Klimaforschung:Ohne Zweifel

Klimaforschung: Kajaks liegen in einem ausgetrockneten Flussbett. Mit dem Klimawandel werden Dürren und andere Wetterextreme immer häufiger.

Kajaks liegen in einem ausgetrockneten Flussbett. Mit dem Klimawandel werden Dürren und andere Wetterextreme immer häufiger.

(Foto: SEBASTIEN BOZON/AFP)

Der Mensch ist die Ursache des Klimawandels - zu diesem Schluss kommen 99,9 Prozent aller Studien zu dem Thema.

Von Benjamin von Brackel

Wenn sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Wahlkampf zum Klimawandel äußerte, dann immer mit einem Adjektiv ergänzt: "menschengemacht". Als müsste man im Jahr 2021 immer noch darauf hinweisen, dass der Mensch die Hauptursache für den Klimawandel ist - dass also die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas den globalen Treibhauseffekt antreibt. "Es ist eindeutig, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land erwärmt hat", heißt es so unmissverständlich wie nie zuvor im neuen IPCC-Sachstandsbericht.

Ganz neu ist diese Einschätzung aber natürlich nicht: Im Jahr 2013 ergab bereits eine viel beachtete Metastudie, dass 97 Prozent aller wissenschaftlichen Arbeiten zum Klimawandel zwischen 1991 und 2012 die Aussage stützten, dass der Klimawandel menschengemacht sei. Die restlichen drei Prozent gaben dafür andere, sich widersprechende Gründe an wie eine angeblich stärkere Aktivität der Sonne oder Vulkanismus. Nichtsdestotrotz versuchten Energiekonzerne wie Exxon Mobil sowie konservative Denkfabriken lange, die Klimawissenschaft als zerstritten darzustellen, um politische Maßnahmen zu verhindern, die langfristig ihr Geschäftsmodell bedrohen könnten.

Mark Lynas von der Allianz für Wissenschaft an der Cornell-Universität in Ithaka im US-Bundesstaat New York wollte wissen, ob sich seither etwas am Konsens der Klimawissenschaft geändert hatte. Dafür werteten er und zwei Kollegen mehr als 88 000 wissenschaftliche Studien zum Klimawandel aus, die im Zeitraum 2012 bis November 2020 erschienen waren. Zunächst mit einer Zufallsstichprobe, dann mithilfe eines Algorithmus, der den kompletten Datensatz nach Stichworten durchsuchte, die typischerweise von Klimaskeptikern benutzt werden, darunter "kosmische Strahlung", "solar" und "natürliche Zyklen".

Das Ergebnis ist nun im Fachjournal Environmental Research Letters erschienen: Lediglich 28 Arbeiten zweifelten mehr oder weniger explizit an, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Also weniger als ein Promille. Publiziert worden waren diese in relativ unbedeutenden Journalen. "Das sollte dann so ziemlich das letzte Wort gewesen sein", sagt Lynas.

Gegner einer Energiewende würden ohnehin inzwischen eine ganz andere Taktik verfolgen, argumentiert der bekannte US-Klimawissenschaftler Michael Mann von der Pennsylvania State University. Da es inzwischen als wenig erfolgversprechend erscheine, den Klimawandel und die führende Rolle des Menschen dabei zu leugnen, würden sie stattdessen daran arbeiten, politische Maßnahmen zu verzögern oder zu verhindern - etwa indem sie die politische Debatte umlenken. Zum Beispiel mit der Botschaft, dass sich der Klimawandel nicht mit politischen Maßnahmen lösen lasse, sondern nur, wenn jeder einzelne seine individuellen Lebensgewohnheiten überprüfe. Das wiederum war hin und wieder auch im deutschen Wahlkampf zu hören.

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