Unter Bayern:Elisabeth, Betty, Lisi, Lieserl

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Der Name Elisabeth hat sich über Jahrhunderte hinweg behauptet, auch weil sich viele Nebenformen gebildet haben. Und sollte er doch einmal verschwinden, wird er zumindest im Ruhme einer Kaiserin unsterblich bleiben.

Glosse von Hans Kratzer

Nach dem Tod der Queen drängt sich die Frage auf, wie kräftig der edle Name Elisabeth künftig noch funkeln wird. In Bayern wird er wohl so schnell nicht untergehen, hier hat sich dieser Name über Jahrhunderte hinweg behauptet. Allerdings zu dem Preis, dass sich kuriose Nebenformen gebildet haben. Die kleine Lisi, die vom Leben gebeugte Lies, die lustige Betty, die freche Elli, die noble Sabeth ...

Und dann gibt es noch die alles überstrahlende Sissi, ein Name, der sogleich die einstige österreichische Kaiserin in Erinnerung ruft, die ihre Briefe wiederum mit Sisi unterzeichnete. Daheim in Possenhofen wurde sie von den Dorfkindern noch Zopf-Liesl gerufen, für ihren Vater war sie das Lieserl. Das mag gar nicht so recht zu jenem Mythos passen, der diese exzentrische Frau umrankt. Zurzeit geht es ja wieder recht wild her, die Feuilletons überschlagen sich mit Besprechungen von neuen Serien, Filmen und Büchern, die Sisis Mysterium erhellen sollen.

Zumindest ein Verdacht drängt sich auf: Wer im Gedächtnis der Menschen auf ewig haften bleiben will, sollte sich möglichst spinnert verhalten und die menschliche Existenz ad absurdum führen. Das ist Sisi prima gelungen, auch bei den vielen bizarren Begegnungen, die sie erlebt hat - selbst als Verstorbene noch. Am Nachmittag des 11. September 1898 rollte der Sonderzug mit dem Sarg der in Genf ermordeten Kaiserin auf dem Weg nach Wien durch die Ortschaft Lambach in Oberösterreich. Die Honoratioren und die Schuljugend hatten sich am Bahnhof postiert, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Inmitten der Schar grüßte ihrem Leichnam auch ein neunjähriger Sängerknabe zu, sein Name lautete Adolf Hitler.

Die von Sisi zelebrierte Absurdität des Lebens flammte auch bei einer Audienz auf, über die ihre Hoffriseuse Fanny Angerer plauderte. Die Kaiserin neigte zum Nuscheln, was sich bei der Feier als fatal erwies. Ihr wurde ein hochdekorierter, aber schwerhöriger Mann vorgestellt, dem sie laut Protokoll zwei Fragen zu stellen hatte. Die erste lautete: "Ist er verheiratet?" Der Schwerhörige verstand nichts, durfte aber nicht nachfragen. Laut der Autorin Wilma Pfeiffer antwortete er so unverfänglich wie möglich: "Von Zeit zu Zeit!" Die Umstehenden bissen sich fast die Zunge ab, weil sie nicht lachen durften. Sisi fragte dann: "Hat er Kinder?" Wieder verstand er kein Wort und sagte: "Manchmal!"

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