Oscars 2013:Spielberg mit Glück zum Trostpflaster

Bei den nominierten Filmen nämlich war vieles anders als in den Vorjahren. Da war zunächst die ungewohnte Ernsthaftigkeit der behandelten Themen. Waren es 2012 nahezu ausschließlich nostalgische Märchen, die am Hollywood Boulevard geehrt wurden, gingen in diesem Jahr so politische Filme wie "Lincoln", "Zero Dark Thirty", "Argo" und auch "Django Unchained" ins Rennen, die zuvor öffentlichen Streit in den USA ausgelöst hatten.

Auch der Hauptgewinner des Abends, Ben Affleck, hatte sich für seinen Film "Argo" einiges an Kritik anhören müssen. Mit der wahren Geschichte über einen CIA-Agenten, der mit einem erfundenen Filmdreh 1980 sechs amerikanische Geiseln aus Teheran befreite, verärgerte er erst die Kanadier, dann die Briten. Zudem stand Afflecks Film im Verdacht, Geschichtsklitterung zu Gunsten des damals regierenden US-Präsidenten Jimmy Carter zu betreiben. Affleck gewann mit "Argo" den Oscar für den besten Film, war aber für die beste Regie nicht einmal nominiert - das gab es zuletzt 1989, als Bruce Beresford mit "Driving Miss Daisy" den Oscar für den besten Film holte.

Ang Lee durfte sich als zweiter großer Sieger dieser Oscar-Nacht fühlen. Sein Film "Life of Pi" holte einen Oscar mehr als "Argo" (vier statt drei).

Spielbergs "Lincoln" war mit zwölf Nominierungen als großer Favorit in diese Oscar-Nacht gegangen und beendete sie ziemlich gerupft mit nur zwei Academy Awards - einem für das beste Szenenbild und einem Hauptrollen-Oscar für Daniel Day-Lewis. Noch katastrophaler aber verlief der Abend für Kathryn Bigelow, die mit ihrem Film "Zero Dark Thirty" über die Jagd nach Osama bin Laden wohl das heißeste politische Eisen angepackt hatte, dafür jedoch bei der Oscar-Vergabe weitgehend unberücksichtigt blieb. Von den fünf Nominierungen, darunter zwei in Hauptkategorien, blieb ihr am Schluss lediglich ein Oscar für den besten Tonschnitt.

Der Abend war also, was die reine Preisvergabe angeht, spannender als etwa im Vorjahr, als mit "The Artist" und "Hugo Cabret" genau die beiden Filme mit den meisten Nominierungen auch die meisten Oscars abräumten. Doch das ist nur halb so wichtig. Auch wenn der Abend so absehbar verlaufen wäre wie 2012, würde das keineswegs heißen, dass sich im kommenden Jahr weltweit weniger Menschen die Nacht um die Ohren schlagen, um bei diesem Ereignis live dabei zu sein.

Warum die Oscar-Euphorie - auch bei uns in Deutschland - jedes Jahr aufs Neue aber immer noch höher kocht, ist nur teilweise nachzuvollziehen. Sicher hängt es damit zusammen, dass hier berühmte Hollywood-Schönheiten betörend geschminkt den roten Teppich abschreiten. Doch ginge es alleine nach der Qualität der ausgezeichneten Filme, würde die Oscar-Verleihung bei weitem nicht diese Aufmerksamkeit bekommen.

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