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"Fridays for Future"-Proteste:Mit Bußgeld gegen die Schülerstreiks

Fridays for Future - Schülerdemonstration in München, 2019

Auch in München demonstrieren viele Schüler freitags für den Klimaschutz – das könnte bald schärfere Konsequenzen haben.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Für die Eltern der "Fridays for Future"-Demonstranten sollen künftig Bußgelder ausgestellt werden, wenn deren Kinder die Schule schwänzen - so will es der Direktor des Münchner Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums.
  • Andere Schulen sollen sich angeschlossen haben.
  • "Das gilt ab heute", erklärt Direktor Hansjakob. Für die Zukunft seien die Spielregeln nun geklärt.

"Jeder weiß jetzt, was Sache ist", sagt Wolfgang Hansjakob. Am Montagnachmittag hat der Direktor des staatlichen Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in München-Bogenhausen einen Rundbrief zu den "Fridays for future"-Demonstrationen für mehr Klimaschutz ins schulinterne Internetportal gestellt. Und dieser Rundbrief hat es in sich. Bisher habe seine Schule wohlwollend reagiert, wenn Schülerinnen und Schüler freitags fehlten, steht darin. Auch einen Verweis habe noch niemand erhalten. Doch mit dieser Linie soll nun offenbar Schluss sein. Unentschuldigtes Fehlen werde künftig nicht nur mit Ordnungsmaßnahmen geahndet, schreibt der Schulleiter - darunter fallen Verweise. Sondern "möglicherweise auch über das Referat für Bildung und Sport mit Bußgeld".

Die Schule müsse den Unterricht gewährleisten, auch am Freitag ab der dritten Schulstunde, erklärt Direktor Hansjakob den Kurswechsel. "Wir können uns nicht auf Dauer gegen das Gesetz stellen." Er habe sich deswegen am Montag mit anderen Schulen abgesprochen. Auch sie wollten zu deutlicheren Maßnahmen greifen. Man müsse jetzt eine Grenze ziehen.

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Bußgelder wegen "Fridays for Future", das sei noch nicht dagewesen, heißt es von den Münchner Organisatoren der Demonstrationen. Im Orga-Team seien sie über diese Nachricht schockiert gewesen. Auch im Bildungsreferat, an dem die zuständige Bußgeldstelle angesiedelt ist, ist von solchen Schritten noch nichts bekannt; man werte gerade das Vorgehen der städtischen Schulen aus, damit sei man noch nicht fertig. Bislang aber seien selbst Verweise nur in einzelnen Fällen ausgestellt worden.

Möglich sind Bußgelder durchaus, denn Schwänzen ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Erziehungsberechtigten müssen dafür sorgen, dass ihre minderjährigen Kinder die Schule besuchen. Tatsächlich verhängt werden solche Bußgelder häufig gegen Eltern, die kurz vor den Ferien mit ihren Kindern in den Urlaub fahren und sich etwa das Geld für den später teureren Flug sparen wollen. Im Zusammenhang mit dem Klimastreik sei dieses Mittel unangemessen, findet eine Mutter, die nicht namentlich zitiert werden will: Bußgelder seien für Eltern, die ihrem Erziehungsauftrag nicht gerecht würden, sagt sie. "Aber wenn Kinder für ihre Überzeugungen einstehen, denke ich mir: Alles richtig gemacht!"

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Gegen das Anliegen der Schüler hat freilich auch Direktor Hansjakob nichts einzuwenden. Die Demonstrationen hätten dem Klimaschutz zu viel Aufmerksamkeit verholfen, lobt er auch in dem Rundbrief. Doch sich nur während der Schulzeit an Protesten zu beteiligen, sei zu wenig. Es brauche noch mehr Einsatz, man müsse auch die eigenen Lebensgewohnheiten überprüfen. Und Hansjakob ist selbst in keiner einfachen Situation. Die Schulen müssen sicherstellen, dass der Unterricht stattfindet - und sind angesichts des Schulstreiks auf sich alleine gestellt. Vorgaben, wie sie reagieren sollen, macht das Kultusministerium ihnen nicht.

Die Nachricht von den drohenden Bußgeldern machte am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium mit seinen etwa 1300 Schülern in der vergangenen Woche die Runde. Schülerinnen berichten, eine Lehrerin habe sie am Freitag auf die neue Linie aufmerksam gemacht; im Direktorat habe ein Lehrer von 350 Euro gesprochen, die ihre Eltern zahlen müssten. Die Schülerinnen gingen daraufhin in ihre Klassenzimmer zurück - und auf der Demonstration klagten andere Schüler über das Mikrofon, am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium würden Schülerinnen "festgehalten". Die Demonstranten reagierten mit Buhrufen.

Die Summe von 350 Euro kann Hansjakob nicht nachvollziehen. Wer am Freitag demonstrieren war, müsse noch keine Sanktionen fürchten, sagt er. "Das gilt ab heute." Für die Zukunft seien die Spielregeln nun geklärt.

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