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Verunsicherte Schwangere:Geburten in Zeiten von Corona

Frühchenstation, Klinikum Harlaching Sanatoriumsplatz 2

Schwangere sind verunsichert, wie die Geburt ihres Kindes in Zeiten von Corona ablaufen wird.

(Foto: Florian Peljak)
  • Schwangere sorgen sich in Zeiten von Corona darum, wie die Geburt ihres Kindes ablaufen wird.
  • Ob die Partner ihre Frauen und Babys im Wochenbett in der Klinik besuchen dürfen, wird von Klinik zu Klinik unterschiedlich geregelt.
  • Und die Vorgaben könnten sich in ein paar Tagen oder Wochen schon wieder ändern.

Es ist ihre erste Geburt. Was auf Jacqueline Ludwig zukommt, kann sie bisher nur ahnen. Über das große Ereignis kann sie sich natürlich umfänglich informieren, alles Wichtige und Unwichtige dazu lesen, sehen und hören. Aber dass eine Pandemie ihr dazwischen kommt, darauf konnte sie sich nicht vorbereiten.

Was das Coronavirus im Leben einer Schwangeren bedeutet, müssen nun Ärzte, Hebammen und die werdenden Eltern selbst beinahe täglich neu herausfinden. Für die 33-jährige Ludwig bedeutet das: eine weitere große Unbekannte auf ihrem Weg.

Ludwig ist in der 29. Schwangerschaftswoche, Mitte Juni soll das Kind kommen. Bis dahin ist noch Zeit. Gerade stocken die Krankenhäuser auf, die Ärzte halten jedes mögliche Bett frei für Covid-19-Patienten, auch in den Geburtskliniken macht man sich Gedanken, wie die Abläufe mit möglichst geringem Infektionsrisiko stattfinden können.

Doch wann der große Corona-Ausbruch in Deutschland ankommt und was er anrichtet, kann bisher keiner sagen. Genauso unmöglich ist es, die Situation in den Krankenhäusern im Juni abzuschätzen. Ungewisse Aussichten für Ludwig. Die gebürtige Wienerin, die seit drei Jahren in München lebt, und ihr Partner versuchen, sich nicht verunsichern zu lassen. "Ich denke, wir werden es irgendwie schon hinbekommen", sagt Ludwig.

Doch natürlich hat auch sie sich das anders vorgestellt. Mit einem Familienzimmer, wo sie mit ihrem Partner und dem Neugeborenen zusammen ein paar Nächte im Krankenhaus verbringen kann, zum Beispiel. Das wird vielleicht nicht mehr möglich sein.

Zur Zeit lässt das Klinikum rechts der Isar, für das Ludwig sich entschieden hat, keine Besuche auf der Wochenstation zu, also auf der Station, wohin die Frauen mit ihren Kindern nach der Geburt verlegt werden. Bei der Geburt dürfe die Begleitperson aber weiterhin dabei sein, versichert die Pressesprecherin.

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Eine Strategie, für die sich zur Zeit fast alle großen Geburtskliniken Münchens entschieden haben. "Auf die Wochenstation dürfen die Väter derzeit nicht mehr mit. Und anderer Besuch ist sowieso schon landesweit untersagt", erklärt auch Sven Mahner, Direktor der Frauenklinik der LMU an der Maistraße. Er war einer der ersten, der beschloss, wegen des Coronavirus die Begleitperson zum Wochenbett nicht mehr zuzulassen.

Und auch bei der Geburt selbst gelten hier strenge Regeln. "Wir lassen den Partner zur Geburt in den Kreißsaal. Aber dann sollte er dort auch bleiben und möglichst nicht rauskommen, um das Infektionsrisiko für alle so gering wie möglich zu halten", sagt Mahner.

Normalerweise sei in der Geburtsklinik immer viel Betrieb. Werdende Väter wuselten nervös durch die Flure, holten Kaffee, telefonierten. "Das ist auch gut, sie wollen ihrer Frau irgendwie helfen. Aber in dieser Pandemie müssen wir uns von lieb gewonnenen Traditionen vorübergehend verabschieden."

Am Klinikum Dritter Orden gelten ähnliche Regeln. Wenn die Geburt tatsächlich beginnt, entscheide "im Moment die betreuende Hebamme zusammen mit dem ärztlichen Team im Dienst, ab wann der Partner mitanwesend sein darf", steht auf der Homepage. Im Kreißsaal müsse der Partner dann einen selbst mitgebrachten Mundschutz tragen. Verlassen dürfe er den Raum nur für den Toilettengang.

Zum Wochenbett ist er danach ebenfalls nicht mehr zugelassen. Die Frauenklinik in der Taxisstraße regelt das laut Sprecherin ähnlich. Dort dürfe normalerweise kein Besuch mehr auf die Wochenbett-Station. Ausnahme ist die Neugeborenen-Intensivstation: Dort dürfe eine Besuchsperson für eine Stunde pro Woche kommen. Und an den drei Standorten der München Klinik, eine der geburtsstärksten Kliniken Deutschlands, hat man den Wochenbett-Besuch bisher nicht eingeschränkt: "Der Partner oder die Partnerin ist auch auf der Wöchnerinnenstation nach der Geburt als Besuch willkommen", heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Coronavirus hat in dieser Frage einen Flickenteppich an Regeln hinterlassen. Dass die Vorgaben sich in ein paar Tagen oder Wochen wegen einer Zuspitzung der Situation schon wieder ändern könnten, ist da kein Trost. In anderen Städten kam es schon vor, dass Väter nicht einmal mehr in den Kreißsaal durften.

Ärzte und Hebammen suchen nun verstärkt nach Wegen, um die Ängste der Frauen aufzufangen. Die München Klinik hat unter der Nummer 62 10 53 44 eine Infohotline für Patientinnen der Frauenklinik eingerichtet. Und auch immer mehr Hebammen arbeiten mit Online- und Telefonformaten. Die freiberufliche Hebamme Sandra Lohrey zum Beispiel bietet seit dieser Woche eine Videoberatung über die Beratungsstelle für natürliche Geburt an.

Jacqueline Ludwig bleibt vorerst nichts als warten und hoffen. "Es besteht die Möglichkeit, dass ich die Geburt ohne meinen Partner durchstehen muss", weiß die werdende Mutter. Aber im Moment setze sie auf ihren Optimismus.

© SZ vom 26.03.2020/kaal
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