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SZ-Kolumne: Auf Station, Start:Die Pflege-Serie mit Julia Rettenberger

Intensivpflege Fachkraft Kreisklinik Ebersberg

Julia Rettenberger arbeitet seit 2014 auf der Intensivstation an der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die 27-Jährige berichtet immer Montags von ihrer Arbeit auf der Ebersberger Intensivstation. Über Beifall, blöde Sprüche oder Patienten, die doch wieder aufwachten.

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Wie ist es eigentlich, an einem Ort zu arbeiten, der seit mehr als einem Jahr im Fokus der Öffentlichkeit steht? Die Rede ist von Intensivstationen in den Krankenhäusern. Seit der Corona-Pandemie können wohl auch die meisten Laien mit medizinischen Stichwörtern wie Bauchlage oder ECMO etwas anfangen. Aber auch vor Corona gab es Intensivstationen - und sie werden auch nach Corona unerlässlich bleiben. Eine, die das weiß, ist Julia Rettenberger.

Sie ist Fachpflegekraft auf der Intensivstation an der Ebersberger Kreisklinik. Von Montag an berichtet die 27-Jährige aus dem Kreis Mühldorf jede Woche in der neuen SZ-Kolumne "Auf Station" über ihre Arbeit: über Patienten mit und ohne Corona, Begegnungen mit Angehörigen und Maschinen, Auswirkungen von politischen Entschlüssen und gesellschaftlichen Debatten, aber auch über bequemes Schuhwerk und benutzte Einmalhandschuhe.

Julia Rettenberger arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der Pflege. Es gab zwei Erlebnisse, die sie in die Branche führten. Zum einen ein soziales Praktikum, das eine Lehrerin ihrer damaligen Schule initiierte und sie in ein Pflegeheim führte. Die 27-Jährige hatte Freude daran, die Seniorinnen und Senioren zu versorgen. Zum anderen - und das ist wohl der prägendere Einschnitt - hat sie einmal in ihrem nahen Umfeld einen tödlichen Krankheitsfall erlebt. Das bestärkte sie in dem Wunsch, die Bereiche Medizin und Pflege zu ihrem Beruf zu machen.

Und so hat die 27-Jährige 2010 an der Ebersberger Kreisklinik ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen. Drei Jahre später, mit abgeschlossener Ausbildung, stand für sie rasch fest, wohin es weiter gehen soll: auf die Intensivstation. Während ihrer Ausbildung durchlief Rettenberger viele Fachbereiche. "Als ich dann auf der Intensiv war", so die 27-Jährige, "da war für mich irgendwie klar: Das ist meins." Alles sei ein bisschen mehr gewesen: mehr Geräte, mehr Medizin - und letztlich einfach mehr das Gefühl von "hier bin ich richtig".

Das Gefühl ist geblieben. So entschloss sich Rettenberger nach vier Jahren als Pflegekraft auf der Intensivstation 2017 für eine berufsbegleitende Weiterbildung im Bereich Intensiv- und Anästhesiepflege. Seit 2019 ist sie nun Fachpflegekraft für Intensivpflege und Anästhesie, so der offizielle Titel. Darf sie denn nun mehr Behandlungen vornehmen als vor der Weiterbildung? Das nun nicht direkt, erklärt Rettenberger. "Aber ich weiß viel mehr und handle dementsprechend auch im Fall der Fälle anders."

Insgesamt arbeiten auf der Ebersberger Intensivstation 50 Pflegekräfte, die meisten davon haben eine Weiterbildung wie Rettenberger oder eine dreijährige Ausbildung, wie Klinik-Chef Stefan Huber sagt. Er unterstützt Rettenberger in ihrem zusätzlichen und freiwilligen Engagement für die SZ-Kolumne. "Vieles in einem Krankenhaus ist wie eine Blackbox", so Huber. "Nur jemand, der tiefen Einblick hat wie Frau Rettenberger, weiß, was wirklich los ist."

Er wünscht sich, dass mehr Menschen klar wird, welch große Verantwortung Pflegekräfte täglich schultern und welch hervorragende Arbeit sie leisten - und wie Corona die Pflege verändert hat. "Vor dem, was unsere Mitarbeiter seit über einem Jahr leisten, ziehe ich meinen Hut", so Huber weiter. "So tief kann ich mich gar nicht verbeugen, wie es diese Leistung rechtfertigen würde."

Damit trifft Huber den Beweggrund von Rettenberger, wieso sie sich für das SZ-Projekt engagiert. "Ich möchte zeigen, was wir tun", sagt sie. "Und dass sich in den Köpfen der Menschen verankert, dass unser Job keine Selbstverständlichkeit ist." Im besten Falle - und das würde Rettenberger am meisten freuen - weckt die Kolumne bei dem Einen oder Anderen den Gedanken, selbst über eine Ausbildung in der Pflege nachzudenken.

Julia Rettensberger Kolumnen sind unter diesem Link gesammelt.

© SZ vom 08.05.2021/koei
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