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AfD-Kreisverband Freising Pfaffenhofen:Wirbel um Sprachaufnahme von AfD-Schriftführerin

Vor AfD-Bundesparteitag

Für Aufsehen sorgt derzeit eine Sprachaufnahme aus dem AfD-Kreisvorstand Freising Pfaffenhofen, die im Nachrichtendienst Telegram kursiert.

(Foto: dpa)

In sozialen Netzwerken kursiert die Rede, Kreisvorsitzender Johannes Huber kritisiert die Wortwahl, aber nicht den Inhalt.

Von Nadja Tausche, Freising

Für Aufsehen sorgt derzeit eine Sprachaufnahme aus dem AfD-Kreisvorstand Freising Pfaffenhofen, die im Nachrichtendienst Telegram kursiert. Schriftführerin Andrea Haberl spricht darin über die Corona-Pandemie und insbesondere über die letzte Änderung des Infektionsschutzgesetzes. In der Aufnahme heißt es in Bezug auf die Pandemie: "Es geht hier ganz klar darum, die Weltbevölkerung zu minimieren und zu reduzieren." Wörtlich sagt Haberl außerdem: "Das einzigste, was uns noch retten kann, ist dieses System zu stürzen."

Die Aufnahme wurde der SZ zugespielt, mittlerweile ist sie auch öffentlich auf Youtube zu finden. Laut dem AfD-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Johannes Huber hatte Haberl sie zunächst in der Telegramgruppe "Eltern stehen auf" geteilt, von da aus habe sie sich weiterverbreitet. Haberl will sich Huber zufolge nicht äußern. Er selbst distanziert sich derweil nur bedingt von der Sprachaufnahme. Einigen Aussagen könne er nicht zustimmen, "weil sie nicht stimmen". Das meiste aber sei "Corona-Kritik, wie sie sehr viele mittragen", sagt er auf Anfrage.

Man müsse differenzieren, sagt der AfD-Kreisvorsitzende Johannes Huber zu der umstrittenen Sprachaufnahme.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Begriff, die Regierung sei zu "stürzen", nennt auch Kreisvorsitzender Johannes Huber "nicht richtig"

So vergleicht Haberl die aktuelle Situation mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten. "Wir haben ein zweites 1933", heißt es in der Aufnahme wörtlich. Da müsse man differenzieren, sagt Huber dazu: Man könne durchaus von einem "Ermächtigungsgesetz" sprechen, "aber ich möchte nicht sagen, dass es ein zweites 1933 ist." Als Begründung nennt er die Tatsache, dass man 1933 nicht persönlich dabei gewesen sei und die Ereignisse deshalb nicht miteinander vergleichen könne. Die Aussage, dass das Ziel der Pandemie sei, die Weltbevölkerung zu minimieren, nennt Huber "nicht glaubwürdig".

Zu dem Zitat, es würde nur noch helfen das System stürzen, sagt der Kreisvorsitzende: Haberl habe ihm versichert, sie spreche davon, "die Regierung insofern zu stürzen, dass sie sie abwählen möchte". Es gehe also um demokratische Mittel. Wenn es aber tatsächlich darum geht, die Regierung bei der Bundestagswahl im September schlicht abzuwählen - kann dann die Rede von einer "gestürzten Regierung" sein? Da sei nicht der richtige Begriff gewählt worden, meint Huber, da stimme er zu.

"Es ging noch nie um Corona", sondern einzig um das Ziel, den Plan durchzusetzen, heißt es in der Aufnahme

Die Sprachaufnahme ist gut neun Minuten lang. An sich sind die Gedanken, die darin formuliert werden, nicht neu: In Telegram-Gruppen wurde von Anhängern der sogenannten Querdenker-Bewegung aus dem Landkreis Freising schon vor Monaten etwa die Position vertreten, die Pandemie sei von langer Hand geplant. Anders als damals bekennt sich diesmal aber eine Politikerin zu den kruden Theorien. Zur Sprache kommt in der Aufzeichnung auch der "Great Reset", bei dem angeblich eine "Elite", zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehöre, alles verstaatlichen will. "Sie wollen uns alles nehmen - wenn wir die Impfung überleben", heißt es. "Es ging noch nie um Corona", sondern einzig um das Ziel, den Plan durchzusetzen. Und weiter: "Ich habe es selber schwarz auf weiß gesehen, ich weiß von was ich rede."

Die Emotionen der Sprecherin sind dabei durchaus zu spüren. Genau dadurch allerdings hat die Aufnahme das Potenzial, Panik zu verbreiten. Zu der Frage, ob das verantwortungsbewusst sei, sagt Huber: Einerseits schon, sie wolle schließlich Kinder schützen und andere auf die Situation aufmerksam machen. Wenn es allerdings zu weit gehe, sei es nicht mehr verantwortungsbewusst. Das müsse sich erst noch zeigen: Der Bezirksvorstand Oberbayern prüfe den Fall nun und entscheide, ob es Ordnungsmaßnahmen gibt.

© SZ vom 27.04.2021/ilos
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