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TV-Talk bei Maischberger:Beatrix von Storch, Meisterin der Schlangenlinie

MAISCHBERGER

Zur 500. Folge von Maischberger gab es eine Lehrstunde in Populismus

(Foto: WDR/Max Kohr)

Zum Jubiläum der 500. Folge streiten Sandra Maischberger und die stellvertretende AfD-Vorsitzende über Populismus. Eine wirre Sendung, die symptomatisch für den Zeitgeist steht.

In Mecklenburg-Vorpommern kämpfen sie für den Erhalt des Regenwaldes. Deshalb dürfen die Menschen dort auch keine Flüchtlinge wollen. Bitte was? Die Jubiläumsausgabe von Sandra Maischbergers Talkrunde ist keine fünf Minuten alt, da dreht die Logik zum ersten Mal frei.

Beatrix von Storch ist zu Gast, es geht wie so oft dieser Tage um die Flüchtlingsfrage und den Populismus in Europa. Die stellvertretende AfD-Vorsitzende erklärt, man könne auch für oder gegen etwas sein, das man nicht unmittelbar erlebt. Mecklenburg-Vorpommern hat keinen Regenwald. Schützen wollen darf man ihn trotzdem. Mecklenburg-Vorpommern hat auch fast keine Flüchtlinge. Loswerden wollen darf man sie trotzdem. Ein realitätsfremdes Beispiel, mit dem Storch versucht, die Realitätsfremde der Bundesregierung zu belegen.

70 Minuten Populismus

Man hat sich an diesem Abend auf Sandra Maischbergers Couch getroffen, um über den Populismus in Europa zu diskutieren. Aber eigentlich ist man zusammengekommen, um 70 Minuten lang zu zeigen, wie Populismus in Europa funktioniert. Schon in den ersten Sendeminuten wird die Fallhöhe nach oben geschraubt.

Es geht um die pöbelnden Demonstranten bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden. "Volksverräter" und "Stinktier" zählen noch zu den harmloseren Beleidigungen, die eine wütende Menge den anwesenden Politikern an diesem Tag entgegengeschleudert hat.

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Auch bei Maischberger fliegen gleich zu Beginn die Begriffe nur so durch den Raum: Volksverhetzung, Demokratiefeindlichkeit und eben Realitätsfremde. Storch mahnt an: "Das ist des Volkes Stimme." Dagegenhalten die Journalistin Lea Rosh und Grünen-Politiker Anton Hofreiter: Die AfD habe dieses vergiftete Klima doch mitzuverantworten. Und überhaupt stehe der Mob von Dresden doch nicht stellvertretend für die deutsche Gesellschaft.

Die 500. Ausgabe von Maischberger ist eine wirre Runde

Die Ereignisse vom 3. Oktober sind bei Maischberger der Ausgangspunkt für eine Reise durch den europäischen Populismus. Nach dem Scheitern von Viktor Orbáns Referendum zur Flüchtlingsfrage in Ungarn stellt sich die Redaktion des ARD-Polit-Talks die Frage: "Pleite für die Populisten - Sieg für Merkels Europa?" Was folgt ist ein Zickzackkurs durch beinahe alle Themen von tagespolitischer Relevanz.

Es geht um Flüchtlinge, enthemmte Rhetorik, Nazi-Deutschland, ungarische Zäune, Syrien, die Türkei und Erdoğan. Es geht um innenpolitische Streitfragen und das drohende Ende der europäischen Solidarität. Die 500. Ausgabe von Sandra Maischbergers Talk ist eine wirre Runde. Doch sie steht symptomatisch für den Zeitgeist.