"Anne Will" mit CDU-Kandidat Merz Ich bin's, der Friedrich. So schlimm bin ich gar nicht

In der Diskussionssendung von "Anne Will" sollte Friedrich Merz am Sonntagabend erklären, wie er das gespaltene Land wieder zusammenführen will.

(Foto: dpa)

Bei Anne Will versucht Friedrich Merz, sein Image als "knallharter Neoliberaler" loszuwerden. Er nickt oft, wenn andere reden - für Widerworte fehlt ihm wohl noch das Fachwissen.

TV-Kritik von Thomas Hummel

"Dann machen Sie's doch, ich hab nichts dagegen. Auf geht's!" Falls Friedrich Merz seine letzten Sätze in der ARD-Sendung "Anne Will" am Sonntagabend so geplant hatte, dann müsste man ihm eine kolossale PR-Strategie bescheinigen. Merz, der Macher, ist wieder da. Und ruft gar dem politischen Konkurrenten zu, er solle nun mal loslegen. Für einen gemeinsamen Aufbruch in bessere Zeiten.

Diese letzte Pointe kam aber eher zufällig daher, und war dennoch bemerkenswert. Es ging um die anstehende Versteigerung der 5G-Lizenzen des Bundes zur schnelleren Telekommunikation. Um Friedrich Merz herum plädierten Annalena Baerbock von den Grünen und vor allem Manuela Schwesig von der SPD, dass man sich von den Konzernen nicht noch einmal auf der Nase herumtanzen lassen dürfe. Der bedingungslose Verkauf dieser Lizenzen an den Meistbietenden habe zur Folge, dass in den Ballungsgebieten schnell neue Sendemasten gebaut und Leitungen verlegt würden, aber in den ländlichen Gebieten sich weiterhin nichts bewege. Deshalb müsse die Regierung den Konzernen Auflagen stellen, die diese verpflichteten, Deutschland zu 100 Prozent mit funktionierendem Internet abzudecken. Woraufhin Merz einwarf: "Sehr einverstanden."

Friedrich Merz, 63, bewirbt sich um den Vorsitz der CDU. Es ist das politische Comeback des Jahres, nachdem er 2004 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurückgetreten war und bald darauf ganz aus der Politik verschwand. Mit Angela Merkels Rücktrittsankündigung sieht er seine Chance gekommen. Er hat allerdings zwei Gegenkandidaten, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn.

Politik CDU Die Kraft des Zweifels
Kampf um den CDU-Vorsitz

Die Kraft des Zweifels

Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn? Auf der ersten Regionalkonferenz zeigt sich: Es ist ein offenes Rennen um den Posten des Parteivorsitzes. Und das tut den Christdemokraten nur gut.  Kommentar von Heribert Prantl

Also setzt er sich in die Talkshows dieser Republik, ein bisschen öffentliche Präsenz kann nicht schaden. Auch wenn das Thema für Merz diesmal durchaus problematisch war: "Das gespaltene Land - wer sorgt für Zusammenhalt?" Ausgerechnet Merz, Millionär aus Nordrhein-Westfalen, mit teilweise 19 Aufsichts- und Verwaltungsratsmandaten parallel, Besitzer von zwei Flugzeugen. So einer soll die gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich, Ost und West, Stadt und Land lindern?

In Merz' Portfolio: Banken und ein Klopapier-Hersteller

Anne Will nannte ihn während der Sendung einen "Besserwessi", einen "knallharten Neoliberalen", fragte nach Interessenskonflikten wegen seiner Engagements bei der mächtigen Fondsgesellschaft Blackrock und der Geschäftsbank HSBC Trinkhaus. Friedrich Merz war darauf vorbereitet. Er ahnte wohl, dass die Finanzbranche seit der Krise 2008 einen ganz schlechten Ruf hat. Also versuchte er es mit Demut, Verständnis und ein bisschen spitzbübischem Charme. Nach dem Motto: Hallo, ich bin's, der Friedrich. So schlimm bin ich gar nicht.

Merz erzählte etwa, dass er keineswegs nur bei Banken, sondern auch bei einem Hersteller von Taschentüchern und Toilettenpapier im Aufsichtsrat sitze (bei der Wepa Industrieholding). Er kündigte an, bei einer Wahl zum CDU-Vorsitz sofort alle Unternehmensmandate niederzulegen. Merz schimpfte auf die sogenannten Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte, mit denen Banken mutmaßlich Steuerbetrug in Milliardenhöhe betrieben haben. Er habe diese Geschäfte immer als unmoralisch angesehen. Das seien Dinge, die einfach nicht gingen. Er arbeite nicht bei Unternehmen, die so was machten. "Ich mag diese Leute nicht." Und: "Ich bin absolut clean."