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Pilotversuch:Münchner Flughafen führt biometrische Kontrollen ein

Ein Blick in die Kamera, dann öffnet sich der Weg: Verdeckte Augen, durch eine Sonnenbrille etwa, akzeptiert allerdings auch dieses System nicht. Klappt der Abgleich nicht, muss der Fluggast seine Bordkarte ans Lesegerät halten - die braucht es weiterhin.

Ein Blick in die Kamera, dann öffnet sich der Weg: Verdeckte Augen, durch eine Sonnenbrille etwa, akzeptiert allerdings auch dieses System nicht. Klappt der Abgleich nicht, muss der Fluggast seine Bordkarte ans Lesegerät halten - die braucht es weiterhin.

(Foto: Marco Einfeldt)

Damit können Vielflieger bei der Lufthansa einfacher in den Sicherheitsbereich kommen. Langfristig soll die Technologie auf weitere Flughäfen und Fluglinien ausgeweitet werden.

Von Dominik Hutter

Zugegeben: Allzu lang anstehen muss man in diesen Corona-Zeiten am Flughafen ohnehin nicht, die Kontrollstellen sind ziemlich leer. Aber es soll ja auch nicht nur um Tempo, sondern vor allem um Bequemlichkeit gehen bei dem neuesten Versuch der Lufthansa an ihrem Drehkreuz München. Darum, dass man nicht alle Taschen durchsuchen muss auf der Suche nach der analogen oder digital auf dem Smartphone abgelegten Bordkarte. Sondern einfach durchgehen kann. Eine Kamera prüft, ob der Passagier zum Betreten der Kontrollstelle befugt ist. Und später, am Flugsteig, zum Einsteigen ins Flugzeug. Taschenkontrollen bleiben trotzdem niemanden erspart.

Star Alliance Biometrics nennt sich das Verfahren, das seit diesem Dienstag in München und Frankfurt zum Einsatz kommt. Vorausgesetzt, der Fluggast ist bereit, den biometrischen Abgleich seines Gesichts mit einem zuvor abgegebenen Foto zu akzeptieren. Vergleichbar dem Verfahren, das bereits bei vielen Smartphones die nervige Eingabe des Codes ersetzt - wobei dabei die Maske abgenommen werden muss.

Am Flughafen darf man sie aufbehalten, wenn man die mit orangefarbenen Markierungen gekennzeichnete "Schranke" betritt. Neueste Technologie, schwärmt Maria Dahlhaus, Geschäftsführerin des Terminals 2. Ein Blick in die Kamera, dann öffnet sich der Weg. Verdeckte Augen, durch eine Sonnenbrille etwa, akzeptiert allerdings auch dieses System nicht, berichtet die Projektleiterin Sophie Röttinger. Klappt der Abgleich nicht, kann der Fluggast immer noch seine Bordkarte ans Lesegerät halten. Denn die braucht es weiterhin, für alle Fälle.

Noch gibt es nur wenige Gelegenheiten, die eigene biometrische Registrierung auszunutzen. Am ersten Tag standen theoretisch zehn Flüge zur Verfügung, bei denen dies in München und Frankfurt möglich war, der allererste ging frühmorgens von München nach Hamburg. In MUC sind der Durchgang zu den Sicherheitskontrollen in Terminal 2 sowie die dahinterliegenden Gates G28 und G30 technisch nachgerüstet worden.

1100 Passagiere sind bereits registriert, ihre Daten liegen auf Servern in Europa

Immerhin 1100 Vielflieger sind bereits registriert, berichtet Röttinger. 14 davon haben schon an diesem Dienstag in München ein Flugzeug bestiegen. Das Biometrie-Modul steht nur den registrierten Mitgliedern des Vielfliegerprogramms Miles & More zur Verfügung. Einmal anmelden genügt, das Ganze läuft über die Smartphone-App der Lufthansa. Dabei müssen eine PIN und Sicherheitsfragen festgelegt werden, ein Selfie gemacht, der Reisepass gescannt und eine Einverständniserklärung abgegeben werden.

Die Erklärung ist wichtig, denn die Erfassung biometrischer Merkmale ist datenschutztechnisch nicht ganz unproblematisch. Deshalb werden am Kontrollpunkt selbst auch keine Fotos gespeichert, berichtet Dahlhaus. Der Gesichts-Abgleich findet im Hintergrund auf einem Daten-Hub statt, die Server stehen in Europa. Der Name des Passagiers wird im Profil nicht gespeichert, das Ganze funktioniert über die registrierte Vielfliegernummer. Ebenfalls gespeichert werden natürlich Fotos (bis zu fünf), das Ablaufdatum des Reisepasses, die PIN sowie die Sicherheitsfragen. Grundlage seien die europäischen Datenschutzgesetze, versichert Dahlhaus.

Aktuell sind die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaft Swiss an dem Pilotversuch beteiligt, der noch auf die Airports München und Frankfurt beschränkt ist. Langfristig, so Matthias Langbehn, der Managing Director von Terminal 2, soll das System ausgebaut werden: auf weitere Flughäfen und möglichst auch weitere Fluglinien des Bündnisses Star Alliance. Die nächsten Schritte könnten die Einbeziehung der Gepäckabgabe oder der Zugang zur Lounge sein. Dort muss zur Identifizierung noch ganz klassisch die Bordkarte gezückt werden. Ziel sei es, den Passagieren viele Handgriffe abzunehmen, berichtet Langbehn. Am Flughafen sei man ja oft ohnehin mit so vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt. Salopp könnte man sagen: Fliegen soll wieder einfacher werden, nachdem es jahrelang durch immer neue Verschärfungen der Sicherheitskontrollen immer komplizierter wurde. Mit Technologie allerdings, nicht durchs Zurückfahren der nach wie vor für notwendig erachteten Security-Standards.

Dass der kontaktfreie Zugang in den Sicherheitsbereich obendrein noch gut in die Zeit von Corona passt, hat sich erst später ergeben. Dafür musste bei der Technologie nachträglich die Maske mitberücksichtigt werden - in Zeiten vor der Pandemie wäre eine solche Vermummung am Flughafen gar nicht gerne gesehen gewesen.

Übrigens funktioniert der Zugang per Gesichtserkennung natürlich nur, wenn auch ein Flugticket gekauft wurde. Einfach mal eben zum Abendessen oder Spazierengehen in den nicht-öffentlichen Bereich des Flughafens darf der technik-affine Vielflieger auch künftig nicht.

© SZ vom 25.11.2020/wean/van
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