wird man an einer offenen Theke empfangen. Es gibt Menschen, die einfach so vorbeischauen, sagt Parteisprecher Ino Kohlmann. Dass das schwieriger werden könnte in Zeiten aufgeheizter Stimmung, davon erzählen Schilder an den Zugangstüren: Man möge diese geschlossen halten.

Seit Landeschef Florian Pronold und Generalsekretärin Natascha Kohnen am Ruder sind, wurde kräftig renoviert, gedeckte Farbtöne herrschen vor. Pronold und Kohnen teilen sich ein Büro, es wirkt unbenutzt wie ein Musterzimmer im Möbelhaus. Wie in anderen Parteizentralen ist auch hier die Anwesenheit der Chefs eher die Ausnahme. Praktisch alle haben parlamentarische Mandate, dazu womöglich Regierungsposten und ihre Heimatbüros.

Bayern SPD Was die Bayern-SPD zur Eigentor-Partei macht
Sozialdemokratie

Was die Bayern-SPD zur Eigentor-Partei macht

Ständig läuft etwas schief bei der Bayern-SPD. Aus angekündigten Protesten wird eine Ein-Mann-Demo, ein bärtiger Schrat mischt den Parteitag auf, und jetzt auch noch das miese Umfrageergebnis.   Von Katja Auer und Daniela Kuhr

Doch am Oberanger wird durchaus viel gearbeitet, es gibt sogar eine eigene Druckerei. Und die Planung für den inzwischen abgesagten Aschermittwoch bringt Hochbetrieb. Am Sekretariat lehnt ein Päckchen. "Richtungspfeile Aschermittwoch" steht darauf. Würden die vergessen, gäbe es in Vilshofen umherirrende Gäste.

Das niederbayerische Großereignis hat auch die Grünen betriebsam gemacht. Stadtbüro, Parteinachwuchs und Landesverband sind hier ebenfalls unter einem Dach. Die Landesgeschäftsstelle teilt sich ein Stockwerk mit Abgeordnetenbüros unter anderem für Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter. Neuerdings haben die Grünen renoviert, sagt Sprecherin Daniela Wüst, als sie durch die Räume führt. In allen Büros ist eine Wand farbig. Im gemeinsamen Zimmer der Doppelspitze überließ Landeschef Eike Hallitzky seiner Co-Chefin Sigi Hagl die Farbauswahl.

Seitdem knallt hier sattes Pink von der Wand. Jedoch: Ein ökologisch-nachhaltiges Vorzeigeprojekt ist das Parteidomizil keineswegs. Seit 14 Jahren sind die Grünen am Sendlinger-Tor-Platz - ein Standort, der viel zu wertvoll ist, um ihn aufzugeben. Auch wenn manche in der Partei träumen von einem Öko-Haus, das doch viel besser zum eigenen Anspruch passen würde. So muss es eine Nummer kleiner gehen. Und die Lage hat den Vorteil, dass die Partei Aktionen in der Stadt auch ohne Auto realisieren kann - sie hat keinen Fuhrpark.

CSU Vom kleinen Büro zum Glaspalast Bilder

Landesgeschäftsstellen

Vom kleinen Büro zum Glaspalast

Zwischen knapp 100 und 4000 Quadratmetern ist alles dabei.