Technik:So benutzen Sie Chatbots richtig

ChatGPT & Bard Tipps.: Wie Sie Chatbots richtig nutzen

Noch nutzen nur wenige Menschen Chatbots. Doch das dürfte sich in Zukunft ändern.

(Foto: Midjourney, Ornella Giau)

Dienste wie Chat-GPT oder Bard sollen angeblich unser Leben verändern. Wie kann man sie sinnvoll nutzen? Eine Kurzanleitung in vier Schritten.

Von Simon Hurtz

Medien lieben Chat-GPT. Seit das Unternehmen Open AI den Chatbot im vergangenen November veröffentlichte, begegnet man ihm überall. Allein im SZ-Archiv finden sich mehr als 400 Texte, Interviews und Kommentare, die den Begriff Chat-GPT enthalten. Doch was Medien schreiben, weicht manchmal von dem ab, was Menschen machen: Bei einer Bitkom-Umfrage sagten kürzlich mehr als 80 Prozent der Befragten, dass sie Chat-GPT noch nicht ausprobiert hätten.

Wer neugierig ist, aber bislang davor zurückgeschreckt ist, sich mit der neuen Technologie zu beschäftigen, sollte weiterlesen. Der Einstieg in Chat-GTP dauert nur wenige Minuten und kostet kein Geld. Zum Beispiel ist der Chatbot im Microsoft Edge Browser standardmäßig integriert. Das Werkzeug auszuprobieren, kann wertvolle Erkenntnisse bringen. Schließlich erwarten zwei Drittel der Menschen in Deutschland, dass Anwendungen wie Chat-GPT unser Leben verändern werden. Eine Kurzanleitung in vier Schritten:

1. Die Erwartungshaltung dämpfen

Soziale Medien sind voll mit Heilsversprechen selbsternannter Experten für sogenannte künstliche Intelligenz. Diese Gurus behaupten, man könne mithilfe von Chatbots den Alltag optimieren, kreativer werden, produktiver arbeiten und reich werden. Praktischerweise verkaufen viele gleichzeitig KI-Kurse und wollen an dem Hype mitverdienen, den sie schüren.

Trotzdem können Werkzeuge wie Chat-GPT für viele Menschen hilfreich sein. Manche lassen sich lange Dokumente zusammenfassen, Excel-Formeln berechnen oder beim Programmieren helfen. Andere fragen Chatbots nach Gedichten oder Gute-Nacht-Geschichten für Kinder und Enkel. Was für einen selbst funktioniert, findet man nur durch Ausprobieren heraus.

2. Die Technik verstehen

Viele Menschen, die zum ersten Mal mit einem Chatbot kommunizieren, machen einen Fehler: Sie schreiben der Maschine menschliche Eigenschaften zu. Das ist verständlich, schließlich imitieren und reproduzieren die Systeme unsere Sprache. Emotionen oder Empathie besitzen sie aber nicht. Wer Krisen durchlebt oder psychische Probleme hat, braucht keine KI, sondern eine Therapeutin.

Chatbots beruhen auf Sprachmodellen, die mit großen Mengen an Text trainiert werden. Unternehmen wie Open AI, Microsoft und Google verleiben sich das halbe Netz ein, um ihre Systeme damit zu füttern. Die Textautomaten reihen Wörter aneinander, die online oft in ähnlichen Zusammenhängen auftauchen. Manchmal kommen dabei Antworten heraus, die zwar überzeugend klingen, aber frei erfunden sind.

3. Den richtigen Chatbot wählen

Chat-GPT, Bing und Bard, das sind derzeit die drei bekanntesten Bots. Bei den ersten beiden hat Microsoft die Finger im Spiel. Dem Konzern gehört ein Teil von Open AI, das Chat-GPT entwickelt. Bing beruht auf demselben Sprachmodell, hat aber einen Vorteil: Im Gegensatz zu Chat-GPT, dessen Trainingsmaterial nur bis ins Jahr 2021 reicht, kann Bing das Netz nach aktuellen Informationen durchsuchen. Wenig überraschend beherrscht das auch Bard, schließlich steckt dahinter der Betreiber der größten Suchmaschine: Google.

Bei allen Chatbots muss man Hürden überwinden. Bard setzt ein Google-Konto voraus, Bing lässt sich nur in Microsofts Edge-Browser nutzen, und für Chat-GPT muss man sich mit einer E-Mail-Adresse oder Handynummer registrieren. Ganz ohne Anmeldung kann man bei Perplexity.ai loslegen. Der Dienst nutzt Technologie von Open AI, bietet eine hübschere Oberfläche und eine brauchbare App. Besonders praktisch: Für jede Antwort spuckt Perplexity etliche Quellenangaben aus, mit denen sich die Informationen überprüfen lassen.

4. Den Chatbot bedienen

Man tippt etwas in ein Textfeld und bekommt eine Antwort, was kann man da schon falsch machen? Leider eine ganze Menge. Die Qualität des Outputs hängt stark vom Input ab. Gute Prompts, so nennt man die Eingaben, bestehen selten aus einem Satz. Dabei hilft es, sich den Chatbot als einen ahnungslosen Praktikanten vorzustellen, der so viele Zusatzinformationen benötigt wie möglich. (Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass man es mit einer Maschine zu tun hat, siehe Punkt 2.)

Sinnvoll ist es etwa, zu Beginn die Rolle des Chatbots einzugrenzen und klar zu benennen, was man sich wünscht. "Du bist ein professioneller Koch. Ich interessiere mich für einfache, aber kreative Rezepte, die maximal eine halbe Stunde Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen. Wenn ich dir Zutaten sage, erstellst du daraus drei Schritt-für-Schritt-Anleitungen für unterschiedliche Gerichte. Heute habe ich Karotten, Blumenkohl und Kartoffeln übrig. Was kann ich damit kochen?"

Liefert die erste Antwort nicht das gewünschte Ergebnis, hilft oft eine Präzisierung: "Ich mag das Curry, das du mir als Erstes genannt hast. Allerdings habe ich weder Kokosmilch noch Petersilie zu Hause. Schlag mir ein ähnliches Rezept ohne diese Zutaten vor." Man kann auch bewusst in den Dialog gehen und zu Rückfragen auffordern: "Ich möchte einen Marathon laufen. Welche Informationen benötigst du von mir, um mir einen Plan für strukturiertes Training zu erstellen?"

Das Keuchen und Schwitzen nimmt einem die KI leider noch nicht ab.

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