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Geschmackloses Foto:Dachauer Politiker verurteilen AfD Salzgitter

Der Stiftungsdirektor Karl Freller und mehrere Dachauer Politiker sind entsetzt über die skandalöse Bildmontage der AfD Salzgitter mit dem KZ-Tor.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, hat die skandalöse Fotomontage des AfD-Kreisverbandes Salzgitter in Niedersachsen scharf verurteilt. "Es geht fast nicht mehr tiefer! Diese Fotomontage ist eine schändliche Verhöhnung aller KZ-Opfer sowie eine Relativierung des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte. Wo bleibt der Protest aus jenen AfD-Kreisen, die sich als nicht rechtsextrem bezeichnen?", schrieb der Landtagsvizepräsident auf Twitter.

Der Kreisverband der in Teilen rechtsextremen Partei hatte auf seinem Telegram-Kanal eine Fotomontage verbreitet, auf der das Eingangstor zu einem KZ zu sehen ist. Statt dem zynischen Spruch "Arbeit macht frei" stand auf dem Bild "Impfung macht frei". Die AfD wollte damit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gegen einen vermeintlichen "Impfzwang" protestieren. Das Foto ging viral in mehreren Telegram-Gruppen von Corona-Leugnern. Inzwischen hat der AfD-Kreisverband Salzgitter den Telegram-Beitrag gelöscht. Das Bild sollte als "mahnendes Zeichen gegen die zunehmenden Freiheitsbeschränkungen" verstanden werden, schrieb die AfD auf dem Messenger-Dienst. Historische Bezüge habe man nicht herstellen wollen. "Sollten hier Gefühle verletzt worden sein, entschuldigen wir uns dafür." Wie die Salzgitter Zeitung berichtet, ermittelt der Staatsschutz in diesem Fall. Ein Polizeisprecher bestätigte dem Blatt den Eingang einer Strafanzeige gegen die AfD wegen des Verdachtes der Volksverhetzung.

Im Landkreis Dachau sorgte die Bildmontage mit dem KZ-Tor für Fassungslosigkeit und wütende Reaktionen. "Einfach Widerlich! Leider ist so ein Vorgehen bei der AfD nicht überraschend", schrieb der Dachauer Kreisverband der Jungen Union dazu auf Facebook. Die AfD sei "gespickt mit Antisemiten, Holocaust-Relativierern, Rassisten und unappetitlichen Gestalten". Man fordere alle Bürger dazu auf, sich von "diesen Feinden der Bundesrepublik" zu distanzieren. Ähnlich äußerte sich der Dachauer SPD-Stadtrat Dennis Behrendt. In Bezug auf die Querdenker-Demos forderte er auf Facebook: "Diese abscheulichen Vergleiche mit Diktaturen oder sogar der NS-Verbrechensherrschaft müssen aufhören." Auch Alexander Heisler, der Kreisvorsitzender der Dachauer Grünen, zeigte sich entsetzt über die "abscheuliche Fotomontage". Auch den letzten Impfgegnern sollte jetzt klar sein, dass auf Querdenker-Demos Rechtspopulisten mitlaufen würden, so Heisler in einem Schreiben an die SZ. Es sei zwar gut, dass man auf einer Demonstration während der Corona-Pandemie seine Meinung ausdrücken könne. "Doch wer im Zusammenhang mit Demos gegen die Corona-Maßnahmen solch bösartige und verhöhnende Vergleiche zieht, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Mit Nazis demonstriert man nicht." Die Demokraten müssten jetzt aufstehen "gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, gerade hier in Dachau".

© SZ vom 19.11.2020/van

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