Oscar-Moderator Seth MacFarlane:Achtung, dieser Mann ist gefährlich

Seth MacFarlane

Seth MacFarlane moderiert die Oscars 2013.

(Foto: AFP)

In seiner Zeichentrickserie "Family Guy" macht er Witze über Nazis, Übergewichtige und Blähungen. Nun darf Seth MacFarlane die Oscarverleihung moderieren. Warum der 39-Jährige eine gute Wahl ist.

Von Matthias Kohlmaier

Ein besonders dicker Mann jagt seine Tochter rückwärts um den Küchentisch. Laut lachend furzt er ihr dabei immer wieder ins Gesicht und zwar so lange, bis sich das Mädchen auf dem Fußboden windet und heftig übergibt. Glücklicherweise sind die beiden Menschen nicht echt, sondern Cartoon-Charaktere aus der Serie "Family Guy". Der kreative Kopf hinter solchen wenig appetitlichen aber nicht selten trotzdem urkomischen Szenen: Seth MacFarlane - der Mann, der in der Nacht zum Montag die Oscarverleihung moderieren wird.

"Bleib ganz locker und warte auf den Moment, in dem etwas Spannendes passiert", gab Billy Crystal, MacFarlanes Vorgänger als Oscar-Gastgeber, ihm laut Focus mit auf den Weg. Aber mal ehrlich: MacFarlane hat drei erfolgreiche Zeichentrickserien erschaffen, in denen er einigen Charakteren seine Stimme leiht, hat im vergangenen Jahr mit "Ted" seinen ersten Kinofilm gedreht und 2011 quasi nebenbei noch eine Platte mit Swing-Songs im Stil der 40er und 50er Jahre herausgebracht.

Der Mann ist also bestens im Geschäft, an Selbstvertrauen und der entsprechenden Lockerheit wird es MacFarlane im Dolby Theatre sicher nicht mangeln. Aber daraus könnte trotzdem noch ein Problem erwachsen. Denn wenn MacFarlane locker ist, geht das oft mit Witzen über Hitler, Übergewichtige, Analsex, Aids oder Osama bin Laden einher.

Bumm! Hitler!

Bei der Präsentation der Nominierten für die Oscars sprach MacFarlane über "Amour", den Beitrag des österreichischen Regisseurs Michael Haneke. Das klang bei dem 39-Jährigen so: "'Amour' ist eine deutsch-österreichische Koproduktion. Die letzte war Hitler, aber die hier ist viel besser." Er lässt seiner allzu lockeren Zunge einfach freien Lauf. Bumm! Hitler! Und das in einem Land, in dem seit Janet Jacksons "Nipplegate" der Super Bowl mit ein paar Sekunden Zeitverzögerung übertragen wird, um eventuelle Fauxpas aus der Übertragung tilgen zu können.

Das bedeutet einerseits: Hitler-Witze sind in den USA okay, öffentlich entblößte Brüste nicht so. Und es sollte andererseits zur Folge haben, dass die Oscar-Verantwortliche Vorkehrungen treffen, um ihren Gastgeber bei der Live-Übertragung notfalls abwürgen zu können. Doch weit gefehlt. "Wir arbeiten eng mit ihm zusammen und rechnen deshalb nicht mit Überraschungen", sagte Craig Zadan, einer der Produzenten. Obwohl MacFarlane seine Aufraggeber via Twitter bereits vorgewarnt hat, aus welcher Ecke die Witze bei den Oscars kommen könnten:

Der ein oder andere derbe Spruch MacFarlanes ist von Seiten der Verantwortlichen aber vermutlich einkalkuliert oder sogar gewünscht - in der Hoffnung, ein jüngeres Publikum anzulocken als mit dem 64-jährigen "Harry und Sally"-Darsteller Crystal. Denn für eine ganze Generation junger Amerikaner - vorzugsweise prä- bis postpubertärer Männer - ist Seth MacFarlane ein Held. Aber wie konnte aus dem in Kent, Connecticut geborenen Jungen einer der wichtigsten und bestbezahlten Autoren/Produzenten des Landes werden?

In seiner Jugend war MacFarlane das, was man gemeinhin einen Nerd nennt. Er zeichnete Comics, war großer Star-Trek-Fan (was sich bis heute nicht geändert hat). Künstlerisch begabt, wurde erschließlich an der Rhode Island School of Design angenommen. Und eben dort sollte er die Idee haben, die ihn später reich und berühmt machte: Die Geschichte über einen vollkommenen Trottel und seinen sprechenden Hund.

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