Atom-Abkommen Europäische Konzerne ringen um Iran-Geschäfte

Iran Air hatte 98 Flugzeuge bei Airbus bestellt, eine A321 wurde im Januar 2017 geliefert

(Foto: REUTERS)
  • Neue US-Sanktionen gegen Iran gefährden plötzlich das Geschäft von europäischen Firmen.
  • Einige Unternehmen hoffen, dass die Europäische Union sie vor den Folgen des Konflikts schützen wird.
Von Bastian Brinkmann

Flugzeugbauer Airbus feierte 2016 eine "historische Bestellung" durch Iran Air. Der französische Energiekonzern Total freute sich, mit der National Iranian Oil Company das größte Gasfeld der Welt anbohren zu dürfen. Und die österreichische Oberbank präsentierte stolz das erste Rahmenkreditabkommen einer europäischen Bank mit Iran.

Neue Auslandsgeschäfte für europäische Konzerne sind ein zentraler Punkt des Nuklearabkommens zwischen Iran und den UN-Vetomächten plus Deutschland: Iran verzichtet auf Atomwaffen und kommt dafür aus der ökonomischen Isolation. Doch nun könnte US-Präsident Donald Trump diese Geschäfte zunichtemachen - wenn die Europäer nicht Ausnahmen durchsetzen.

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Seit Trumps Wahl galt das Iran-Abkommen unter Managern als Zombie: noch nicht richtig tot, aber nicht mehr lebendig. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, den Deal zu brechen. Das hat er jetzt getan. Nun ist die entscheidende Frage, wie scharf die neuen US-Sanktionen gegen Iran werden. Treffen sie nur amerikanische Firmen? Dann wäre der Effekt begrenzt, US-Konzerne haben sich sowieso zurückgehalten, Nukleardeal hin oder her.

Doch US-Sanktionen können ganz schnell auch europäische Unternehmen treffen. Internationale Konzerne haben oft Niederlassungen in den USA, immerhin ist das Land die größte Volkswirtschaft der Welt. Und auch wer nichts in die USA exportiert, wickelt internationale Geschäfte oft mit Zahlungen in Dollar ab. Daher fließt Geld am Ende eigentlich immer über Konten der Wall-Street-Banken, und Firmen können dann auch der US-Justiz unterliegen. Nur kleine und mittelgroße Unternehmen ganz ohne US-Bezug könnten davonkommen.

Wie genau Europäer betroffen sind, konnten die zuständigen Mitarbeiter des US-Außenministeriums bislang nicht sagen. Je nach Branche haben Firmen nun 90 oder 180 Tage Zeit, um sich aus dem Iran zurückzuziehen, sagten sie. Der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, twitterte noch ein bisschen flotter: Deutsche Firmen sollten "sofort" aus Iran-Geschäften aussteigen.

Diese Deadlines sind aber auch eine letzte Frist, um noch ein bisschen Leben im Zombie zu halten. Die Europäer könnten gerne nach Ausnahmen für ihre Firmen fragen, sagten die Beamten im US-Außenministerium. Was nach der Frist passiere, darüber könne sie nicht spekulieren, sagte die Mitarbeiterin. "Das US-Außenministerium ist ahnungslos", kommentierte Ellie Geranmayeh von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations. "Ausnahmen für europäische Firmen sind der Schlüssel, wenn Europa den Iran-Deal retten will."