Klimakolumne:Im Treibsand der Energiewende

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Klimakolumne: In Deutschland ein eher seltener Anblick: Mehrfamilienhäuser mit Solarzellen. Das liegt auch an bürokratischen Hürden.

In Deutschland ein eher seltener Anblick: Mehrfamilienhäuser mit Solarzellen. Das liegt auch an bürokratischen Hürden.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring/matthiasdoering.com)

Die Ampel-Koalition will die Bürokratie abbauen, die momentan viele Privatinvestoren von der Installation Erneuerbarer abschreckt. Klingt gut, ist aber leider ein Großprojekt - mit ernüchterndem Zeitplan.

Von Thomas Hummel

Anfang März nannte He Lifeng, Vorsitzender von Chinas Staatlicher Kommission für Entwicklung und Reform, beim Nationalen Volkskongress in Peking der Nachrichtenagentur Reuters eine erstaunliche Zahl: Er kündigte den Bau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen in der Wüste Gobi und anderen Wüstenregionen mit einer Nennleistung von 450 Gigawatt an. Ein gigantisches Projekt. Es entspricht etwa der gesamten Menge der in Deutschland installierten Leistung aus Wind- und Sonnenenergie - mal vier.

Chinas Rolle in der Energiepolitik ist ambivalent, denn gleichzeitig laufen die Kohlemeiler auf Hochtouren, das Land ist aktuell für rund ein Drittel der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Ohne China geht im Klimaschutz nichts. Da macht der Ausbau der Erneuerbaren Energien Hoffnung. Das Motto lautet hier: Think big!

Der Kontrast zu Deutschland könnte kaum größer sein, denn hierzulande wird der Ausbau der Erneuerbaren zu einem erheblichen Teil von privaten Klein-Investoren gestemmt. Hausbesitzer, Landwirte oder Bürgerenergiegenossenschaften installieren Photovoltaik-Anlagen, letztere auch Windräder. Es ist die viel beschworene Energiewende von unten - besser gesagt: sie könnte es sein.

Doch der deutsche Staat hat sich etliche bürokratische Hürden einfallen lassen, weshalb sich viele Interessierte zurückziehen. Kürzlich erzählte mir ein Kollege, er würde sehr gerne eine PV-Anlage auf das Dach seines Reihenhauses bauen. Allerdings habe er gelernt, dass sich das nur lohne, so lange er drin wohne. Zieht er aus und vermietet das Haus, liefert er ja den Strom an den Mieter, was ihn zum Stromanbieter macht. Mit allen Berichts- und Zahlungspflichten. Das lohne sich kaum, zudem schrecke ihn die Bürokratie ab.

Es ist ein Grund von sehr vielen, wieso der Ausbau der Erneuerbaren hakt. All die Gesetze, Verordnungen und Auflagen, die für den Bau eines Windrads oder einer PV-Anlage nötig sind, fühlen sich an wie Treibsand, in dem die Energiewende zu versinken droht. Das grüne Wirtschafts- und Klimaministerium hat immerhin angekündigt, die Bürokratie abbauen zu wollen, auch "Mieterstrom" wie im Fall meines Kollegen soll einfacher und lohnender werden. Aus dem Ministerium heißt es aber, es werde die ganze Wahlperiode lang dauern.

Kennen Sie selbst Fälle, wo bürokratische Hemmnisse dem Bau von Windkraft- oder Photovoltaik-Anlagen be- oder gar verhindern? Dann freuen wir uns über eine Nachricht an klimafreitag@sz.de.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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