Der deutsche Technologiekonzern Siemens stand bei der Profitabilität jahrezehntelang im Schatten des amerikanischen Konkurrenten General Electric (GE). Doch im vergangenen Oktober konnte Siemens-Chef Peter Löscher stolz verkünden: "Wir sind auf Augenhöhe." Tatsächlich lag Siemens im Geschäftsjahr 2009/2010 mit einer operativen Umsatzrendite von knapp zwölf Prozent auf dem Niveau des Konzerns, den der geniale Erfinder Thomas Alva Edison 1890 gegründet hatte. Und: Siemens hat in wichtigen Zukunftsmärkten wie bei Windkraftanlagen, Gasturbinen und der Solarthermie die Nase vorn.

Doch GE kontert. Im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2010 nahm der US-Konzern wieder Fahrt auf und legte bei Umsatz und Ergebnis deutlich zu - im Gesamtjahr setzte der Mischkonzern 150 Milliarden Dollar (109,7 Milliarden Euro) um und verdiente nach Steuern 12,2 Milliarden Dollar (8,9 Milliarden Euro). Damit ist GE nach wie vor deutlich größer als Siemens (Umsatz 2010: circa 76 Milliarden Euro), und zwar auch unter Berücksichtigung des gewichtigen Finanzdienstleistungsgeschäftes der Amerikaner. 

Der größte Vorteil von GE gegenüber Siemens liegt aber womöglich in der vollen Kasse, in der die Amerikaner 78,3 Milliarden Dollar (57,3 Milliarden Euro) angehäuft haben. Siemens steht nur ein Bruchteil dieses Betrages für mögliche Übernahmen  zur Verfügung. GE hat bereits angekündigt, den Trumpf nutzen zu wollen: Die Amerikaner haben 30 Milliarden Dollar für Akquisitionen eingeplant. 

Bild: AFP 26. Januar 2011, 18:022011-01-26 18:02:44 © sueddeutsche.de/mel