Panama Papers Razzia bei der Uefa wegen Panama Papers

Uefa-Zentrale in Nyon

(Foto: AFP)

Rücktritt des Fifa-Ethikers Damiani, Razzia in der Uefa-Zentrale wegen zweifelhafter Geschäfte des neuen Fifa-Chefs Gianni Infantino: Die Panama Papers wirbeln die Fußball-Verbände durcheinander. Mittendrin: eine winzige Insel im Südpazifik.

Von Catherine Boss, Mario Stäuble und Ralf Wiegand

Niue hat gerade mal gut tausend Einwohner, und bis zur Küste Neuseelands sind es 2400 Kilometer. Die kleine Insel im Südpazifik, irgendwo zwischen den Cook Islands, Samoa und Tonga, kennen Tierforscher wegen der Plattschwanz-Seeschlange, weil die nur hier vorkommt. Ermittler in der Schweiz und in den USA kennen die Insel mittlerweile auch wegen einer Briefkastenfirma namens Cross Trading, mit der nun schon zwei große Verbände Geschäfte gemacht haben, die Gegenstand von Ermittlungen sind.

Am Mittwoch trat Juan Pablo Damiani, Mitglied der Ethikkommission des Fußball-Weltverbands Fifa, von diesem Posten zurück, weil seine Anwaltskanzlei J. P. Damiani ausweislich Panama Papers gleich Hunderte Offshorefirmen hatte einrichten lassen - darunter jene Cross Trading. Die argentinischen Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis, die in den USA wegen mutmaßlicher Bestechung von Fifa-Mitgliedern im Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Rechten angeklagt sind, besaßen gleich drei Firmen dieses Namens.

Ernst zu nehmende Probleme mit der Cross Trading in Niue hat nun auch der europäische Verband Uefa. Auch hier haben die internationalen Recherchen in den aus der Kanzlei Mossack Fonseca, einem der großen Offshore-Provider Panamas, stammenden und der SZ zugespielten Daten eine Verbindung zu der Briefkastenfirma von Vater Hugo und Sohn Mariano Jinkis ergeben.

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Demnach hat die Uefa die Fernsehrechte für Ecuador an der Champions League und anderen europäischen Wettbewerben gleich für mehrere Jahre an die Cross Trading verkauft, was der Verband auch bestätigte. Die SZ, der Schweizer Tages-Anzeiger und andere Medien berichteten darüber am Mittwoch - noch am selben Tag ließ die Schweizer Bundesanwaltschaft den Verbandssitz Nyon durchsuchen. Nach SZ-Informationen bekamen auch die Büros der Agentur "Team", die für die Uefa TV-Rechte makelt, Besuch. Die Razzia in Nyon hat die Bundesanwaltschaft in Bern bestätigt. Sie ermittle im Rahmen eines Strafverfahrens, es bestehe der "Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung" und eventuell der Veruntreuung im Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Übertragungsrechten. Gegen eine konkrete Person richte sich der Verdacht bisher nicht, sondern gegen "unbekannte Täterschaft", hieß es aus Bern.

Das ist zunächst gut für einen Mann, der sowohl bei der Uefa als auch bei der Fifa höchste Positionen inne hatte und hat. Gianni Infantino ist seit Februar Präsident des Weltverbands und war davor Uefa-Generalsekretär. Noch als Direktor der Uefa-Rechtsabteilung hat er mindestens einen Vertrag unterschrieben, der kein gutes Geschäft war. TV-Rechte, die an Cross Trading gingen, brachten der Uefa lediglich 111 000 Dollar - Cross Trading verkaufte sie aber für 311 700 Dollar an einen Sender in Ecuador weiter. Zählt man andere bisher bekannte Verträge zusammen, könnte die Uefa sogar Rechte abgetreten haben, mit der am Ende 600 000 Dollar mehr erzielt wurden als in Nyon ankamen.

Jeweils lagen die Gewinnmargen im Zwischenhandel bei mehren Hundert Prozent.