Altlasten im Maximilianeum:Woher stammen die Waffen aus dem Landtag?

Lesezeit: 2 min

Altlasten im Maximilianeum: Explosiver Inhalt: In dem Hohlraum, der sich auf der Baustelle am bayerischen Landtag unerwartet auftrat, fand sich auch diese Kiste mit Munition.

Explosiver Inhalt: In dem Hohlraum, der sich auf der Baustelle am bayerischen Landtag unerwartet auftrat, fand sich auch diese Kiste mit Munition.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Bei der gerade laufenden Sanierung des Landtags haben Bauarbeiter in einem Hohlraum Waffen, Munition und historische Gegenstände entdeckt. Vermutlich stammt der spektakuläre Fund aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Von Johann Osel

Der bayerische Landtag wird gerade umfassend renoviert, und als Präsidentin Ilse Aigner vor gut zwei Monaten die Presse über die Großbaustelle führte, von den Kellergeschossen bis aufs Dach, verwies sie immer wieder auf die historische Stätte. Ein fast 150 Jahre altes Gebäude im Bestand zu sanieren, sei "eine große Herausforderung", erzählte die CSU-Politikerin damals zwischen Baugerüsten und Maschinenlärm, das Gebäude sei nicht aus einem Guss, es sei über die Jahrzehnte immer wieder "reingebastelt" worden. Oder es ist etwas hinterlassen worden, wie sich jetzt beim spektakulären Munitionsfund im Maximilianeum zeigt.

Bei den Bauarbeiten wurden diese Woche Waffen, Munition und historische Gegenstände entdeckt, wahrscheinlich aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Bei einer solchen Entdeckung werde einmal mehr klar, an welch historischem Ort die Abgeordneten tagen, sagt Aigner. "Das war und ist uns immer bewusst, aber selten wird es so deutlich wie heute." Sie sei gespannt, mehr darüber zu erfahren, aus welcher Zeit die Funde tatsächlich stammen - und vor allem, wie und warum sie dort gelagert wurden. Zugleich mahne der Fund, für Frieden und Demokratie Sorge zu tragen.

Bauarbeiter waren durch Zufall auf die Objekte gestoßen, ein Bagger hatte durch eine Betondecke gestoßen, unter der sich ein Hohlraum mit - unter anderem - den Munitionskisten befand. Nicht tief in den Katakomben des Parlamentsgebäudes, sondern im Südhof - in einem Areal, auf dem im Zuge der Umbauten neue Räume für die Verwaltung sowie ein Aufzug für das geplante Besucherzentrum entstehen sollen. Polizei und Räumdienst sicherten nach der Entdeckung die Funde, prüften die Risiken. Doch eine Gefahr für den Betrieb des Landtags oder die Umgebung bestand zu keiner Zeit, sagt ein Sprecherin des Landtagsamts, kein vermintes Gelände, keine Bombe oder dergleichen.

Altlasten im Maximilianeum: Überraschende Entdeckung: Ein Bauarbeiter hat mit diesem Bagger unbeabsichtigt eine Betondecke durchstoßen und darunter den Hohlraum mitsamt Munitionsresten und alten Waffen gefunden.

Überraschende Entdeckung: Ein Bauarbeiter hat mit diesem Bagger unbeabsichtigt eine Betondecke durchstoßen und darunter den Hohlraum mitsamt Munitionsresten und alten Waffen gefunden.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Das Parlament wird nun noch selbst ein Räumkommando beauftragen, um die Stelle und die angrenzenden Bereiche zu durchpflügen. Wie lange diese Arbeiten dauern, ist noch unklar. Losgehen könnten sie womöglich nächste Woche, wo wegen der sogenannten Informationswochen ohnehin keine Sitzungen stattfinden. Doch auch bei einem Beginn der Maßnahme erst in den Folgewochen dürfte der Betrieb nicht eingeschränkt sein. Geprüft wird nun auch die genaue Herkunft der Waffen wie der gefundenen Flaschen, Krüge und Kerzenhalter; vielleicht auch zur musealen Verwendung.

Die Bauarbeiten im Maximilianeum (alles in allem Maßnahmen über 106 Millionen Euro) liegen im Zeit- und Kostenplan, hieß es beim Baustellenrundgang im August. Insgesamt soll die Sanierung, darunter verbesserte energetische Strukturen als größter finanzieller Posten, bis 2027 komplett abgeschlossen sein. Das besagte Besucherfoyer - momentan zählt man bis zu 60 000 Gäste pro Jahr - soll allerdings schon bis zur Landtagswahl nächstes Jahres stehen. Außerdem bekommt der Landtag ein neues Dach.

Grund sind undichte Stellen am bisherigen Glasdach, das erst beim Umbau des Plenarsaals 2005 eingesetzt worden war. Damals wurde wohl gepfuscht; unglücklicherweise war die Gewährleistung schon abgelaufen, als man dies feststellte. Zwischenzeitlich musste sogar Wasser mit Eimern aufgefangen werden. Zuständig für das neue Dach ist eine Firma aus Österreich, die bereits das Dach des British Museum in London, den Hangar-7 auf dem Flughafen Salzburg und die Kuppel des Reichstags in Berlin gebaut hat.

Zur SZ-Startseite
onsite_teaserM_400x300-MeiBayernNL@2x

Newsletter abonnieren
:Mei Bayern-Newsletter

Alles Wichtige zur Landespolitik und Geschichten aus dem Freistaat - direkt in Ihrem Postfach. Kostenlos anmelden.

Lesen Sie mehr zum Thema