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Maybrit Illner zur Union:Zwei sticheln, einer ist entspannt

„maybrit illner“-Sendung vom 22. April 2021

Friedrich Merz, Maybrit Illner, Dorothee Bär und Cem Özdemir diskutieren in der Runde. Zugeschaltet sind zwei Journalisten.

(Foto: ZDF/Svea Pietschmann/ZDF/Svea Pietschmann)

In der Runde bei Maybrit Illner kann sich Friedrich Merz einen Seitenhieb auf seine Intimfeindin nicht verkneifen und Dorothee Bär himmelt Markus Söder an. Ein schöner Abend für Cem Özdemir.

Von Peter Fahrenholz

Nachbetrachtungen in Fernsehtalkrunden haben den Vorteil, dass man dann schon weiß, wie alles ausgegangen ist. Sie haben allerdings den Nachteil, dass es nicht so leicht ist, sich ins Spekulative zu flüchten, die Fakten sind nun mal die Fakten. Und Fakt ist, dass Armin Laschet zwar den Kampf um die Kanzlerkandidatur gewonnen hat, nun aber schwer versehrt am Start steht. Noch nie sei ein Kandidat so angeschlagen und mit so schlechten persönlichen Werten in eine Bundestagswahl gegangen, stellt der zugeschaltete Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen fest, ein Befund, dem vermutlich noch nicht einmal eingefleischte Laschet-Fans widersprechen würden. Insofern war es naheliegend, dass das Leitmotiv von Maybrit Illners Talkrunde die Frage war, ob die Union jetzt das Kanzleramt verliert.

Zu einer solchen Frage Friedrich Merz einzuladen, ist vom Spannungsfaktor her eine gute Idee. Bei Merz weiß man ja nie, wie schnell die Parteiloyalität endet und die Mit-mir-hätte-es-diese-ganzen-Probleme-gar-nicht gegeben-Attitüde beginnt. Merz wäre gerne selber zweimal CDU-Chef und dann natürlich auch Kanzlerkandidat geworden. Und er ist zweimal knapp gescheitert. Und zwar hauptsächlich, weil er zweimal eine relativ schwache Rede gehalten hat, ausgerechnet er. Und jetzt muss er Armin Laschet verteidigen.

Ob nicht Söder der Bessere gewesen wäre, will die Moderatorin wissen. Merz versucht es mit der Nummer, die Union habe die "Qual der Wahl" gehabt, unter zwei ausgezeichneten Kandidaten einen auszuwählen, ein "Luxusproblem". Und in wenigen Wochen werde sich die Stimmungslage schon bessern, wenn dann erst mal mehr Leute geimpft seien. Aber Merz wäre nicht Merz, wenn er nicht anmerken würde, dass man einiges anders hätte machen müssen und er es natürlich auch anders gemacht hätte. Mit der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur sei viel zu lange gewartet worden, er hätte sich sofort mit Markus Söder getroffen und auf eine schnelle Lösung gedrängt. Aber er ist halt nicht CDU-Chef geworden. Was er jetzt vorhat, kann Merz mit der gelassenen Gewissheit offen lassen, dass schon ein wichtiges Ministeramt für ihn herausspringen wird, falls Laschet Kanzler wird.

Eine weniger gute Idee aus Sicht der CSU war es, dem rhetorisch versierten Merz die stellvertretende CSU-Vorsitzende Dorothee Bär gegenüberzusetzen. Sie himmelt ihren Chef Markus Söder an wie eine verliebte Jungunionistin. Unheimlich beliebt sei der Markus, der Druck aus der Bevölkerung sei ja so groß gewesen, und mit dem Markus hätte die Union die Kanzlerschaft "definitiv geholt", jetzt werde es "ein bisschen schwieriger". Und während Bär so dahinplaudert und von der modernen, breit aufgestellten CSU schwärmt, ertappt man sich bei dem Gedanken, dass sich Markus Söder das hoffentlich noch mal überlegt mit der Idee, nach zwei Amtsperioden aufzuhören. Immerhin gibt Bär zu erkennen, dass es mit der völlig grollfreien Unterstützung für Armin Laschet in Bayern vielleicht doch nicht ganz klappen wird. Wie es denn sei mit den Laschet-Plakaten in Bayern, will Maybrit Illner wissen. "Das muss man dann mal schauen", sagt Bär.

Der Dritte im Bunde, der Grüne Cem Özdemir, kann sich da relativ entspannt zurücklehnen. Die Kandidatenkür bei den Grünen ist im Gegensatz zur Union perfekt gelaufen, selbst Merz attestiert den Grünen, sie hätten in den vergangenen Jahren dazugelernt. Und auf die Frage, ob es für die Grünen egal sei, ob sie es mit Laschet oder Söder zu tun bekämen, kann Özdemir antworten, ohne dass es im Geringsten kokett wirkt: "Ich wünsche mir Annalena Baerbock im Kanzleramt."

Ganz am Schluss bricht sie dann doch noch durch, die Obsession von Friedrich Merz, die den Namen Angela Merkel trägt. Merz räsoniert darüber, dass es der Union bei keiner ihrer Kanzlerschaften gelungen sei, die Nachfolge rechtzeitig zu klären. Illner erkennt ihre Chance und fragt nach, ob Merkel ihre Nachfolge nicht geregelt bekommen habe. Merz hätte jetzt höflich ausweichen können. Aber er sagt: "Das ist erkennbar so der Fall."

fahrenholz

Peter Fahrenholz wünscht sich, dass Talkshows nicht immer dieselben Gäste einladen. Denn politische Diskussionen brauchen spannende Argumente statt altbekannter Standpunkte.

© SZ/aner/kast
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