Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:"Müssen aufhören, eine dumme Partei zu sein"

Kaum ist Präsident Obama wiedergewählt, schon diskutiert Washington, wer 2016 antreten könnte. Ein mögliches Duell zwischen Hillary Clinton und Jeb Bush elektrisiert viele. Doch auch zahlreiche weitere Kandidaten bereiten sich vor. Eine Übersicht.

Matthias Kolb, Washington

14 Bilder

-

Quelle: AP

1 / 14

Gerade einmal ein paar Tage ist die zweite Amtseinführung Barack Obamas her. Doch eine der absurdesten Regeln im Washingtoner Politbetrieb lautet: Es herrscht immer Wahlkampf. Und so haben längst die Debatten begonnen, wer in vier Jahren welche Chancen auf das Amt des US-Präsidenten hat, wem das Ergebnis der Wahl nutzt, wem es schadet. Sogar erste Meinungsumfragen gibt es schon. Auch in den Parteien selbst und der öffentlichen Wahrnehmung sind schon erste Tendenzen zu erkennen.

Ein Überblick über mögliche Kandidaten für 2016.

108331687

Quelle: AFP

2 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Hillary Clinton (Demokraten)

An ihr führt 2016 kein Weg vorbei: Washington wartet, dass Hillary Clinton erklärt, ob sie acht Jahre nach ihrer bitteren Vorwahlkampf-Niederlage gegen Barack Obama nochmals ins Rennen ziehen will. Ihre Voraussetzungen sind gut: Sie hat als First Lady acht Jahre im Weißen Haus gelebt, war Senatorin und kennt aus ihrer Zeit als Chefdiplomatin jeden Staatschef der Welt persönlich - mehr Kompetenz geht kaum.

"Ich weiß nicht, was ich als Nächstes tue", verriet die 65-Jährige der New York Times. Das amerikanische Internetmagazin Politico ahnt trotzdem die nächsten Schritte: Ein weiteres Buch, das Millionen in die Kassen spülen und Anlass für eine landesweite Werbetour liefern wird. Die Clinton-Maschine, ein Netzwerk aus Beratern, Spendensammlern und Strategen, läuft seit Jahrzehnten.

Joe Biden

Quelle: AP

3 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Joe Biden (Demokraten)

In Sachen Erfahrung kann höchstens Vizepräsident Joe Biden mit Hillary Clinton mithalten. Dass sich Biden das höchste Amt im Staate zutraut, gilt als sicher: 1988 und 2008 hatte er sich vergeblich um die Nominierung der Demokraten bemüht.

Für ihn spricht das Argument der Kontinuität nach Obama, gegen ihn das Alter. Bei einer Vereidigung 2017 wäre er 74 Jahre alt und hätte fast 50 Jahre im Washingtoner Politikbetrieb hinter sich - das beliebte Argument des Außenseiters, der in der Hauptstadt aufräumt, würde ihm niemand abnehmen.

-

Quelle: AFP

4 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Andrew Cuomo (Demokraten)

Der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hat gute Voraussetzungen für eine Präsidentschaftskandidatur: Sein Vater Mario regierte zwölf Jahre den Bundesstaat New York, Cuomo hat beste Kontakte zu reichen Spendern aus der Finanzmetropole und sich bereits einen Ruf im Rest des Landes gemacht. Doch wenn Hillary Clinton, die acht Jahre New Yorker Senatorin war, ins Rennen geht, dann würde Cuomo (im Bild mit Präsident Obama nach dem Hurrikan Sandy) laut New York Times passen - zu groß seine Loyalität gegenüber ihrem Ehemann Bill und die Ehrfurcht vor der Clinton'schen Basis-Mobilisierung.

Democratic candidate for the U.S. Senate seat for Massachusetts Elizabeth Warren addresses supporters during her victory rally in Boston

Quelle: REUTERS

5 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Elizabeth Warren (Demokraten)

Sie hat Geschichte geschrieben: Elizabeth Warren ist die erste Frau, die Massachusetts im Senat vertreten wird. Noch wichtiger: Die 63-jährige Jura-Professorin hat für die Demokraten den Sitz der Parteilegende Ted Kennedy zurückerobert. Warren ist als Kritikerin der "gierigen" Wall-Street-Banker und als Kämpferin für die "geprügelte" Mittelklasse bekannt - sie wirft Lobbyisten und superreichen Spendern vor, "das System zu manipulieren". Spätestens seit ihrem Wahlsieg ist sie die Hoffnung der progressiven Demokraten.

