UN-Millenniumsziele Wo die Welt im Kampf gegen Hunger und Armut steht

Das Ziel der UN, den Welthunger zu halbieren, wurde sehr knapp verfehlt.

(Foto: AFP)

Bessere Bildung, geringere Kindersterblichkeit, gesündere Mütter: Mit den UN-Millenniumszielen hat sich die Welt Großes vorgenommen. Was wurde erreicht? Die Abrechnung.

Von SZ-Autoren

"Die Weltgemeinschaft hat Grund zu feiern", glauben die Vereinten Nationen. Der Auslöser: Die sogenannten UN-Millenniumsziele wurden im September vor 15 Jahren beschlossen und sollen nun runderneuert werden. Acht Ziele hatte sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2000 auferlegt.

Die UN selbst sparen nicht mit Lob für das Erreichte. Die Entwicklungsziele hätten "die erfolgreichste Anti-Armuts-Bewegung der Geschichte" bewirkt, eine Milliarde Menschen aus der Armut geholt, den Welthunger reduziert. Stimmt das? In dieser Übersicht lesen Sie, was bislang erreicht wurde, wo die Weltgemeinschaft ihren eigenen Ansprüchen hinterherhinkt und welche neuen Ziele sie sich gesteckt hat.

Ziel 1: Armut und Hunger halbieren - zum Teil erreicht

Die extreme Armut und den Hunger in der Welt zu bekämpfen, ist das erste unter den Millenniums-Entwicklungszielen, die die Vereinten Nationen im Jahr 2000 beschlossen haben. Ausgehend vom Jahr 1990 sollte der Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die weniger als 1,25 Dollar am Tag zur Verfügung haben, bis 2015 um mindestens die Hälfte sinken. Dieses Ziel wurde sogar schon 2011 erreicht. Der Anteil ist bis dahin von 36 Prozent (1,9 Milliarden) auf 15 Prozent (eine Milliarde) gefallen. Schätzungen zufolge sind es inzwischen noch zwölf Prozent - 836 Millionen Menschen.

Die größten Fortschritte haben Indien und China dank ihres Wirtschaftswachstums gemacht. Das Entwicklungsziel nicht erreicht haben die Länder südlich der Sahara. Die extrem Armen machen dort noch immer mehr als 40 Prozent der Bevölkerung aus.

Das zweite Teilziel, den Hunger zu halbieren, wurde sehr knapp verfehlt. Die Zahl der Menschen, die unterernährt sind, liegt Schätzungen der UN zufolge weltweit bei 795 Millionen - das bedeutet, jeder Neunte hat nicht ausreichend zu essen.

In den Ländern südlich der Sahara wächst die Bevölkerung so schnell, dass auch die Zahl der Unterernährten weiter zunimmt. In den zentralafrikanischen Ländern hat sie sich seit 1990 sogar verdoppelt. Noch immer hungern 90 Millionen Kinder unter fünf Jahren - eines von sieben Kindern weltweit. 1990 war es noch eines von vier Kindern.

Dass der Erfolg insgesamt nicht größer ausfällt, hat mit der Wirtschaftskrise und hohen Preisen für Lebensmittel und Energie in manchen Ländern zu tun. Auch bestimmte Wetter- und Naturkatastrophen traten in den vergangenen 15 Jahren verstärkt auf.

Wie lautet das neue Ziel?

Als neues Ziel haben sich die Vereinten Nationen nun vorgenommen, bis 2030 die extreme Armut weltweit vollständig zu überwinden. Niemand soll mehr an Hunger oder Unterernährung leiden müssen.

Die Faktoren, die der Entwicklung bislang im Weg standen, könnten sich in Zukunft allerdings eher noch verstärken: Der Klimawandel könnte zu häufigeren Extremwettern führen, in Ländern wie dem Jemen, Syrien oder Südsudan toben Bürgerkriege und regionale Konflikte.

mcs