bedeckt München 12°
vgwortpixel

Coronavirus in München:Immer mehr Verstöße gegen die Schutzmaßnahmen

Polizei im Englischen Garten während der Corona-Krise, 2020

Polizisten patrouillieren an einem milden Frühlingstag durch den Englischen Garten und fordern die Anwesenden zum Abstandwahren auf.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Polizei stellt immer mehr Verstöße gegen die gesetzlichen Pandemie-Schutzmaßnahmen fest.
  • Von Samstag auf Sonntag registrierten Polizisten bei Kontrollen 160 Verstöße, am Montag und Dienstag waren es jeweils 200, von Dienstag bis Mittwoch bereits 290.
  • Die Zahl der Anzeigen pro Tag stieg seit Montag von 61 auf 137.
  • Klar ist aber auch: Je mehr kontrolliert wird, desto mehr Übeltäter werden erwischt.

Der Anfang vom Ende der Disziplin - oder vor allem ein statistisches Phänomen? Seit dem Wochenende steigt die Zahl der von der Polizei registrierten Verstöße gegen die gesetzlichen Pandemie-Schutzmaßnahmen ebenso kontinuierlich an wie die Zahl der Fälle, in denen es mit Ermahnungen allein nicht mehr getan war. Auf 160 Verstöße wurden Polizisten bei ihren Kontrollen von Samstag auf Sonntag aufmerksam, am Montag und Dienstag waren es jeweils 200, von Dienstag bis Mittwoch bereits 290. Die Zahl der Anzeigen pro Tag stieg seit Montag von 61 auf 137.

Die Polizei warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen. Denn ähnlich wie im Bereich der Rauschgiftkriminalität handelt es sich bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz um Kontrolldelikte: Je mehr kontrolliert wird, desto mehr Übeltäter werden erwischt. Tatsächlich überprüften Beamte von Sonntag auf Montag in 4000 Fällen die Einhaltung der neuen Regeln, von Dienstag auf Mittwoch aber in 6400 Fällen. Das heißt, bei etwa jeder zwanzigsten Kontrolle stoßen die Polizisten auf Verhalten, das sie nicht tolerieren können.

Man sei mit "Fingerspitzengefühl" unterwegs, versichert ein Polizeisprecher. Manchmal freilich stößt dann auch die Geduld der Beamten an Grenzen. So wie am Dienstag kurz vor Mitternacht, als sie in einer Wohnung an der Landwehrstraße in der Ludwigsvorstadt auf sechs 20 bis 30 Jahre alte Menschen trafen, die dort mit lauter Musik, Alkohol und - in einem Fall - auch Drogen eine Party feierten.

Nur zwei von ihnen gehörten in die Wohnung, die anderen vier waren verbotene Gäste. Eine ähnliche Situation bot sich in der Emanuelstraße in Schwabing. Dort feierten zwei Frauen zusammen. Beide wohnten zwar in dem Haus, jedoch war die 22-Jährige aus einer anderen Wohnung. Geht gar nicht, befand die Polizei. Dass auch hier Marihuana im Spiel war, verschlimmerte die Sache für die beiden Frauen zusätzlich.

In beiden Fällen hatten Nachbarn die Polizei geholt. Doch nur ein geringer Anteil der Kontrollen geht auf Anrufe zurück; in den allermeisten Fällen wird die Polizei von sich aus aktiv. Die Münchnerinnen und Münchner zeigen also wohl selbst Fingerspitzengefühl. Das bestätigt auch die Polizei, nur etwa 100 solcher Anrufe registriert sie pro Tag. Und man sei froh, so ein Polizeisprecher, wenn man auf gravierende Vorfälle hingewiesen werde.

Von einem solchen berichtet auch die Bundespolizei: Am Dienstagvormittag wurde eine 23 Jahre alte, aus Armenien stammende Frau am S-Bahnsteig des Hauptbahnhofs von einem Mann aus Unterschleißheim angegriffen. Der 64-Jährige soll die Milbertshofnerin zunächst aufgehalten und dann von sich weggestoßen haben. Dazu beschimpfte er sie rassistisch und nannte sie "Virus".

Die Bundespolizei in München hatte darüber hinaus nach Auskunft von Sprecher Wolfgang Hauner nur sehr wenige Einsätze, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie standen. "Die Reisenden und Bahnhofsnutzer hielten sich bisher an die bekannten Empfehlungen. Und auch in Bezug auf das Abstandhalten und wegen Gruppenbildung musste bisher nur in wenigen Einzelfällen eingeschritten werden. Bisher reichten mahnende Worte."

© SZ vom 26.03.2020/kaal
Wohnen in München Wie die Corona-Krise sich auf den Wohnungsmarkt auswirkt

Pandemie

Wie die Corona-Krise sich auf den Wohnungsmarkt auswirkt

Manche Vermieter geben sich großzügig, manche Hotelbetreiber zeigen sich einfallsreich - und selbst erfolgsverwöhnte Makler sind verunsichert.   Von Anna Hoben

Zur SZ-Startseite