Als Senatorin muss die oft polarisierende Warren nun zeigen, dass sie auch überparteilich wirken kann. Sie selbst weist Spekulationen über höhere Ämter zurück, doch ihre Fans verweisen auf andere Senatoren mit einer ähnlichen Karriere. Neben der anderen Powerfrau Hillary wird auch oft Obama genannt, der mit nur dreieinhalb Jahren Washington-Erfahrung zum Präsidenten gewählt wurde.

Jeb Bush

Quelle: AP

6 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Jeb Bush (Republikaner)

Für Jeb Bush ist der eigene Name Segen und Fluch. "Wir Amerikaner lieben Marken und in der Politik sind Marken Familiendynastien", sagt der republikanische Stratege Alex Castellanos zu Politico. Wie bei den Clintons könnte der frühere Gouverneur von Florida auf ein Netzwerk aus Beratern und Finanziers zurückgreifen. Außerdem besitzt er vieles, was anderen Republikanern fehlt: Er spricht als Ehemann einer Mexikanerin fließend Spanisch, hat sich als Reformer in der Bildungspolitik einen Namen gemacht und wirbt seit Jahren für eine umfassende Einwanderungsreform. Sogar in der eigenen Familie gilt Jeb als der Sohn, der am besten ins Weiße Haus gepasst hätte.

Doch Jeb Bush blieb schon diesmal standhaft, als ihn viele Kommentatoren öffentlich und Partei-Obere im Verborgenen für eine Kandidatur gegen Romney bewegen wollten - ungewiss, ob er das in vier Jahren anders sieht. Wie kaum ein anderer weiß der 59-Jährige, wie stressig der Job des Präsidenten für alle Beteiligten ist und Ehefrau Columba meidet die Öffentlichkeit nahezu komplett.

Paul Ryan

Quelle: AP

7 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Paul Ryan (Republikaner)

Als Vizepräsident wollte Paul Ryan mit Mitt Romney ins Weiße Haus einziehen. Dieses Ziel hat der Mann aus Wisconsin nicht erreicht. Aber der 42-jährige Fitness-Freak hat seine Bekanntheit unter den Wählern enorm gesteigert und seine Position als einer der mächtigsten Republikaner gefestigt. Ryan bleibt Chef des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, wird seiner Partei in finanzpolitischen Fragen die Richtung weisen und an der Seite von Speaker John Boehner in die Verhandlungen zur "Steuerklippe" gehen. So kann er als Marktradikaler und Staatsausgaben-Feind den Gegenspieler Obamas geben.

Ryan ist mit seiner zupackenden Art und dem Schwiegersohn-Grinsen außerdem ein guter Wahlkämpfer. Allerdings scheint angesichts der Veränderungen in Amerikas Gesellschaft fraglich, ob der Abtreibungsgegner Ryan als Kandidat mehrheitsfähig ist - oder ob er seine Positionen abmildern wird. Von Mitt Romney könnte er sich Tipps geben lassen, wie er es eher nicht machen sollte.

Sen. Marco Rubio (R-FL) Appears In Iowa At Event For State's Governor

Quelle: AFP

8 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Marco Rubio (Republikaner)

Die Republikaner haben ein Problem mit jungen Wählern, mit Latinos und mit Frauen. Wer könnte da besser helfen, als ein gut aussehender, charmanter kubanischstämmiger Senator mit hübscher Ehefrau und vier Kindern, der erst 41 Jahre alt ist? Marco Rubio ist neben Paul Ryan für viele Republikaner ein Hoffnungsträger der Grand Old Party.

Einfach einen Kandidaten mit hispanischem Background auszuwählen, wird aber für die Stimmen der Latinos nicht reichen - gut, dass Rubio auch für ein progressiveres Einwanderungskonzept steht. Der Senator aus Florida macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Er trat im November bei der Geburtstagsparty des Gouverneurs von Iowa auf. Dort findet die erste Vorwahl statt. In einem Interview mit GQ deutete er gewisse Sympathien zum Kreationismus an, plauderte kundig über Hip-Hop und schwärmte von seinem Mentor Jeb Bush. Möglicherweise sprechen sich die beiden ab, wer 2016 antritt. Anders als Bush oder Romney könnte Rubio als Sohn eines Barmanns und eines Zimmermädchens allerdings überzeugend um die amerikanische Arbeiterschicht werben.

