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Kitas und Krippen:"Die Erwachsenen schaffen das"

Angelika Mayr leitet die Krippe für die Mitarbeiter des LMU-Klinikums. "Wir sind immer einem gewissen Risiko ausgesetzt."

(Foto: Robert Haas)

Bei der Betreuung von Kindern ist es schwierig, Abstand zu halten und konsequent Masken zu tragen. Gerade in diesen Tagen müsse man ihnen ein sicheres Gefühl geben, sagt die Leiterin einer Krippe.

Auch Erzieherinnen und Erzieher dürfen an ihrem Arbeitsplatz Masken aufziehen. Kein Arbeitgeber kann in diesen Tagen Kita-Personal, das sich vor einer Corona-Ansteckung fürchtet, einen Mund-Nasen-Schutz verbieten. Das Tragen solcher Masken oder von Tüchern sei situationsbedingt möglich und liege in der Entscheidung der jeweiligen Dienstkraft, gibt die Stadt bekannt.

Vertreter der 400 städtischen Kindertageseinrichtungen und 42 Tagesheime könnten sich Einweg-Masken an Sammelpunkten der Branddirektion holen. Aus Sicht von Medizinern sind sie ein sinnvoller Schutz. Die Hauptgefahr gehe von den größeren Tröpfchen aus, die durch eine Mund-Nasen-Bedeckung abgefangen werden können, erklären die Kinder- und Jugendmediziner Uta Behrends von der Klinik der TU München und Johannes Hübner vom Haunerschen Kinderspital der LMU auf Nachfrage. Das Infektionsrisiko des Gegenübers werde auf diese Weise reduziert.

Doch wie soll man Kindern, die sich Mützen oder Sonnenhüte vom Kopf reißen, eine solche Maske verordnen? Und wie gelingt es Erwachsenen, den ganzen Tag über ihren Mund zu verbergen, wenn sie mit Kindern spielen, singen oder auch mal schimpfen?

"Mimik und Körperkontakt, das sind Grundgegebenheiten in unserem Beruf, das ist intrinsisch", sagt Nina Wallner-Seemann, Leiterin des AWO-Kinderhauses am Hochstiftsweg in Bogenhausen. Sie und ihre Mitarbeiter sind seit Tagen mit der Organisation ihrer Einrichtung beschäftigt. Denn auch in ihr Haus werden nun mehr und mehr Kinder zurückkommen, deren Eltern seit Montag Anspruch auf einen Notbetreuungsplatz haben. Das sind bisher laut dem bayerischen Sozialministerium erwerbstätige Alleinerziehende, egal welchen Beruf sie haben, Lehrerinnen und Lehrer, die unterrichten, Seelsorger, Rechtsvertreter und Steuerberater - vorausgesetzt, das Kind kann nicht durch eine andere volljährige Person betreut werden, die mit im Haushalt lebt.

Normalerweise gehen 124 Kinder, aufgeteilt in sechs Gruppen, in die Kita am Hochstiftsweg. Derzeit sind es gerade mal 30, denn es dürfen nur je fünf pro Gruppe aufgenommen werden. Die Gruppen werden streng voneinander getrennt, dürfen auch nicht dieselben Toiletten benutzen. Da noch mehr Eltern Anspruch angemeldet hätten, überlege man, eine Ausnahmegenehmigung zu bewirken, um auf sechs Kinder pro Gruppe aufzustocken oder eine neue Gruppe aufzumachen. Nur: Mit welchem Personal? Es kämen ja auch Ferien.

Wallner-Seemann ist für den Ausbau der Notbetreuung, auch wenn sie das wie viele Kita-Leiter vor Probleme stellt. Besonders bei Krippenkindern sei die Bindung zu Erwachsenen so wichtig, sagt sie. Manche seien wochenlang nicht von zu Hause weg gewesen, da bedürfe es besonderer Feinfühligkeit. Den Kindern durch eine Maske im Gesicht ein Lächeln und die Mimik zu verwehren, könne sie sich nur schlecht vorstellen. Außerdem laufe der Spracherwerb viel über Beobachtung. Angst vor Ansteckung habe sie nicht. Gewickelt wurde auch vorher schon nur mit Handschuhen und einer Schürze um den Bauch. Schutz biete vor allem penible Hygiene durch sorgfältiges Händewaschen. Kinder, die Krankheitssymptome zeigten, müssten umgehend nach Hause.

Inwieweit Kinder, die keine oder atypische Symptome zeigen, Überträger des Virus seien, ist nach Auskunft von Behrends und Hübner "im Moment noch völlig unklar". Sie verweisen auf Studien von Übertragungen in Familien, die aufzeigten, dass Kinder sehr viel seltener der Ausgangspunkt von Ansteckungen bei Familienmitgliedern seien. "Es ist somit möglich, dass Kinder insgesamt weniger ansteckend sind als Erwachsene und dass der Übertragungsweg meist eher von einem infizierten Erwachsenen ausgeht." Beim Wickeln und auf Toiletten empfehlen sie dem Kita-Personal Einmal-Handschuhe.

Alle zwei Stunden müssen sich die Kinder in der "Kinderwelt" in Großhadern vorsorglich die Hände einseifen. Hier wird der Nachwuchs der Mitarbeiter des LMU-Klinikums betreut. Die Eltern müssen beim Bringen und Abholen Masken tragen, dürfen nur in zugewiesenen Zeiten kommen und keine Räume betreten. "Wir sind immer einem gewissen Risiko ausgesetzt", sagt Angelika Mayr, die seit 30 Jahren die Krippe leitet. "Wir haben aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen keine Panik." Gespräche mit ihren Mitarbeitern führt sie meist übers Telefon, überhaupt soll so wenig wie möglich gesprochen werden im Haus. Zwei Mitarbeiterinnen tragen eine Maske, sie selbst nicht, obwohl sie ihren Vater betreut. Die Kinder fänden es toll, dass die Erzieher in den verkleinerten Gruppen mehr Zeit für sie hätten. Wichtig sei, den Kindern gerade jetzt ein sicheres Gefühl zu geben, nach dem Motto: "Die Erwachsenen schaffen das."

© SZ vom 30.04.2020/amm
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