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Griechenland:Bank-Feiertage, Kapitalkontrollen: Das wären mögliche Konsequenzen

Was könnte die EZB entscheiden?

Sie könnte die Banken von Mittwoch an nicht mehr unterstützen. Geldautomaten würden leer bleiben, Kunden könnten Überweisungen nicht mehr ausführen, weil die Beträge bei der Bank selbst nicht mehr gedeckt wären. Für die griechische Wirtschaft, die sowieso schon am Boden liegt, wäre dies ein extremer Schock.

Könnte die EZB nicht doch die eigenen Regeln noch so interpretieren, dass Griechenland noch ein paar Tage bleiben?

Vielleicht. Die EZB will (und darf eigentlich) keine Politik machen. Wenn sie die griechischen Banken in die Pleite schickt, könnte Chaos ausbrechen, ein Staatsbankrott könnte folgen. Die Regierung könnte ihre Beamten nicht mehr bezahlen, keine Renten mehr überweisen. Das auszulösen, ist nicht die Aufgabe der EZB. Sie soll eben nur die Währung stabil halten. Eine politische Lösung ist theoretisch immer noch möglich, das betonen auch Jeroen Dijsselbloem, der niederländische Finanzminister und Chef der Euro-Gruppe, in der alle Euro-Finanzminister Mitglied sind, sowie IWF-Chefin Christine Lagarde. Somit könnte die EZB eventuell die Hilfe verlängern, bis das Ergebnis des Referendums klar ist. Legt die EZB einen Tag fest, bis zu dem sie die Banken am Leben erhält, kommt das einem Ultimatum an die Regierung gleich. Denkbar ist dann auch, dass angesichts dessen die Volksabstimmung auch wieder abgesagt wird.

Was passiert in Griechenland, wenn die Banken kein Notfallgeld mehr bekommen?

Zeichnet sich eine potenzielle Pleite der Institute ab, könnte es zu einem Sturm auf die Banken kommen. Bürger wollen ihr Geld abheben, weil sie den Geldhäusern nicht mehr trauen. In der Emergency Liquidity Assistance ist ein Puffer von rund drei Milliarden Euro eingebaut. Am Samstag haben die Griechen eine Milliarden Euro abgehoben, normal sind an einem solchen Wochenendtag 30 Millionen Euro. Der Puffer würde also wohl nicht ausreichen, die Banken von Mittwoch an bis zum Samstag vor dem Referendum flüssig zu halten. Die Regierung in Athen könnte kurzfristig Bank-Feiertage ausrufen, an denen die Institute geschlossen bleiben, um das zu verhindern. Oder sie führt sogenannte Kapitalverkehrskontrollen ein. Diese begrenzen, wie viel Geld am Automat abgehoben werden darf, zum Beispiel nur noch 300 oder 100 Euro am Tag pro Konto. Bargeld dürfte in einem solchen Fall auch nur nach bestimmten Regeln nach Griechenland ein- und ausgeführt werden.

Ist Griechenland nicht eh am Dienstag pleite, weil das Land dem IWF einen Kredit zurückzahlen muss?

Rund 1,6 Milliarden Euro muss Athen dann zurückzahlen. Dafür fehlt wohl das Geld. Allerdings gilt Athen nicht sofort als insolvent, sondern die Zahlung gilt zunächst als "im Verzug" (hier der genaue Zeitplan in den IWF-Statuten als PDF). Zahlt Griechenland sechs Monate nicht, stünde der EU-Staat in einer Reihe mit Somalia, Sudan und Simbabwe. Es wäre ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit der Regierung. Aber, so absurd es klingt, das ist das momentan kleinste Problem Griechenlands.