Gulf Coast Struggles With Oil Spill And Its Economic Costs

Quelle: AFP

9 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Bobby Jindal (Republikaner)

Es war der meistzitierte Satz in der aktuellen Debatte über den Kurs der Republikaner. Bobby Jindal, der Gouverneur von Louisiana, forderte: "Wir müssen aufhören, eine dumme Partei zu sein." Diese donnernde Kritik wiederholte Jindal noch häufiger - unter anderem in Las Vegas, wo er zum neuen Sprecher der republikanischen Gouverneure gewählt wurde.

Der 41-Jährige versucht, sich neben den Altersgenossen Marco Rubio und Paul Ryan als die neue Stimme der Konservativen zu etablieren. Mit dem früheren McKinsey-Berater könnten die Republikaner zeigen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt haben und mehr sein wollen als nur die Partei der weißen Mehrheit. Jindal wurde als Sohn indischer Eltern in Baton Rouge geboren, konvertierte als Teenager vom Hinduismus zum Katholizismus, studierte sowohl Medizin als auch Biologie. Wie seine Partei lehnt er Abtreibung sowie Homoehe strikt ab.

Chris Christie

Quelle: AP

10 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Chris Christie (Republikaner)

Der Gouverneur von New Jersey scheut keine Konfrontation und kommt mit seiner hemdsärmeligen Art bei vielen Wählern gut an. Chris Christie ist einer der populärsten Republikaner und wurde von vielen gedrängt, 2012 zu kandidieren. Stattdessen hielt er vielbeachtet die Begrüßungsrede auf dem Parteitag der Republikaner und schimpfte auf den amtierenden Präsidenten.

Doch Christie änderte seine Meinung, nachdem Super-Sturm Sandy seinen Bundesstaat verwüstete. Dass Christie so kurz vor der Wahl vor allen Kameras Obamas Führungsstärke lobte, werteten viele Konservative als Verrat. Wie die New York Times berichtet, bemüht sich der Mann mit dem beträchtlichen Bauchumfang nun, die Wogen wieder zu glätten und Gelder für seine Wiederwahl 2013 zu sammeln. Dass Christie als Republikaner das traditionell demokratische New Jersey regiert, zeigt, dass er bei Wechselwählern gut ankommt.

-

Quelle: AFP

11 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Condoleezza Rice (Republikaner)

Ihre Rede in Tampa war einer der Höhepunkte des Nominierungsparteitags der Republikaner: Kämpferisch, kompetent und persönlich sprach Condoleezza Rice darüber, was es heute heißt, konservativ zu sein. Zugleich kritisierte die Stanford-Professorin die außenpolitische Bilanz von Barack Obama. Die frühere Chefdiplomatin von George W. Bush hat nach Informationen von Politico mehreren prominenten Republikanern erklärt, dass sie sich weiterhin in der Frage über den richtigen Kurs der Partei äußern werde.

Allerdings hat Rice noch nie selbst einen Wahlkampf geführt und mögliche Avancen Mitt Romneys bezüglich der Vizepräsidentschaft ziemlich deutlich abgelehnt, weshalb Insider nicht wirklich mit einer Kandidatur rechnen. Bis heute gilt sie gerade vielen Wechselwählern als Symbolfigur der acht Bush-Jahre, deren Folgen die USA bis heute beschäftigen: enorme Staatsverschuldung, teure Militäreinsätze, Steuersenkungen für Besserverdienende und die Kosten der Bankenrettung.

Rand Paul

Quelle: AP

12 / 14

Kandidaten für US-Präsidentschaft 2016:Rand Paul (Republikaner)

Sein Vorteil ist sein Nachname: Rand Paul, Senator aus Kentucky, ist der Sohn der libertären Ikone Ron Paul, der vor allem bei jungen Amerikanern eine große Anhängerschaft hat. Rand Paul möchte nun zum neuen Kopf der Libertären aufsteigen und wirbt mit einem Programm, das an den berühmten Vater erinnert und doch etwas pragmatischer ist.

