Energiewende in Bayern:Zwei neue Windparks in den Staatswäldern

Energiewende in Bayern: In den bayerischen Staatswäldern drehen sich immer mehr Windräder. Dieser Tage sind die Verträge für zwei weitere, allerdings kleinere, Windparks abgeschlossen worden.

In den bayerischen Staatswäldern drehen sich immer mehr Windräder. Dieser Tage sind die Verträge für zwei weitere, allerdings kleinere, Windparks abgeschlossen worden.

(Foto: Catherina Hess)

Die Zuschläge für bis zu neun Anlagen in den Landkreisen Oberallgäu und Fürstenfeldbruck gehen an regionale Anbieter. An einem Projekt beteiligt sich sogar eine Gemeinde.

Von Christian Sebald

Der Ausbau der Windkraft im Staatswald kommt weiter voran. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) als Bewirtschafter der Staatswälder haben dieser Tage die Zuschläge für zwei kleinere Windparks im Oberallgäu und in Oberbayern vergeben. Zum Zuge kamen demnach zwei regionale Bietergemeinschaften, an einer ist die Kommune beteiligt, auf deren Flur der Windpark errichtet wird. "Wir haben in Bayern einen Aufholprozess bei der Windkraft gestartet, der nur mit den Bürgern vor Ort gelingen kann", sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der kraft Amtes Aufsichtsratschef der Staatsforsten ist. Deshalb begrüße er es sehr, dass in dieser Auswahlrunde der Zuschlag an regionale Bieter ging.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig nannte die Vergabe an regionale Bieter einen Fortschritt. Insbesondere lobte er, dass in der aktuellen Runde eine Kommune berücksichtigt wurde. Stümpfig forderte allerdings erneut, dass die BaySF in Zukunft wieder Direktverträge mit Kommunen abschließen, die in die Windkraft einsteigen wollen. "Das ist für die Gemeinden sehr viel einfacher als das jetzige komplizierte und aufwändige Auswahlverfahren", sagte er. "Außerdem haben die Staatsforsten ja schon in der Vergangenheit solche Direktverträge abgeschlossen." Stümpfig bezieht sich dabei auf ein Rechtsgutachten seiner Fraktion vom September.

Die beiden neuen Projekte umfassen zusammen bis zu neun Windräder. Der Windpark im Oberallgäu liegt im Kürnacher Forst auf der Flur des Marktes Wiggensbach. Dort sind bis zu fünf Windräder möglich. Die Bietergemeinschaft, die den Zuschlag dafür bekommen hat, besteht aus dem Markt Wiggensbach und der "BioEnergie Allgäu", diese ist laut Staatsforsten im Eigentum von Kommunen und kommunalen Einrichtungen in der Region. Der Wiggensbacher Bürgermeister Thomas Eigstler äußerte sich sehr zufrieden. "Wir werden mit einem hohen Maß an Bürgerbeteiligung und Wertschöpfung in und für die Region eine hohe Akzeptanz für den neuen Windpark erzielen", sagte Eigstler. Er hatte sich von Beginn an dafür starkgemacht, dass die Windräder in Regie seiner Gemeinde errichtet werden.

Der andere Windpark entsteht in Kottgeisering im Landkreis Fürstenfeldbruck. Er soll einmal bis zu vier Windräder umfassen. Zwar ist hier die Kommune nicht direkt an dem Projekt beteiligt. Die Bietergemeinschaft besteht aus zwei kleineren Erneuerbare-Energien-Unternehmen und einem Ingenieurbüro. Aber die beiden Firmen, die MSE Solar aus München und Envalue aus Hofkirchen im Landkreis Passau, haben immerhin ihren Sitz in Bayern, das Ingenieurbüro kommt aus Berlin.

Der Grünen-Energieexperte Stümpfig hatte das Auswahlverfahren der BaySF für Windparks in den Staatswäldern in der Vergangenheit wiederholt als kommunalfeindlich kritisiert. Nach seiner Überzeugung bevorzugte das Staatsunternehmen zumindest anfangs große, finanzstarke Unternehmen, die aus seiner Sicht zu wenig auf die Interessen der einheimischen Bevölkerung eingehen. Hintergrund war die Entscheidung der BaySF im Frühsommer, dass das Unternehmen Qair Deutschland den bis dato größten Windpark in Süddeutschland mit bis zu 40 Windrädern im Altöttinger Forst errichten und betreiben soll. Hinter Qair Deutschland steht ein gleichnamiger französischer, weltweit aktiver Konzern. Stümpfig warf den BaySF vor, dass für sie "der maximale Gewinn im Vordergrund steht statt Kommunalfreundlichkeit und Bürgerbeteiligung". Die Staatsforsten besserten danach ihr Auswahlverfahren nach.

Bayernweit drehen sich in den Staatswäldern 101 Windräder. Nach Angaben der BaySF sind derzeit 28 Verträge für weitere 141 Anlagen abgeschlossen. Mit den beiden nun beendeten Verfahren sind es 30 Verträge für bis zu 150 neue Windräder. Außerdem läuft gerade ein weiteres Auswahlverfahren ebenfalls im Landkreis Fürstenfeldbruck, wo im Bereich der Gemeinde Moorenweis bis zu drei Windräder geplant sind. Dieser Tage startet außerdem das Bieterverfahren für ein Windrad im Staatswald im Landkreis Ansbach.

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