Tech-Unternehmen:Bislang hielt die Branche meist fest zusammen - auch das gilt nicht mehr

Wie groß die Nervosität in der Tech-Industrie ist, zeigt sich daran, dass die Top-Manager der Branche den Amazon-Kollegen Jeff Bezos bisher kaum gegen die wiederholten Attacken Trumps in Schutz genommen haben. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der wegen des Daten-Skandals vor Parlamentsausschüssen in aller Welt aussagen soll, wurde nicht etwa von einer Solidaritäts-, sondern im Gegenteil von einer Kritikwelle erfasst. So setzte sich etwa Apple-Boss Tim Cook öffentlich von ihm ab und verwies darauf, dass er das Geschäft mit Nutzerdaten, wie Facebook es betreibt, schon immer abgelehnt habe.

Dabei war die Branche in der Vergangenheit durchaus zusammengerückt, wenn Druck von außen aufkam: Als die US-Bundespolizei FBI etwa Apple zwingen wollte, die verschlüsselten Daten eines iPhones preiszugeben, sprangen Google, Facebook und Microsoft dem Konzern zur Seite. Solcherlei Corps-Geist aber kann oder will sich die Branche in Zeiten zunehmender Probleme offenkundig nicht mehr leisten. Diese Baustellen müssen die Konzerne im Einzelnen bewältigen:

Facebook: Der Fehler liegt im System

Nun sieht die Welt, dass Facebooks Geschäftsmodell des Sammelns und Vernetzens persönlicher Informationen grundsätzlich unvereinbar mit Datenschutz ist. Dass ein Wissenschaftler Zugang zu persönlichen Informationen von fast 50 Millionen Nutzern hatte, hat dem Unternehmen sein größtes PR-Desaster beschert. Auch, weil er die Daten an die zwielichtige Propaganda-Firma Cambridge Analytica verkaufte, die damit rechten Bewegungen zu politischen Siegen verhelfen wollte. Facebooks Aktienkurs hat gelitten, und Mark Zuckerbergs Credo, die Welt mit jedem Tag "offener und vernetzter" zu machen, endgültig eine hohlen Klang bekommen. Jahrelang konnten Entwickler externer Apps ahnungslose Facebook-Nutzer gegen ihren Willen als Datenquellen benutzten. Facebook hat ihnen diese Möglichkeit mittlerweile genommen. Zuckerberg hat öffentlich Demut gezeigt. Doch das ändert nichts an einer Tatsache: Bei Facebook liegt der Fehler im System.

Intel: Der Umstieg ist schwierig

Rein ökonomisch gesehen wäre der Verlust wohl verschmerzbar, der Imageschaden allerdings könnte größer kaum sein: Nach Medienberichten wird der Chip-Hersteller Intel ab 2020 ohne den Großkunden Apple auskommen müssen, da dieser seine Mac-Computer künftig mit eigenen Prozessoren bestücken will. Obwohl Verkäufe an Apple nur fünf Prozent des Konzernumsatzes ausmachen, würde der Verlust des Auftrags den Eindruck verstärken, dass Intel in zentralen Geschäftsbereichen den Anschluss verloren hat. Der einst unumstrittene Chip-Konzern leidet darunter, dass der PC-Markt als wichtigster Umsatzbringer rückläufig ist und er den Einstieg ins Smartphone- und Tablet-Geschäft verschlafen hat. Stattdessen baut Intel nun Prozessoren für Rechenzentren und fahrerlose Autos. Auch Apple hat der Konzern noch nicht gänzlich abgeschrieben: Der Umstieg auf eine völlig neue Chip-Architektur nämlich gilt unter Experten als sehr schwieriges Unterfangen.

Tesla: Börsianer haben keine Lust auf Scherze

Als nichts mehr half gegen die miese Stimmung, versuchte es Elon Musk mit einem Aprilscherz: Tesla sei pleite, schrieb der Firmenchef im Mitteilungsdienst Twitter, daran habe auch der rasch eingeleitete Verkauf von Ostereiern nichts ändern können. Doch den Börsianern war nicht zum Scherzen zumute, denn die Probleme bei dem Elektroauto-Pionier sind nur allzu real: Es gelingt Tesla einfach nicht, eine Massenfertigung für das als Umsatzbringer geplante Model 3 aufzubauen, zugleich machen das Flaggschiff Model S und der Bereich Autonomes Fahren durch Rückrufe und Unfälle von sich reden. Mancher Beobachter frage sich mittlerweile, ob Teslas Zukunft "überhaupt so berauschend ist, wie wir sie uns eine Zeit lang ausgemalt haben", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Auch wenn Rückschläge für Pioniere normal seien, stehe fest: "Tesla wird viel mehr darum zu kämpfen haben, seine Rolle zu behaupten, als das in den vergangenen zwei, drei Jahren der Fall war."

Amazon: Ärger mit dem mächtigsten Mann der Welt

Der mächtigste Mann der Welt liefert sich eine Fehde mit dem reichsten Mann der Welt. Donald Trump hasst Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos. Der US-Präsident macht den Onlinehändler für die Milliardenverluste der Staatspost ebenso verantwortlich wie für den Niedergang von Einzelhändlern. An Bezos stört Trump zudem, dass er sich die Zeitung Washington Post gekauft hat, die etliche der Skandale um Trump aufdeckte. Er wolle Amazon "jagen", soll der Präsident laut Medienberichten gesagt haben. "Er ist besessen von Amazon", sagt ein Insider. Offenbar überlegt Trump nun, die Besteuerung des Onlinehändlers zu ändern. Zuerst allerdings will er sich die Sache mit der US-Post vornehmen, es könnten höhere Paketgebühren auf Amazon zukommen. "Nur Narren, oder noch Schlimmere, sagen, dass unsere verlustträchtige Post Geld mit Amazon verdient. Sie verliert ein Vermögen, und das wird sich ändern", schrieb Trump bei Twitter.

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