So will er sich für die Legalisierung von Marihuana, eine weniger aggressive US-Außenpolitik, eine Einwanderungsreform sowie die Verlagerung von mehr Kompetenzen auf die Bundesstaaten einsetzen. Dafür will der 49-Jährige auch mit Demokraten zusammenarbeiten. Es bleibt abzuwarten, ob Sohn Rand die Fans seines Vaters, der bei den primaries stets zwischen 15 und 20 Prozent erhielt, überzeugen kann - oder diese ihn als zu stromlinienförmig ansehen. Immerhin hat Rand Paul offiziell zur Wahl von Mitt Romney aufgerufen - ein Schritt, zu dem sich der Vater nicht durchringen konnte.

-

Quelle: AP

13 / 14

Sie haben es schon ein Mal versucht und sind gescheitert. Nichtsdestotrotz berichten US-Medien, dass der erzkonservative Katholik Rick Santorum seinen Freunden erzählt, dass er 2016 wieder antreten wolle. Der Ex-Senator aus Pennsylvania hatte bis Anfang April 2012 Mitt Romney das Leben schwergemacht.

Von Rick Perry bleibt vor allem in Erinnerung, dass er nicht wusste, welche Ministerien er als Präsident schließen würde und dass Mitt Romney mit ihm um 10.000 Dollar wetten wollte. Doch der Gouverneur von Texas liebäugelt trotzdem mit einer neuen Kandidatur.

Und kaum hat Michele Bachmann in Minnesota ihr Kongressmandat verteidigt, deutet die Heldin der Evangelikalen an, dass sie 2016 wieder bereit wäre, gegen Schwulenehe, Abtreibung und die Evolutionstheorie zu wettern und die Werte des konservativen Amerikas zu preisen.

Und auch Newt Gingrich, der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, hält es sich offen, 2016 erneut zu kandidieren

Bachmann and Cain Speak During The Unity Rally In Tampa

Quelle: Bloomberg

14 / 14

Reince Priebus, der Vorsitzende der Republikaner, ist trotz der Niederlage von Mitt Romney wieder optimistisch. Er sei stolz, wie viele kompetente Kandidaten die Partei 2016 ins Rennen schicken könnte, sagte Priebus zu Politico. Denn es kursieren die Namen von mindestens einem weiteren halben Dutzend konservativer Politiker, die in vier Jahren antreten könnten.

Susana Martinez zum Beispiel. Die 52-Jährige wurde bereits als mögliche Vizepräsidentin gehandelt. In New Mexico wurde die frühere Staatsanwältin 2010 als erste Latina zu einer Gouverneurin gewählt. Für ihre Arbeit als Regierungschefin erhält sie auch von vielen Demokraten gute Noten - und für ihre Auftritte beim Parteitag in Tampa und bei Wahlkampf-Events für Mitt Romney wurde sie bejubelt.

Als es um die Rolle des Romney-Stellvertreters ging, führte Martinez sehr persönliche Gründe für ihre Absage an: Sie müsse sich um ihre behinderte Schwester Lettie und um ihren an Alzheimer erkrankten Vater kümmern. Das gut informierte Insiderblatt Politico will nun erfahren haben, dass Martinez sehr ernsthaft über eine Kandidatur 2016 nachdenkt.

Zu den hoffnungsvollen Kandidaten gehören außerdem Rob Portman, Senator aus Ohio und Obama-Double bei Mitt Romneys Debattenvorbereitung, Bob McDonnell, Gouverneur von Virginia, sowie Scott Walker, der gefeiert wird, weil er sich als Gouverneur in Wisconsin erfolgreich mit den Gewerkschaften angelegt hat. Oft genannt werden auch Nikki Haley, die junge indischstämmige Gouverneurin aus South Carolina, sowie die Senatorin Kelly Ayotte aus New Hampshire. Ohios Gouverneur John Kasich werden ebenso präsidentielle Ambitionen unterstellt wie John Thune, dem Senator aus South Dakota.

Linktipp: Ein Update der aktuellen Spekulationen ist soeben bei Politico erschienen, in dem Medienspekulationen auf sehr unterhaltsame Art zusammengeschnitten wurden.

Der Autor twittert unter @matikolb.

© Süddeutsche.de/joku/bavo
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB