Hillary Clinton bei Günther Jauch Die beste Schauspielerin der Welt

Die erste Präsidentin der USA? Hillary Clinton, hier mit Günther Jauch im Studio in Berlin

(Foto: Imago Stock&People)

Ob es um Haargummis, den "dünnhäutigen" Präsidenten Putin oder das heikle Thema NSA geht: Hillary Clinton kontert jede Frage von Günther Jauch. Schwer fällt ihr das nicht.

Eine TV-Kritik von Matthias Kolb

Für einen Moment hat es Günther Jauch geschafft: Sein Gegenüber ist verunsichert. Treuherzig hatte der Moderator Hillary Clinton angeschaut und gefragt, wie sie seinen Anzug und seine Frisur finde. Und ist die Brille überhaupt noch modern? Die Amerikanerin lacht irritiert und sagt dann, dass der deutsche Talkmaster in dieser Angelegenheit sicher noch an sich arbeiten könne.

Fragen nach ihrem eigenen Äußeren ist Hillary Clinton gewöhnt, seit sie als First Lady mit Ehemann Bill ins Weiße Haus einzog. Auch als sie Obamas Außenministerin war, verfolgten sie diese Debatten. Als sie nach einem Titel für ihr Buch über jene Jahre als Amerikas Chefdiplomatin, das sie nun in Deutschland bewirbt, gesucht habe, habe sie im Internet folgenden Vorschlag gefunden: "Die Haargummi-Chroniken. 112 Länder, aber immer ging es nur um meine Haare". So steht es im Vorwort von "Entscheidungen" und darauf spielt Jauch an.

Dass Frauen in Spitzenämtern noch immer zu oft nach ihrem Outfit und ihrem Aussehen bewertet werden, bestätigen auch Margot Käßmann und Ursula von der Leyen. Die frühere EKD-Ratsvorsitzende und die Verteidigungsministerin sollen mit Clinton über das Thema "Frauen an die Macht" sowie das deutsch-amerikanische Verhältnis sprechen, doch sie wirken blass neben Clinton, die als Favoritin für die Nachfolge von Barack Obama gilt und 2016 zur ersten US-Präsidentin gewählt werden könnte (mehr über Clintons inoffizielle Wahlkampfkampagne hier).

Die große Hillary-Show

Das People-Magazin nimmt sie aufs Titelbild, Putin schimpft über sie, ihre Gegner beginnen schon mit einer Schmutzkampagne, inklusive Rollator: Hillary Clinton ist überall. Nächste Woche erscheint ihre Autobiographie - Anlass für Amerika, über Clintons präsidiale Ambitionen, ihr Alter und ihr Verhältnis zu den Medien zu diskutieren. Von Matthias Kolb mehr ... US-Blog

Es ist verständlich, dass sich Günther Jauch auf den weltberühmten Gast konzentriert. Doch nach der netten Einstiegsfrage zu seiner Frisur gelingt es Jauch nicht mehr, Hillary Clinton zu überraschen. Schnell schwindet die Hoffnung, dass der Moderator das Nebensächliche hinter sich lassen könnte, um hintergründig zu fragen. Stets scheint Jauchs Sorge, nicht alle vorbereiteten Fragen von seinen Karten ablesen zu können, größer als der Wunsch, der 66-Jährigen mehr als vorbereitete Floskeln (talking points nennen das die Amerikaner) zu entlocken. Die gibt gern zu, sich als Feministin zu bezeichnen: "Ich will, dass Töchter genauso gute Chancen haben wie Söhne."

Im Fall des möglichen US-Spions beim Bundesnachrichtendienst, der zurzeit nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck erzürnt, zieht sich Clinton auf die Position zurück, dass sie die "Tatsachen" nicht kenne und deswegen keine Schlussfolgerungen ziehen könne. Alles müsse geprüft und anschließend im Dialog zwischen Washington und Berlin debattiert werden, betont die Demokratin.