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Start-ups:Das Problem der Finanzierung

Bernhard Landgraf sitzt auf der anderen Seite des Schreibtisches: Er leitet den Bereich Sonderfinanzierungen bei der Hypo-Vereinsbank und sieht sich als klassischer Unternehmensfinanzierer. Er finanziert nicht Gründer in der ersten Phase, sondern zum Beispiel Menschen mit Branchenerfahrung, die sich selbständig machen, solche, die eine Firma übernehmen, Freiberufler wie Architekten und Steuerberater, Handwerker, Ärzte und andere Heilberufe. Für Tech-Unternehmen hat die Hypo-Vereinsbank ein eigenes Team in Berlin gegründet, um den speziellen Anforderungen der jungen Szene gerecht zu werden.

"Wichtig ist ein fundierter Businessplan, der die Chancen und Risiken des Geschäftsmodells kurz und verständlich erläutert", sagt Landgraf. "Die Zusammenfassung sollte keine zehn oder 20 Seiten lang sein und nicht zu viel Fachchinesisch enthalten." Die Qualität der Businesspläne sei in den vergangenen Jahren besser geworden. Seine Mannschaft, 16 Gründungsspezialisten an sechs Standorten in Deutschland, bekomme im Jahr gut 1500 Kreditanfragen von Gründern mit einem Bedarf von mehr als 100 000 Euro. An die Gründer verlieh die Hypo-Vereinsbank im vergangenen Jahr gut 250 Millionen Euro. "Kleinstgründern" vermittelt die Bank das sogenannte Startgeld der KfW. "Wir haben in den vergangenen sechs Jahren rund 7000 Konzepte mit einem Bedarf über 100 000 Euro gesehen", sagt Landgraf.

Start-up Jetzt müssen sie liefern
Start-ups

Jetzt müssen sie liefern

Das Wettbieten um aussichtsreiche Internetfirmen im Silicon Valley hat deren Bewertungen immer höher getrieben. Doch nun gibt es ein Umdenken. Gründer müssen beweisen, dass sie auch Geld verdienen können.   Von Johannes Kuhn

Vergibt eine Bank ein Darlehen, schaut sie jahrelang in die Bücher

Anja Fischer, die Frau mit den Campingbussen, fiel durch einige Raster, als sie gründen wollte: Existenzgründerwettbewerbe richten sich oft an Studenten, sie war bereits 36 Jahre alt. Außerdem wollte sie nebenberuflich gründen und vorerst ihren Job behalten, zur Sicherheit. Von vornherein hatte sie Bedenken, zu einer großen Bank zu gehen. Weil sie vorerst nur einen zweiten Bus und professionelle Ausbauten für beide Fahrzeuge wollte, brauchte sie nur etwa 40 000, keine 100 000 Euro - doch oft reden Banken erst ab diesem Betrag mit Gründern, "darunter gilt das als Mikrokredit". Und wirklich ernst genommen werde man erst ab 250 000 Euro.

Außerdem fürchtete sie den bürokratischen Aufwand. Gründet man mit einem Kredit von der Bank, werden in den Jahren danach die Bücher und die Geschäftserfolge geprüft, erneut also Papierkram, Gespräche, Fremdbestimmung - das Gegenteil von der Unabhängigkeit, die sie sich von einer Gründung versprach. Schließlich fand sie eine Finanzierung bei einer kleinen Genossenschaftsbank. Sie überzeugte den gleichaltrigen Berater mit ihrer Idee so, dass er am liebsten gleich selbst einen Campingbus gemietet hätte.

"Urlaubsguru" gehört zu den erfolgreichsten deutschen Start-ups

Daniel Krahn und Daniel Marx brauchten keine Geldgeber, ihre Firma Uniq GmbH ist zu 100 Prozent eigenfinanziert. Sie landeten mit ihrem "Urlaubsguru" einen Treffer. Mit inzwischen mehr als 100 Leuten durchforsten sie das Internet nach Reiseschnäppchen und präsentieren dann 25 bis 30 auf ihrer Seite: ein individuell zusammengestellter Mix aus gerade besonders günstigen Flügen und Hotels. Die Angebote sind in der Regel zeitlich befristet. Wer zu spät kommt, geht leer aus - und das kann mitunter schnell passieren. Damit kein Frust entsteht, gibt es noch ein Callcenter; dort können Kunden gezielt und nach eigenen Wünschen Reisen suchen lassen.

Den Urlaubsguru gibt es jetzt seit vier Jahren. Das Schnäppchenportal für Reisesüchtige ist eine der größeren Erfolgsgeschichten unter den Start-ups in Deutschland: Von 2012 bis 2015 stieg die Zahl der Besucher von 25 000 auf 19 Millionen. Aus 3333 Facebook-Fans wurden 3,4 Millionen. Wenn jemand einer Empfehlung folgt und eine Reise bucht, bekommt der Urlaubsguru eine Provision.

Anja Fischer besitzt mittlerweile vier Busse. Vor allem in den Sommermonaten sind sie ausgebucht, da könnte sie mehr Fahrzeuge gebrauchen. Leben kann sie mittlerweile davon, aus den roten Zahlen möchte sie spätestens 2023 raus sein, zehn Jahre nach der Gründung. "Es ist viel Arbeit und am Anfang finanziell problematisch", sagt sie. Gelohnt hat es sich trotzdem, schon wegen der Freiheiten, die sie jetzt genießt. "Ich würde es jederzeit wieder machen."

Lesen Sie jetzt ein Porträt der "Urlaubsgurus" Daniel Krahn und Daniel Marx - mit SZ Plus:
Süddeutsche Zeitung Wirtschaft Die Gurus aus Westfalen

Reise-Start-up

Die Gurus aus Westfalen

Die beiden Start-up-Unternehmer Daniel Krahn und Daniel Marx sind mit einer simplen Idee erfolgreich: Sie durchforsten das Internet nach Reiseschnäppchen.   Von Michael Kuntz