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Flüsse in Bayern:Amper, Glonn und Würm sind in schlechtem Zustand

Umgehungsstraße für Forellen: die Fischtreppe neben dem Wasserkraftwerk an der Amper.

(Foto: Toni Heigl)

Das zeigt eine Studie des WWF. Der Grund: Die Flüsse können wegen zunehmender Bebauung nicht frei genug fließen. Das verschlechtert auch die Wasserqualität.

Von Thomas Altvater

Flüsse sind nicht nur Lebensräume, sondern ganze Lebensadern. Umso wichtiger müsste es also sein, dass es den Flüssen gut geht. Doch zumindest in Dachau zeichnen Umweltschützer kein gutes Bild vom ökologischen Zustand von Amper, Glonn, Würm oder ihren Zuflüssen. Einer dieser Naturschützer ist Stefan Ossyssek. "Der Zustand der Dachauer Flüsse ist unbefriedigend", sagt er, "das kann man schon so zusammenfassen."

Stefan Ossyssek ist Referent für Wildflüsse bei der Naturschutzorganisation WWF, die im vergangenen Jahr alle 913 Flüsse, Bäche und Wasserläufe in Bayern untersucht hat. Das Ergebnis der Analyse: Nur knapp 15 Prozent der bayerischen Flüsse sind in einem guten Zustand. Oder andersherum, den Flüssen in Bayern geht es schlecht. "Und in Dachau ist dieses Bild vergleichbar mit dem Rest Bayerns", erklärt Ossyssek. Verantwortlich hierfür machen er und der WWF die vielen Querbauten, Wehre, Rohre, Abstürze, die die Flüsse regelrecht durchschneiden und den Flusslauf unterbrechen. 264 solcher Querbauten gibt es laut Bayerischem Landesamt für Umwelt im Landkreis Dachau.

Wenn ein Fluss nicht fließen kann, erwärmt sich das Wasser und der Nährstoffgehalt steigt

Querbauten greifen massiv in das Ökosystem der Flüsse ein: "Diese Bauten führen dazu, dass Fische und andere Gewässerlebewesen nicht mehr frei durch das Gewässer wandern können", erklärt Ossyssek. Die Langzeitwanderer unter den Fischen, der Huchen oder die Nase, erreichen so ihre Laichplätze nicht mehr, die flussaufwärts liegen. "Wenn eine Mauer im Fluss ist, dann kommen die Fische da einfach nicht mehr durch", fasst Ossyssek die Situation zusammen. "Und in Dachau sind fast 60 Prozent der Querbauten nicht oder nur mangelhaft durchgängig."

Hinzu kommt, dass Wehre und Abstürze einen Rückstau des Wassers im Oberlauf erzeugen und kleine Seen entstehen. "Dort ändert sich die Gewässereigenschaft ganz gravierend", erklärt der Naturschützer. Das Wasser erwärme sich, der Nährstoffgehalt im Wasser steige. "In der Folge werden dort andere Arten heimisch".

Früher habe man die Flüsse mit den Querbauten kontrollieren, dem Wasser die Energie nehmen wollen, sagt Ossyssek. Geplant worden seien sie vor allem von Bauingenieuren und damit Fachleute ohne Kenntnis von ökologischen Zusammenhängen. "Es werden immerhin nicht mehr solcher Bauwerke errichtet", sagt er, "aber es sind halt wahnsinnig viele über die Jahrzehnte entstanden". Er kritisiert vor allem die Wasserkraftwerke, von denen in Dachau die Stadtwerke insgesamt drei betreiben. "Da übertreffen die Kosten für die Umwelt und die Ökologie den Nutzen dieser Anlagen", sagt Ossyssek.

Ossyssek und der WWF haben deshalb eine zentrale Forderung: Es sollen so viele Querbauten wie möglich entfernt werden, damit die Flüsse wieder frei fließen können. "In Dachau ist das eine große Aufgabe", sagt er. Doch Ossyssek hat Hoffnungen, dass sich in Zukunft etwas ändern könnte: "Es ist definitiv ein Umdenken da, gerade in der Wasserwirtschaft".

"Und so können die Fische aus der Isar nicht hoch in die Amper wandern"

Dass diese Hoffnung berechtigt ist, zeigt Christian Leeb, Leiter des Wasserwirtschaftsamts München. Seine Behörde ist zuständig für die meisten Dachauer Flüsse. "Uns ist dieses Problem bewusst", sagt er. "Diese Querbauwerke sind einfach ein wesentlicher Punkt, wieso die Flüsse in keinem guten Zustand sind."

Ob es einem Fluss "gut geht", bemisst Leeb vor allem an der Fischpopulation. "Den Huchen müsste man zum Beispiel eigentlich auch in der Amper finden, aber er kommt da nicht rein", sagt er. Das Problem sei ein Wehr, das außerhalb des Landkreises, in Freising, liege, erklärt der Amtsleiter. "Und so können die Fische aus der Isar nicht hoch in die Amper wandern." Trotzdem widerspricht Leeb den Naturschützern. Die Fischpopulation in der Amper zeige, dass der Fluss zumindest in Dachau ökologisch in gutem Zustand sei und frei fließen könne, "was aber zum Teil auch daran liegen kann, dass Fischer einige Tiere eingesetzt haben".

Dennoch, sagt Leeb, die Amper sei weniger das Problem, "die Querbauten befinden sich im Landkreis vor allem in der Würm und der Glonn". Trotz der ökologischen Probleme können die Querbauten laut Leeb auch einen Beitrag für den Naturschutz leisten: "Sie sind vor allem in der Amper oder der Glonn notwendig, wo es Feuchtgebiete gibt, die einen gewissen Wasserstand brauchen." Dort würden die Querbauten helfen, den Pegel zu regulieren und diese Gebiete zu erhalten. Auch die Wasserkraftwerke nimmt Leeb in Schutz. "Darüber kommt man nicht hinweg, oder anders gesagt, auf die kann man nicht verzichten, weil sie im Gegensatz zur Wind- oder Sonnenenergie einfach grundlastfähig sind."

Ein Rückbau der bestehenden Querbauten, wie ihn Ossyssek und der WWF fordern, ist für Christian Leeb jedoch kaum zu realisieren. "Das ist nicht einfach", erklärt er, schließlich habe sich die Beziehung von Fluss und Grundwasser an den betroffenen Stellen über die Jahre hinweg angepasst. Stattdessen wählt das Wasserwirtschaftsamt mit den angrenzenden Gemeinden oftmals einen anderen, schonenderen Weg: "Die Querbauten werden mit Fischtreppen ausgestattet", erklärt Leeb.

Geschehen ist dies bereits bei den drei Flusskraftwerken der Dachauer Stadtwerke, wie Pressesprecherin Cornelia Scheyerl mitteilt: "Alle drei verfügen über eine Umgehungsrinne."

© SZ vom 30.04.2021/kafe
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